Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Den Erwartungen der Fans ein Schnippchen schlagen

Von Das neue Album „Alienation“ der Ingolstädter Indie-Rock-Band hat mit seinen verschiedenen Stilen das Zeug dazu, die Hörer immer wieder zu überraschen.
Gerd Rosenacker, Matthias Neuburger, Rene Arbeithuber, Rainer Schaller und Christian Neuburger (von links) sind gemeinsam „Slut“.	Foto: dpa Gerd Rosenacker, Matthias Neuburger, Rene Arbeithuber, Rainer Schaller und Christian Neuburger (von links) sind gemeinsam „Slut“. Foto: dpa

Wie, seit fast zwanzig Jahren gibt es die Band? Ja, man staunt über diese Tatsache. Obwohl man schon beim Eröffnungsstück des neuen Albums merkt, dass hier fünf überaus kreative Musiker zusammen spielen, die über eine lange Zeit hinweg miteinander zu virtuosen Instrumentalisten gereift sein müssen.

Trotzdem wirkt die Musik von „Slut“ bei „Anybody Have A Roadmap“ immer noch ungemein frisch. Taufrisch sogar bei dem anschließenden „Next Big Thing“. Eigentlich könnte der Sound der Ingolstädter etwas fetter klingen, denkt man, wenn man die Singleauskopplung hört, die von einem hastig gespielten Rhythmus vorangetrieben wird. Aber dann: nein.

Nicht nur Bass und Schlagzeug verschmelzen hier mit genau richtig dosierter Wucht zu einer Einheit, sondern eben auch die übrigen Klänge von Keyboards und Gitarre.

Und natürlich thront Chris Neuburgers Stimme über allem. Keineswegs protzig, sondern klar, unangestrengt, melodiös und ohne spürbar deutsche Einfärbung. „Next Big Thing“ wirkt somit gestrafft, sauber runter gerockt, aber dennoch auf intelligente Art detailverliebt.

Mit poppigen und elektronischen Sounds verstört hingegen „Broke My Backbone“ - ein Song, der mit seinen extrem nervösen Klängen selbst eine Schnecke zum Zucken bringen könnte. Tanzbar ist das freilich nicht. Aber bei „Slut“ steht mit „Alienation“ ohnehin nichts allzu Gefälliges auf dem Programm. Das Quintett spielt mit den Erwartungen seiner Zuhörer und geht aus diesem spannenden Spiel meist als strahlender Sieger hervor.

Zu gern verlassen „Slut“ klassische Klischees und Kompositionsgerüste von Pop und Rock. So mutet denn auch „All Show“ mit seiner gezupften, unverzerrten E-Gitarre keineswegs lieblich an, sondern ist von einer leicht albtraumhaften Stimmung der Rastlosigkeit geprägt.

 

Unruhe und Aufbruch

 

Überhaupt erscheint das ganze Album von einer merkwürdig unruhigen Aufbruchsstimmung getränkt. Es hätte also gar nicht der Sitar-Klänge des Gastmusikers Ashraf Sharif Khan bei „Silk Road Blues“ bedurft, um die Atmosphäre des Albums zu vertiefen. Oder doch? Vielleicht.

Aber ohnehin ist der Ausflug in den Orient, der elegant ins Psychodelische hinübergleitet, sehr reizvoll in seinen meditativen Gesten, die nach einer Weile völlig schwerelos verklingen, damit es schließlich mit „Remote Controlled“ zu einer harschen Bruchstelle kommt. Stark unterkühlt wirkt hier der Sound, der mit seiner ausgeprägten Synthetik an den Elektro-Pop der 80er erinnert.

In „Deadlock“ spiegelt sich Ähnliches wider. Das ist auf den ersten Blick seltsam, aber keineswegs erstaunlich. Denn schließlich haben sich „Slut“ bei „Alienation“ dazu entschieden, mit fünf verschiedenen Produzenten zu arbeiten, mit denen sie sich bereits bei früheren Alben zusammengetan hatten. Somit nahmen Tobias Levin, Olaf O.P.A.L., Tobias Siebert, Mario Thaler und Oliver Zülch prägenden Einfluss auf insgesamt zwölf Stücke.

Dass deshalb ein eher heterogenes Werk entstanden ist, liegt nahe. Und damit hat wohl auch zu tun, dass man sich mit weiteren, anspruchsvoll arrangierten Stücken wie „Nervous Kind“ oder „Never Say Nothing“ vielleicht erst nach mehrmaligem Hören anfreunden mag.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse