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Das Theater ist eine Katastrophe

Thomas Bernhards Bühnensatire "Der Theatermacher" hatte Premiere am Staatstheater Darmstadt.
Darmstadt. 

Selten hat man ihn auf hessischen Bühnen zuletzt gespielt, den vielleicht besten, auf jeden Fall misanthropischsten Dramatiker deutscher Sprache im 20. Jahrhundert. Doch nun findet man sich in Darmstadt wieder in "Utzbach wie Butzbach", wo Bruscon, der selbsternannte Theaterprinzipal, mit seiner Truppe, gleichzeitig seine Familie, gelandet ist.

Hermann Schein hat den "Theatermacher" sehr solide inszeniert und den Regieschwerpunkt auf die große Sprachkunst Bernhards gelegt, der mit diesem Stück auch mit dem Theaterbetrieb an sich abrechnete. Die Hauptfigur hält sich für ebenso genial wie "Shakespeare, Voltaire und Goethe" in einer Person, ist aber nur ein armer Hanswurst, der seine Familie piesackt. Lukas Noll hat eine Bühne auf der Bühne errichtet, eine angegammelte Wirtshausstube, wo zwischen Hirschgeweih-Mobiliar, deutsch/österreichischer Romantik und Hitlerbildern das Werk "Das Rad der Geschichte" aus der Feder Bruscons einstudiert werden soll.

Andreas Manz spielt diesen Miesepeter mit der notwendigen Schärfe und Bosheit und stemmt souverän die Wortkaskaden. Ihm zur Seite Karin Klein als Frau Bruscon, die nichts zu lachen hat, von ihrem Gatten stets niedergemacht, ja gedemütigt wird. Matthias Kleinert als Wirt und Sonja Mustoff, die Wirtin im "schwarzen Hirschen" verkörpernd, sind Knallchargen, die den Blutwursttag ausrufen und so dem Theatermacher immer wieder verdeutlichen, in welch tristes Provinznest es ihn verschlagen hat.

Katharina Uhland als Bruscon-Tochter Sarah und Simon Köslich als tumber Sohn Ferrucio sind wenig mehr als Lakaien, die nach der Pfeife ihres Vaters zu tanzen haben. Der einzige Moment der Probenzeit, in dem die Familie vom Wortschwall Bruscons verschont bleibt, ist der gemeinsame Genuss der Frittatensuppe. Wichtiger Aspekt des Geschehens ist das Verweigern von Bruscons Wunsch nach absoluter Verdunkelung des Raumes durch den Feuerwehrhauptmann, der es für unerlässlich hält, dass wenigstens die Notbeleuchtung anbleibt. Natürlich kommt es nicht zur Aufführung des Stücks im Stück, sondern zu einer Katastrophe. Sehr klug hat der Regisseur das Dunkle in Bernhards Text herausgearbeitet.

Die geplante Gegenüberstellung dieses Stücks mit Franz und Paul von Schönthans "Raub der Sabinerinnen" kam wegen Erkrankung eines Mimen nicht zustande. jsc

(Joachim Schreiner)
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