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„Depeche Mode“ müsste blass werden

Von Trent Reznor hat mit „Nine Inch Nails“ die CD „Hesitation Marks“ aufgenommen. Es verbindet Industrial mit Synthie-Pop, Techno und Rock.
Auch live überzeugen die Nine Inch Nails restlos. Hier performt die Formation beim Rock'n'Heim-Festival. Foto: Sven-Sebastian Sajak Auch live überzeugen die Nine Inch Nails restlos. Hier performt die Formation beim Rock'n'Heim-Festival. Foto: Sven-Sebastian Sajak

Wo geht es steil hinab in die düstere Tiefe? Wer dies nach Ende der 80er fragte, dem konnte mit der Musik von „Nine Inch Nails“ geholfen werden. Schließlich hatte der Amerikaner Trent Reznor sein Soloprojekt 1988 in Cleveland, Ohio, gegründet. Seither wirkten wechselnde Musiker bei den Studioalben, die sich weltweit 30 Millionen Mal verkauften, mit. Stets spielte Trent Reznor eine Vielzahl von Instrumenten selbst.

Genau das ist auch bei dem achten Album „Hesitation Marks“ nicht anders. Hier zeigt sich Trent Reznor wie in der Vergangenheit gewohnt äußerst pessimistisch in seinen Texten. Wenn der 48-Jährige nach dem Instrumentalstück „The Eater Of Dreams“ in „Copy Of“ desillusioniert singt „I’m just the copy of a copy of a copy“, spricht das Bände über die Selbstsicht des Künstlers.

Auch musikalisch beschreiten „Nine Inch Nails“, wenngleich etwas gemäßigter, keine leicht begehbaren Wege. Ausgesprochen hektisch klingen hier die Keyboards, so aggressiv gespielt, dass es vom Gestus her dem Heavy Metal verwandt ist. Obwohl „Copy Of“ mit verstörenden Soundwechseln überrascht, wirkt es tanzbar. Überhaupt beweist sich Trent Reznor schon früh auf dem Album als versierter Soundtüftler. Einer, der in seiner Vielfältigkeit Elektro-Pioniere wie „Depeche Mode“ blass aussehen lässt - obgleich die Klänge eines Songs wie „Came Back Haunted“ gewollt disharmonisch gewählt sind und einem wie Eisregen an die Ohren klatschen.

 

Verweigerter Wohlklang

 

Beunruhigend wirkt Reznors Stimme, wenn sie sich bei „All Time Low“ durch sämtliche Höhen und Tiefen schraubt und sich widerspenstig weigert, sich mit den schrägen E-Gitarrenklängen, den stampfenden Rhythmen aus dem Computer und den ebenso zischenden wie flirrenden Synthie-Sounds zu einem einzigen Wohlklang zu verbinden.

Weniger Effekte kommen bei dem minimalistischen Instrumentalstück „Dissappointed“ zum Einsatz, das trotz seiner nervösen Atmosphäre gut auf die Tanzflächen moderner Clubs passt.

Heftig kontrastiert wird es mit „Everything“. Einem Song, der mit treibendem Bass, elektronischem Schlagzeug, verzerrten oder unverzerrten E-Gitarren ganz dem Wave und Punk der 80er verpflichtet ist. Mit seiner fast schon natürlichen Instrumentierung ist er vielleicht der einzige Beitrag auf dem Album, der nicht komplett synthetisch wirkt - auch wenn in ihm etwas Abweisendes steckt.

 

Verstörung garantiert

 

Berechenbar? Nein, das werden „Nine Inch Nails“ nie mit einer Musik, die mehr Verstörung denn sonst ein Gefühl auslösen kann. Exzessiv wird hier mit harten, kalten und krassen Elektro-Sounds gespielt, die man aus den Clubs der Großstädte kennt. Wenn etwas an diesem Album missfallen kann, dann ist es sein Ausufern auf eine gute Stunde Spielzeit. Zum Ende hin mag man sich nicht entscheiden, ob „Nine Inch Nails“ nicht schon mit 10 oder 11 Songs alles gesagt haben, oder ob die übrigen der 15 wie „In Two“, „While I’m Here“ oder „Black Noise“ schlicht weniger gekonnt komponiert, arrangiert und interpretiert sind.

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