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Road-Movie „Der geilste Tag“: Das Leben könnte schön sein

Von Die beiden Spitzenkräfte des deutschen Films sind als schwerkranke Kerle zu sehen, die im Wohnmobil durch Afrika fahren und bei sich selbst ankommen.
Benno (Florian David Fitz, links) und Andi (Matthias Schweighöfer) sitzen im Flugzeug nach Mombasa und haben viel, viel Geld dabei. Die beiden Todkranken wollen mit dem Wohnmobil durch Afrika reisen und so richtig was erleben. Benno (Florian David Fitz, links) und Andi (Matthias Schweighöfer) sitzen im Flugzeug nach Mombasa und haben viel, viel Geld dabei. Die beiden Todkranken wollen mit dem Wohnmobil durch Afrika reisen und so richtig was erleben.

Es hätte ein fürchterlicher Reinfall werden können. Ist es doch wahrlich keine neue Idee, zwei Schwerkranke aus einer Klinik ausreißen und zum Abschluss ihres Normalo-Daseins noch etwas Außergewöhnliches erleben zu lassen. Deutsche Filme dieser Art haben vor bald 20 Jahren mit „Knockin’ on Heaven’s Door“ ihren Anfang genommen und seither noch kein Ende gefunden. Damals waren es Jan Josef Liefers und Til Schweiger, die samt Knochenkrebs und Hirntumor in einen alten Mercedes stiegen, um fidel an die holländische Küste zu fahren. In der Zwischenzeit war Florian David Fitz als Tourette-Syndrom-Befallener mit dem Road-Movie „Vincent will Meer“ in der deutschen Filmlandschaft unterwegs, während Matthias Schweighöfer sich als junger Unfallverletzter mit einer alten augenkranken Dame aus einem Krankenhaus absetzte, um im Cabrio in die Bretagne zu starten („Frau Ella“).

Reden und schweigen

Ja, „Der geilste Tag“ hätte völlig danebengehen können, zumal gerade Schweighöfer, dieser quirlig überbegabte Schauspieler, immer wieder Opfer seines eigenen Übermuts geworden ist, vorrangig dann, wenn er über sich selbst Regie geführt hat. Doch bevor nun in dieser Komödie der Anlasser des Wohnmobils überhaupt gestartet wird, steht bereits fest: Ein Reinfall ist sie nicht, weil sie alles ein bisschen besser macht. Es ist eben nicht ein überschäumender Schweighöfer, der hier das totale Sagen hat, sondern Fitz, der mit seiner Dreifachrolle als Drehbuchautor, Regisseur und zweiter Hauptdarsteller so besonnen umgeht, dass es insgesamt eine seltene Großleistung ergibt.

In einem Münchner Sterbehospiz beschließt der Rumtreiber Benno (Fitz), sich nicht länger seinem Hirntumor auszuliefern. Mit Zimmernachbar Andi (Schweighöfer), dessen Lungenfibrose kaum noch Hoffnung lässt, ergaunert Benno Geld für einen Flug nach Mombasa. Von dort aus machen sich die beiden Todgeweihten per Camper auf nach Südafrika.

Bei einem Road-Movie kommt es sehr darauf an, was geredet und wie geschwiegen wird. Was das betrifft, weiß Florian David Fitz ganz genau, wann das Laute und wann das Leise fällig ist. Mit knappen Wortwechseln gibt er den Rhythmus der Reise vor, immer aus der Erfahrung heraus, dass man große Gefühle kleinhalten muss, wenn’s vor der Kamera nicht peinlich werden soll. „Ich kann ihn nicht leiden, aber er ist mein bester Freund“, heißt es da etwa. Auch sonst schafft Fitz rundum stimmige Stimmung, die sehr gezielt verhindert, dass alles zusammen im Klamauk landet. Was gar nicht so leicht ist, denn Benno leidet an Schlafanfällen und kippt oft unerwartet weg, während Andi schnell außer Puste gerät, weil er an einer Sauerstoffflasche hängt, die er durch Afrika schleppen muss. Wer aber diesen nach Luft ringenden Kerl vor einen gefräßigen Löwen stellen kann, ohne dass die gesamte Szene entartet, der hat das Drehbuchschreiben und das Regieführen gelernt.

Wann immer man in „Der geilste Tag“ mit einer bestimmten Drehung oder Wendung der Handlung rechnen zu müssen glaubt, nimmt sie einen ganz anderen Weg. Dass diese Handlung ihr Ziel erreicht, versteht sich bei zwei Schauspielern hoher Schule wie Schweighöfer und Fitz zwar von selbst. Aber dass am Ende sowohl die Handlung als auch der Humor noch in guter Verfassung sind, spricht dafür, dass hier nicht nur Profis, sondern Vollprofis am Werk waren. Letzte Schlussfolgerung vor der Ausfahrt zum Tod: Man sollte den Sinn des Lebens durchaus suchen. Und ihn am besten dort finden, wo man nicht allzu lange alleine ist. Sehenswert

 

Frankfurt: Berger, Cinestar, E-Kinos, Metropolis. Sulzbach: Kinopolis.
Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis. Mainz: Cinestar

 

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