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Freude an Spiel und Klang: Das „Branford Marsalis Quartet“ und Kurt Elling zu Gast in Frankfurt

Von Frankfurt erlebte ein Konzert der Extraklasse, in dem Branford Marsalis und Kurt Elling zeigten, dass sie sich blind aufeinander verlassen können.
Ein Erlebnis auch im Genre-verwöhnten Frankfurt: das „Branford Marsalis Quartet“ mit Kurt Elling in der Alten Oper. Foto: Julian Sajak Ein Erlebnis auch im Genre-verwöhnten Frankfurt: das „Branford Marsalis Quartet“ mit Kurt Elling in der Alten Oper.

„Upward Spiral“, eine sich aufwärts drehende Spirale, nennen die beiden Künstler ihr jüngstes Album, das eine bildhafte, metapherngesättigte Kraft besitzt. So wie Branford Marsalis seinen Sopran- und Tenor-Saxofonen Töne entlockt, stellt man sich eine musikalische Spirale vor: schlank, frisch, jubilierend in den Höhen, brodelnd in den Tiefen.

Das Mitglied einer Jazzdynastie aus New Orleans ist stets für Überraschungen gut. Noch erstaunlicher aber war die ausgeklügelte Konzertdramaturgie. Nicht eine Sekunde fehlte es an mitreißender Spielfreude, spontaner Interaktion, unverbrauchter Frische. So fokussiert wie bei einem Kammermusikabend und doch so entspannt wie auf einer Jam-Session und so energetisch, dass mancher kaum ruhig sitzen bleiben mochte, agierten die Musiker im traumhaft sicheren Zusammenspiel.

Klassiker mit Klangspitzen

Das Powerplay des mit Joey Calderazzo (Klavier), Eric Revis (Bass) und Justin Faulkner (Schlagzeug) hochkarätig besetzten Quartetts durfte sich von Beginn an adäquat entfalten und gab die Richtung des Abends vor. Das Quartett war wie eine feingeölte Jazzmaschine, in der Marsalis mit seinen elegant tönenden Noten immer wieder Spitzenlichter aufsetzte. Als Sänger Kurt Elling sich mit Gershwins Klassiker „There’s A Boat Dat’s Leavin’ Soon For New York“ aus der Oper „Porgy and Bess“ einbrachte, verschmolzen Gesang und Quartett zur Einheit. Es lässt sich kaum ein besserer Sänger für dieses Quartett vorstellen als Elling, der bereits mit der HR-Bigband Frankfurt-Luft atmete. Seine schlank geführte Stimme fügte sich wie ein fünftes Instrument in den Gesamtklang ein. Der großartige Vokalist ließ beim virtuosen Scatten höchste Tempi wie in der Sonny-Rollins-Nummer „Doxy“ zu. Elling legte in samtweich gesungenen Balladen zudem Crooner-Qualitäten an den Tag – etwa in „Blue Gardenia“, durch Dinah Washington berühmt geworden, und mehr noch in Stings traum- und weltverlorenem Stück „Practical Arrangement“, einer Mischung aus Minnegesang und Klagelied. Branford Marsalis, der durch die Mitwirkung auf Stings erstem Album der Pop-Welt bekannt wurde, hielt zwar die Fäden in der Hand, ließ seinen Musikern aber dennoch Freiraum, den Justin Faulkner mit explosivem Schlagzeugspiel, Eric Revis mit herrlichen Soli und Joey Calderazzo mit klangvollen Akkorden und verwegenen Kadenzen in filigraner Feinarbeit auszunutzen verstanden. Das Tenorsaxofon und Ellings sich virtuos entwickelnde Stimmakrobatik konnten in balladesken Stücken fast Herzen zum Schmelzen bringen. Auch der Ausflug in die brasilianische Musik mit Tom Jobims „So tinha de ser com voce“ gelang mit raffinierten Phrasierungen und durchdringender Spielfreude.

Rhythmus und Gewitter

Immer wieder ließen die beiden Jazz-Stars ihrer gut geölten Rhythmusmaschine Raum. Gemeinsam entwickelten die Spitzenmusiker einen dichten, drängenden Klang und changierten zwischen lauten Notengewittern und Flirts mit der Stille. Nur in der epischen Version eines New-Orleans-Standards aalten sich die Jazz-Stars ein wenig in der Nostalgie. Markenzeichen des begeisternden Konzerts: Marsalis spielte seine Saxofonlinien mal unisono, mal kontrastierend zu Ellings farbiger, kantiger und sensibler Vokal-Intonation. Im Englischen nennt man eine derartige Kombination „Marriage Made In Heaven“. Eine denkwürdige Jazznight.

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