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Das Wandern ist der Künstler Lust

„Zurück zur Natur!” Mit Rousseaus berühmter Parole wurde um 1800 das Wandern modern. Jetzt erlebt es eine Renaissance. Eine Ausstellung in Berlin zeigt, wie wichtig das Wandern auch für die Kunst ist.
Das Gemälde "Bergsteigerin" des Künstlers Jens Ferdinand Willumsen in der Ausstellung "Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir". Bilder > Foto: Britta Pedersen Das Gemälde "Bergsteigerin" des Künstlers Jens Ferdinand Willumsen in der Ausstellung "Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir".
Berlin. 

Wandern ist in. Angesichts der zunehmenden Hektik in Alltag und Beruf setzen immer mehr Menschen auf das Erlebnis in der Natur, die Erfahrung von Ruhe - und nicht zuletzt die Begegnung mit sich selbst. Nach einer Umfrage sind im vergangenen Jahr rund 40 Millionen Deutsche häufig oder zumindest ab und zu wandern gegangen.

Die Alte Nationalgalerie in Berlin setzt sich mit dem Thema jetzt künstlerisch auseinander. Unter dem Titel „Wanderlust” zeigt sie erstmals in einer Sonderausstellung, wie sich das Motiv des Wanderns in der Malerei von der Romantik bis in die klassische Moderne durchzieht.

Highlight der Schau ist Caspar David Friedrichs berühmtes Bild „Wanderer über dem Nebelmeer” (um 1817) aus der Hamburger Kunsthalle. Mit der einsamen Männerfigur hoch oben auf dem Felsgipfel gilt das Ölgemälde bis heute weltweit als Symbol deutscher Romantik. Gegenpol dazu ist Jens Ferdinand Willumsens „Bergsteigerin” (1912) aus dem Staatlichen Kunstmuseum Kopenhagen, das auch für die Emanzipation der Frau steht.

Aus den 100 Jahren dazwischen sind rund 120 weitere, hochkarätige Werke zu sehen - Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museen sowie zahlreiche Schätze aus den eigenen Beständen.

Vertreten sind etwa Karl Friedrich Schinkel, Auguste Renoir, Anselm Feuerbach, Carl Spitzweg, Moritz von Schwind, Emil Nolde und Otto Dix. Auch der Caspar-David-Friedrich-Saal des Museums ist in den Rundgang eingebunden - mit seinem majestätischen „Watzmann” (1825/26) und der neu restaurierten „Abtei im Eichwald” (1809/10).

„Wir verstehen das Wandern auf zwei Arten”, sagte Kuratorin Birgit Verwiebe am Dienstag bei einer Presseführung. „Einmal das wirkliche Gehen durch die Natur, den Mut, loszugehen und sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Aber auch das Wandern als Gleichnis für die Suche nach dem Sinn des Lebens.”

Dafür ist die vom Freundeskreis und der Volkswagen AG unterstützte Ausstellung in Kapitel wie „Künstlerwanderung”, „Lebensreise” und „Spaziergänge” eingeteilt. Als zeitgenössische Intervention gibt es ein Musikvideo der isländischen Sängerin Björk.

Als „kleine Sensation” werten die Ausstellungsmacher, dass sie erstmals zwei sich aufeinander beziehende Gemälde weltbekannter Künstler gemeinsam präsentieren können. So war Paul Gauguin 1888 bei einer Reise in die Provence besonders beeindruckt von Gustave Courbets Werk „Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet” (1854).

Gauguin ließ sich davon zu seinem Selbstbildnis „Bonjour Monsieur Gauguin” (1889) inspirieren. Nun hängen beide Werke zumindest einige Wochen direkt nebeneinander - Anfang Juni zieht der Gauguin weiter zu einer Ausstellung in die Bretagne.

Das Wandern sei eine moderne Kulturtechnik, die erst um 1800 entstanden sei, sagt Museumsleiter Ralph Gleis. „Angesichts der rasanten gesellschaftlichen Umbrüche seit der Französischen Revolution entwickelte sich in einer Gegenbewegung eine neue Form der entschleunigten Selbst- und Welterkenntnis, die bis heute nachwirkt.” Seit mehr als 100 Jahren steht das deutsche Wort „Wanderlust” auch im englischen Wörterbuch.

(Von Nada Weigelt, dpa)
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