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Charakterstudie: Denzel Washington spielt den Rechtsanwalt "Roman J. Israel Esq."

Von Es geht um „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ in Dan Gilroys Film, der einen alternden Juristen durch schwere persönliche Zeiten begleitet.
Denzel Washington als Anwalt Roman J. Israel Esq. Foto: - (Sony Pictures Entertainment Deut) Denzel Washington als Anwalt Roman J. Israel Esq.

Es gibt diese stillen Genies, die überwiegend im Hintergrund wirken. Roman J. Israel Esq. (Denzel Washington) ist eines von ihnen. Die Zeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hat den Afro-Amerikaner stark geprägt. Noch immer setzt sich der idealistische Anwalt vehement für soziale Gerechtigkeit und für die Unterprivilegierten von Los Angeles ein. Bloß eben nicht vor Gericht. Vielmehr recherchiert er in seinem Büro sämtliche Hintergründe der Fälle für seinen langjährigen Partner William Henry Jackson. Bloß verstirbt der plötzlich. Dieser traurige Umstand zwingt Roman J. Israel Esq., jetzt selbst vor Gericht aufzutreten. Eine sonderlich gute Figur macht er hierbei freilich nicht. Aber ohnehin sieht er sich bald ohne Anstellung. Schließlich befand sich die Kanzlei seines Kompagnons seit mehreren Jahren in den roten Zahlen, so dass dessen Tochter Lynn (Amanda Warren) sie schließt. Von irgendetwas muss Roman J. Israel Esq. jedoch leben. Zwangsläufig nimmt er das freundliche Angebot des wohlhabenden Strafverteidigers George Pierce (Colin Farrell), einem einstigen Studenten von William Henry Jackson, an, in dessen nobler Kanzlei im Zentrum der Stadt zu arbeiten. Sonderlich angetan ist sein neuer Boss von dem humanitären Einsatz für die Armen von Los Angeles allerdings nicht. Schließlich spielt der einst aufrechte Jurist mit dem Gedanken, all seine löblichen Grundsätze über Bord zu werfen, um endlich auch zu Wohlstand zu gelangen…

Es erstaunt, wieviel Sorgfalt der Drehbuchautor und Regisseur Dan Gilroy bei der Zeichnung seiner Hauptfigur aufgewendet hat. Entspricht J. Israel Esq. doch keineswegs dem Klischee eines Anwalts. Schon sein Äußeres mag befremden. Wie aus der Zeit gefallen trägt er im Amerika von heute noch immer eine Afro-Frisur, wie sie zuletzt in den 70er Jahren modern war. Auch seine Kleidung ist dieser Zeit verpflichtet. Somit wirkt es nur stimmig, dass das Geschehen um den Kauz auf der Leinwand, der nicht einmal ein Mobiltelefon besitzt, von Soul- und Funk-Musik aus den 60er und 70er Jahren untermalt wird.

Wirklich eindeutig einem bestimmten Genre zuordnen lässt sich Dan Gilroys Film dabei nicht. Vielmehr vermischt der Autorenfilmer auf reizvolle Weise verschiedene Elemente von Drama, Thriller, Gerichtsfilm und Charakterstudie miteinander. Große Spannung darf man allerdings selten in seiner Geschichte erwarten. Dafür erscheint sie bisweilen in ihrer Erzählung etwas zu ziellos. Bloß kann Denzel Washington diese Schwäche mit einer ungemein beindruckenden Darstellung seiner tragischen Figur über weite Strecken vergessen machen. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Metropolis (E).
Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex

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