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Schriftsteller Michael Kleeberg: Demütiges Empfangen

Von Von der Demut, die ein Autor braucht, um einen Roman heranreifen zu lassen, berichtete Michael Kleeberg zum Auftakt der Frankfurter Poetik-Vorlesungen im Audimax-Hörsaalzentrum.
Michael Kleeberg. Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild) Michael Kleeberg.

„Alles hat seine Zeit!“: Mit diesen Worten überschreibt Goethe seine „Noten und Abhandlungen zum besseren Verständniss des west-östlichen Divans. „Besserem Verständniss“ hat auch Michael Kleeberg („Karlmann“, „Vaterjahre“) seine Poetik-Vorlesungen an der Goethe-Universität betitelt und spielt mit dem doppelten S auf Goethe und den „West-östlichen Divan“ an, von dem sein neues Schreibprojekt inspiriert ist. Dass auch das Schreiben seine Zeit hat, Geduld und sogar Demut erfordert, wird in der Vorlesung deutlich. „Zu einem großen Roman muss man bereit sein wie zur großen Liebe“, sagt Kleeberg. Aber weder zum einen noch zum anderen könne man sich entschließen. Wer bei diesen Worten innerlich nickt, dem wird vielleicht dennoch etwas schwindlig angesichts der Entstehungsgeschichte von Kleebergs neuem Projekt, zu dem die Poetik-Vorlesungen das Making-Of sind. Alles begann 2003 mit einer Reise nach Beirut, erlebte mehrere Phasen, Zweifel, Verbitterung, Perioden, die für Außenstehende wie Faulheit erscheinen könnten (Youtube-Videos gucken, Sport-Nachrichten lesen, rauchen etc.). Dem Autor jedoch dienten sie dazu, eine bestimmte Konzentration herzustellen oder zu erhalten.

Kleeberg bekennt, dass er seine Aufgabe manchmal wie die eines Architekten empfindet, der das Ganze ebenso wie die Details im Blick haben und noch dazu die Gewerke beaufsichtigen müsse. Zudem sei er ein Seiltänzer und Marionettenspieler, der manchmal „hysterisch“ am liebsten alle Marionettenseile loslassen würde, weil er nicht mehr weiß, wie er sie alle zusammenbringen oder -halten soll.

Einen Eindruck davon, was er mit diesen Strängen meint, vermittelte die Vorlesung: ein tödlich erkrankter Vater, Fragen nach dem Wie und Warum des Lebens, besonderer Bezug zu Frankfurt, Freund mit Begabung zu Freundschaft und Gastfreundschaft, zweiter Aufenthalt im Libanon, Reise in den Iran, Goethe, Gerbermühle, „West-östlicher Divan“, die „Flüchtlingskrise“. Genügend Fäden, um sich zu fragen, wie Kleeberg alles verbinden wird. Doch als reiche das nicht, gesellt sich noch Dostojewskis „Idiot“ dazu. Was es damit auf sich hat, will Kleeberg in der nächsten Vorlesung verraten. So viel Cliffhanger muss sein bei einem Erzähler, der in seiner Vorlesung mit dem bestach, was auch seine besten Romane ausmacht: eine wunderbare Mischung aus Erzählkunst, Reflexion, humanistischem Blick und Engagement.

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