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Französischer Star: David Guetta zündet in der Festhalle ein opulentes Party-Feuerwerk

Schon öfter mal verwandelte sich in den vergangenen Jahren Frankfurts „Gudd Stubb“ jeweils einen Abend lang in eine riesengroße Großraumdisco mit Rummelplatzatmosphäre. Doch keiner der gastierenden internationalen DJ-Größen betrieb das so effizient wie David Guetta.
Als würde er die Hände zum Gebet falten: David Guetta beschwört sein Publikum in der Frankfurter Festhalle. Foto: Sven-Sebastian Sajak Als würde er die Hände zum Gebet falten: David Guetta beschwört sein Publikum in der Frankfurter Festhalle.
Frankfurt. 

Um die mehrheitlich jugendlichen Partyenthusiasten langsam auf kochend heiße Abfeiermanier aufzuwärmen, treten nacheinander an diesem Abend in der Frankfurter Festhalle die DJ-Support-Acts Hugel und Deepend an. Doch erst als die Audienz des längst global populären Gastgebers naht, setzt sich die gigantische Unterhaltungsmaschinerie aus ausgetüftelter Lasershow, meterhohen Feuersäulen, goldenem Funkenregen, Tonnen an Konfetti, meterlangen Luftschlangen und gezielten Schüssen aus den Trockeneis-Nebeldüsen in Gang.

Als der 50 Jahre alte Franzose schließlich gemächlichen Schrittes in Richtung der auf erhöhtem Podest befindlichen DJ-Kanzel in der Bühnenmitte zugeht, tritt auch das Kamerateam seinen Dienst an, das von nun an sekündlich seine Eindrücke auf gigantische Leinwände rechts und links der Bühne projizieren wird. Als Lieblingsmotiv erweist sich dabei rasch das bärtig zufriedene Antlitz des lässig in Jeans, T-Shirt und orangefarbene Baseballjacke gekleideten David Guetta in sämtlichen Aggregatzuständen.

Aber auch seine permanent am High-Tech-Mischpult hantierenden Hände finden häufig Bildschirmgroßflächeneinsatz. Befinden sich doch seit geraumer Zeit Gerüchte im Umlauf, das auch mit elektronisch Experimentellem unterfütterte DJ-Set aus zahllosen Charthits und mindestens ebenso vielen Radio-Playlist-Favoriten des Remixers, Komponisten und Produzenten käme schon vorgefertigt aus der Konsole.

Wer nah genug dran sitzt am entspannten Meister, dessen Einstieg voluminös in akzeptabler Klangakustik mit „BAD“ (Showtek feat. Vassy) erfolgt, kann erkennen: Vinyl-Schallplatten, wie sie einst noch Frankfurter Rave-DJ-Pioniergrößen vom Schlage eines DJ Dag, Mark Spoon oder Sven Väth zum Einsatz brachten, finden beim Globalisten Guetta definitiv keinerlei Einsatz mehr. Elektronisch Gespeichertes dafür umso mehr.

Einmal quer durch die 1984 im Pariser Broad Club als Discjockey gestartete Karriere führt die ausführliche musikalische Rundreise des von seiner ersten Ehefrau Cathy mittlerweile geschiedenen Selfmade-Multimillionärs. Aber die Karriereaufarbeitung geht noch viel weiter zurück und führt in eine
Ära, als DJs im kapitalistischen Westen Deutschlands noch Plattenjockeys, im sozialistischen Osten staatlich geprüfte Schallplattenunterhalter hießen. Da erklingen doch tatsächlich zwischen ekstatischen Clubhymnen wie „2U“, „Titanium“, „Without You“ und „Work Hard, Play Hard“ auch schon mal Bob Marleys „No Woman, No Cry“ oder John Lennons „Imagine“.

Um Lennons Frieden- und Liebesbotschaft deutlich zu machen, formt David Guetta, der ansonsten nicht gerade übermütig wirkt und sich auf handelsübliche Animationen wie „Raise your hands up in the air“ oder „Are you with me, Frankfurt?“ verlässt, mit seinen Händen ein Herz. Ein Hauch verwegenen Hippietums liegt in der zwar nicht ganz ausverkauften, aber längst tumultartig in Bewegung geratenen Festhalle in der Luft.

Zum Glanzlicht gerät ausgerechnet jener knapp 20-minütige Teil, bei dem David Guetta seinem gewohnten Ohrwurmmodus abschwört und sich ganz seiner ursprünglichen Passion widmet: Progressivem zwischen House, Techno und Trance – das kracht, zischt, fiept, donnert, wummert und pulsiert gewaltig. Und so manch ein Besucher, der Stromlinienförmiges bevorzugt, wendet sich mit Grausen im Blick ab. Man kann es halt nicht jedem recht machen.

Wenig später schon feiern die kurz voneinander Separierten Versöhnung: David Guetta schlägt kompromissbereit wieder verbindlichere Töne an. Noch einmal darf die amüsierwillige Masse die Arme kollektiv rudern lassen, im Takt in die Höhe hüpfen und vervollständigt auf Kommando textsicher ganze Songzeilen, wenn Guetta abrupt die Tonregler nach unten drückt. Dann mündet die feuchtfröhliche Sause willkürlich gelenkt vom Mann, dessen Name in der Branche längst
als Branding gilt, in die Zielgerade.

Für den Nachhauseweg lässt David Guetta jene erste Single im neuen Remix auferstehen, die er 2001 veröffentlichte und auch als Titel seines Albumdebüts fungierte: „Just A Little More Love“.

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