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„Das war damals eine ganz wilde Zeit“

Wilde Zeiten waren das damals, 1968. Partys, Diskussionen über Politik und Gesellschaft und Revolte. Auch Uschi Glas war damals mittendrin, als der Film „Zur Sache, Schätzchen“ die Kinos eroberte.
Uschi Glas erinnert sich gerne an die Zeit der Dreharbeiten von „Zur Sache, Schätzchen“, auch wenn manches recht chaotisch war. Foto: Sven Hoppe (dpa) Uschi Glas erinnert sich gerne an die Zeit der Dreharbeiten von „Zur Sache, Schätzchen“, auch wenn manches recht chaotisch war.

„Zur Sache, Schätzchen“ machte Uschi Glas berühmt, nicht zuletzt wegen einer Szene auf dem Polizeirevier, in der die Schauspielerin am Ende nur noch im weißen Korsett dasteht. 1968, das waren aufregende Zeiten, erinnert sich Uschi Glas heute. Allerdings: Allzu viel feiern konnte sie nicht. Warum sie das wilde Leben damals nicht voll auskosten konnte, erzählt die Münchnerin im Interview mit Cordula Dieckmann anlässlich des 50. Jahrestags der Premiere von „Zur Sache, Schätzchen“.

Frau Glas, wie war es für Sie, bei „Zur Sache, Schätzchen“ dabei zu sein?

USCHI GLAS: Das war für mich natürlich aufregend. Es war ein bisschen chaotisch. Wir haben schwarz-weiß gedreht, weil wir kein Geld hatten für einen Farbfilm. Es waren wirklich schwierigste Bedingungen. Als die Premiere war, hat man aber gespürt, dass das ein Bombenerfolg sein wird. Die Reaktionen waren so spontan und mitreißend, dass May, Werner und ich uns so gefreut haben, weil wir gemerkt haben, jetzt ist es doch geglückt. Es gab vorher so viele Unkenrufe: Das wird nichts, außerdem schwarz-weiß, die Leute wollen einen Farbfilm sehen. Dann haben wir bei der Premiere gespürt, dass es funktioniert, und das war eine ganz große Freude.

Wie viel Herzblut steckte in dem Film?

GLAS: Sehr viel. Ich habe das damals gegen den Willen meiner Agentur gemacht. Und gegen den Willen von Horst Wendlandt, bei dem ich bei „Rialto Film“ unter Exklusivvertrag war. Aber ich wollte unbedingt. Das war damals auch ein absolutes Novum, mit einer Frau als Regisseurin zu drehen. Ich habe das Skript gelesen, und das hat mir gut gefallen. Und ich habe gesagt, bitte, bitte lasst mich den Film machen. Dann hieß es: Nein, den machst du nicht. Jetzt geht es gerade so gut los. Wenn du jetzt so einen Flop baust, das ist nicht gut. Da hatte ich ganz schöne Widerstände, aber ich habe gesagt, wenn ihr es mir nicht erlaubt, mache ich es trotzdem.

Der Film hat einen Nerv getroffen.

GLAS: Der Film hat einen Nerv getroffen, ganz genau. Zu der Zeit gab es viele kritische Filme, die aber todernst waren. Und bei „Zur Sache, Schätzchen“ ist die Story ja eigentlich auch ziemlich hart. Und trotzdem hat man es hingekriegt, dass man lacht und auch weiß, welche Story erzählt wird. Es hatte eine Leichtigkeit und auch diese neue Sprache. Es gibt heute noch Leute, die alles zitieren können.

Was war das Aufregendste an dem Dreh?

GLAS: May und Werner waren ganz andere Leute als die, die ich bis dahin kennengelernt hatte. Einfach verrückt, richtige Schwabinger. Ich habe auch in Schwabing gewohnt, aber ich musste immer arbeiten und mein Geld verdienen. So ein Laissez-faire-Leben hat es bei mir nicht gegeben, weil ich keine Unterstützung hatte. Ich musste mein Leben immer selber zahlen. Meine Eltern hätten mir was erzählt, wenn ich gesagt hätte, dann will ich auch mal ein bisschen in Schwabing rumhängen und das Leben vorbeiwandern lassen. Das war ausgeschlossen.

Sie waren also die Bodenständige?

GLAS: Für Werner und May war ich ein junges Mädchen, das mit beiden Beinen im Leben steht. Den Werner hat auch total fasziniert, dass ich einen Führerschein habe. Was, du hast einen Führerschein? Ja wie hast du denn das gemacht? Das waren so Diskussionen, wo ich mir gedacht habe, aus welchem Meer taucht der denn auf? Ich bin auf dem Land großgeworden. Um dich zu befreien, musstest du einen Führerschein haben. Bevor ich 18 war, hatte ich schon meine Fahrstunden gemacht und die Prüfung bestanden und habe genau zu meinem 18. Geburtstag diesen Führerschein in Händen gehabt. Da konnte ich mich in ein Auto setzen und einfach losfahren. Das war eine Befreiung.

Werner Enke, May Spils und Sie kamen aus völlig verschiedenen Welten.

GLAS: Wir waren total ungleich. Ich mochte Werners Geschichten wahnsinnig gerne, und er mochte meine Geschichten. Einmal ging es darum, dass er sich neue Socken kaufen wollte. Ich sagte, dann geh’ halt in den Laden und kauf’ Dir welche. Und dann sagt er: Wie, soll ich in den Laden rein? Und ich: Dann gehst du rein und sagst Grüß Gott, ich brauch’ ein paar Socken. Nee, das kann ich nicht. So eine Weltfremdheit, wo ich mir dachte, da denke ich gar nicht drüber nach, ob ich mir Socken kaufen kann. In dieser Weise waren wir total verschieden. Ich die Praktische, auch die Pünktliche natürlich. Wenn es hieß, 8.30 Uhr Drehbeginn, bin ich auch fertig mit meiner Maske und bin angezogen, und beim Werner ist das eher nicht so der Fall gewesen. Aber ich muss dazu sagen, wir sind noch heute gut befreundet, May, Werner und ich.

War damals alles etwas wilder als heute?

GLAS: Die 68er-Jahre waren natürlich eine ganz wilde Zeit. Ich musste immer arbeiten, das war klar. Dann habe ich irgendwann angefangen, Schauspielunterricht zu nehmen. Aber ich musste schon diszipliniert sein. Einfach mal alle Viere gerade sein lassen, das konnte ich mir nicht leisten. Mitgefeiert und mitdiskutiert habe ich aber schon, das war ja auch die Zeit der großen Diskussionen.

Vermissen Sie diese Jahre?

GLAS: Das kann ich schwer sagen. Ich tu’ mich schwer, dass man denkt, meine eigene Jugend war die tollste, und heutzutage gibt es das alles nicht mehr. Es war wild und toll, in jeder Weise. Wenn du heute so feiern würdest, wie wir damals gefeiert haben, das könntest du heute nicht mehr machen. München war eine wilde Stadt, aber das ist 50 Jahre her. München hat sich kolossal verändert, Gott sei dank. Ich liebe diese Stadt. Ich freue mich so, wenn ich längere Zeit nicht da war und wieder zurückkomme.

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