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"Sufragette" von Sarah Gavron: Das Rauchen ist nur Männern gestattet

Von In ihrem Film „Suffragette“ erinnert Sarah Gavron daran, wie englische Arbeiterinnen und Politikerinnen im 19. Jahrhundert das Frauen-Wahlrecht erkämpften.
Maud (Carey Mulligan) wird von Polizisten festgenommen. Foto: Concorde Filmverleih GmbH (Concorde Filmverleih GmbH) Maud (Carey Mulligan) wird von Polizisten festgenommen.

Die Freiheit der Frau ist nicht vom Himmel gefallen, auch wenn dies manchen jungen Frauen heute so scheinen mag. Die Emanzipation musste sich erst herausbilden, über Jahrhunderte hinweg. Die Feministinnen der 68er Generation wären kaum denkbar gewesen ohne die Trümmerfrauen und tatkräftigen Frolleins, die in den 40er Jahren zu Hause in den Fabriken oder auf dem Bau arbeiteten, während die Männer im Krieg kämpften oder in Gefangenschaft ausharrten. Ebenso wenig hätten sich diese Tüchtigen wohl all die männlichen Tätigkeiten zugetraut, wenn es nicht gleichzeitig die Flintenweiber der Sowjet-Armee gegeben hätte sowie zuvor schon die „Blaustrümpfe“, die ersten Studentinnen an den englischen Universitäten, und eben die Suffragetten. Sie sorgten dafür, dass die Frauen in Großbritannien wie in Deutschland 1918 das gesetzliche Wahlrecht erhielten – im Französischen „Suffrage“ genannt.

Wie es dazu kam, dass diese Frauenrechtlerinnen sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Politmärschen formierten, vor das Regierungsgebäude in London zogen, Steine in die Schaufenster und Sprengsätze in die Postkästen sowie auf Privathäuser von Regierungsmitgliedern warfen, bringt die englische Regisseurin Sarah Gavron nun in Erinnerung. In gediegener Erzählweise, mit einer Mischung aus verbürgten und erfundenen Tatsachen, zeigt sie am Beispiel einer fiktiven Arbeiterin, welch aufrührerischer Geist dazu nötig war.

Maud (Carey Mulligan) hat nie eine Schule besucht. Seit ihren frühen Mädchenjahren schuftet sie in einer Großwäscherei. Zwischen dampfenden Waschkesseln, heißen Mangeln und schweren Plätteisen erduldet sie die Schikanen des Vorarbeiters und riskiert Hautverbrennungen oder verätzte Lungen. Als einige Kolleginnen sie zu den geheimen Treffen der Suffragetten einladen, nimmt Maud daran teil. Und als die Politaktionen rücksichtsloser werden, erduldet sie Gefängnishaft sowie das Zerwürfnis wegen dieser „Schande“ mit ihrem Ehemann (Ben Whishaw): Er hat als Familienvorstand nicht nur die Verfügungsgewalt über Mauds verdientes Geld, sondern auch das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn.

Während Meryl Streep einige kurze Auftritte als berühmte Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst ableistet, spielt Carey Mulligan sich gewissenhaft durch die Handlung. Die gleicht einer anschaulich inszenierten sozialgeschichtlichen Lehrstunde über eine Zeit, in der Frauen nicht mal das Rauchen gestattet war. Der filmische Unterricht endet brachial: mit einem aufsehenerregenden Vorfall vom 4. Juni 1913 beim Pferderennen von Epsom, an dem auch der damalige englische König teilnahm. Annehmbar

 

Frankfurt: Cinema, Eldorado.
Mainz: Residenz & Prinzess

 

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