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Englischer Erotik-Fotograf: David Hamilton ist gestorben

Von Der englische Fotograf David Hamilton, Schöpfer zahlloser erotischer Fotografien und des Kinofilms „Bilitis“, ist in Paris 83-jährig gestorben.
David Hamilton auf einer undatierten Fotografie. Foto: imago stock&people (imago stock&people) David Hamilton auf einer undatierten Fotografie.

Junge Mädchen mit aufgelöstem Haar huschen in lasziv geöffneten Blümchenkleidern über die Lavendelfelder der Provence, hinter ihren Silhouetten das diesige Gelblicht des französischen Südens: So werden die Fotografien von David Hamilton in Erinnerung bleiben. Sie gehörten zur Innenausstattung der 70er Jahre, hingen als Plakate in Studentenzimmern, stapelten sich als Bildbände und Großkalender auf den Verkaufstischen der Buchhandlungen, schmückten Seifendosen und Kaffeetassen. Waren die vorausgegangenen 60er Jahre von den harten Aufbrüchen der jugendlichen „Sexfront“-Revolte bestimmt, so durchwehte die 70er der zartere Wind der selbstbesonnenen Erotik. Nun ist David Hamilton, der Schöpfer besagter träumerischer Mädchenbilder, tot. Der Fotograf war am Freitag bewusstlos in seiner Pariser Wohnung aufgefunden worden, wo er eine Stunde später starb. Zu Spekulationen, er habe mit überdosierten Medikamenten seinem Leben selbst ein Ende gesetzt, äußerte sich die Polizei nicht. Sie gab bislang keine offizielle Todesursache bekannt. Gegen Hamilton hatten in den vergangenen Tagen frühere Modelle Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung erhoben. Der 83-Jährige hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen. Strafrechtlich wären sie mittlerweile verjährt.

Szene aus David Hamiltons Kinofilm „Bilitis“ (1976), der die Weichzeichner-Technik zur neuen Stilschule für Fotografen machte. Bild-Zoom
Szene aus David Hamiltons Kinofilm „Bilitis“ (1976), der die Weichzeichner-Technik zur neuen Stilschule für Fotografen machte.

Zu Liebesverhältnissen mit minderjährigen Mädchen hatte Hamilton sich freilich schon früher bekannt. Der in London geborene Engländer muss ein scheuer junger Mann gewesen sein, als er nach Paris kam, um zunächst für große Modezeitschriften zu arbeiten. Paris, die Stadt der Liebe und der Verführung, der Boudoirs und Bordelle, hat den gelernten Schreiner und Architekten wohl gebannt und ihm ein neues amouröses Daseinsgefühl vermittelt.

Gelernt von „Mona Lisa“

Mit seinem Weichzeichnerverfahren machte Hamilton dann Stilschule. Er setzte es für seine Fotoaufnahmen, aber auch 1976 für sein Kinowerk „Bilitis“ ein und 1980 für den Film „Zärtliche Cousinen“, gedreht mit der in Hamburg geborenen Schauspielerin Anja Schüte, die heute noch in Rosamunde-Pilcher-Fernsehverfilmungen zu sehen ist. Die Körperlichkeit der Mädchen war bei Hamilton stets und gerade auch Ausdruck von Selbstsuche, bis hin zur Homoerotik. Das steigerte sich zwar im Laufe der Zeit hoch zum Kitsch, aber dies vor allem durch hemmungslose Vermarktung. Anfangs leitete es sich ganz seriös aus der Kunstgeschichte her. Schon Leonardo da Vinci benutzte für seine „Mona Lisa“ die Weichzeichnerei, genannt „Sfumato“ (Dunst). Angeregt durch Hamilton, eiferten diesem künstlerischen Effekt in den 70er Jahren schließlich die Hobbyfotografen nach, strichen Vaseline auf ihre Fotolinsen oder spannten Nylonstrümpfe davor.

Der Vorwurf der regelrechten Pornografie ging bei Hamilton allerdings ins Leere (die Akt-Fotos des Berliner Fotografen Helmut Newton boten sich viel mehr dafür an). Die Nacktheit seiner Figuren hatte nichts berechnend Aufreizendes, eher etwas spielerisch Lustvolles, wie es der freigeistigen französischen Frivolität entspricht. Sie hat eine lange künstlerische Tradition, die durch Hamilton nun noch länger geworden ist.

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