Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 25°C

Staatstheater Wiesbaden: Der Blechmann sehnt sich nach Herz und Öl

Von Carsten Kochan führt am Staatstheater Wiesbaden seine Musical-fassung des Kinderbuch-Klassikers „Der Zauberer von Oz“ als Weihnachtsstück auf.
Dorothy, Blechmann und Vogelscheuche entführen das Publikum in eine Märchenwelt voller Wunder und Gefahren. Foto: Bettina Müller Dorothy, Blechmann und Vogelscheuche entführen das Publikum in eine Märchenwelt voller Wunder und Gefahren.
Weisbaden. 

Ein Wirbelwind versetzt Farmerskind Dorothy wundersam von Kansas ins Land Oz, wo sie mit neuen Freunden (Vogelscheuche, Blechmann, Löwe) die böse Hexe besiegt und den Zauberer von Oz aufsucht, um dann aus eigener Kraft und Tugend zu Onkel Henry, Tante Em und Hund Toto zurückzukehren. Nur etwas für Kinder? Nein, in Wiesbaden dürften alle Generationen ihr Vergnügen haben.

Zwar sind vor allem die Kleinen angesprochen und dürfen, als wär’ das Große Haus eine XXL-Kasperlbude, Dorothy und ihre Freunde lauthals vor Gefahren warnen, dass man als Erwachsener wähnt, jemand habe einem die Ohren auf die Lautsprecher für den klaren Headset-Sound der Darsteller getuckert. Dafür entschädigt aber vollauf die glückliche Mischung aus witzig komponierter Originalmusik (Wolfgang Böhmer), großzügig gemachter, effektvoll-schlanker Ausstattung (Claudia Weinhart) und darstellerischen Leistungen. Die verdanken sich Kräften vom „Jungen Staatstheater“ mit Musical-Hintergrund und Studenten der Wiesbadener Schauspielschule. Schön, wie Weinhart etwa Hund Toto als aufrechten Zweibeiner kostümiert und Annabelle Mierzwa (bzw. Jessica Krüger) dafür sorgt, dem Kläffer Leben zu geben.

Szenisch gleicht das einem aufgeklappten Bilderbuch in starken Farben. Die Spielfläche steigt auf den Bühnen-Horizont mit Wolkenhimmel (mal blau und hell, mal duster) darüber an. Ein Haus an Schnüren ermöglicht den ruinösen Wirbelwind-Effekt samt Punktlandung auf der bösen Hexe. Riesige Blumen vermitteln das Zauberische. Ein Stadttor, ein „echter“ Smaragdpalast (eine Drehung enthüllt den Betrug des Zauberers) und auf Gaze projizierte Bauten wie das Schreckensschloss der zweiten Hexe nebst passendem Licht ergeben in Kinderaugen Welten, deren Überzeugungskraft sie vernehmbar ins atemlose Staunen treibt.

Dass die mädchenhafte Unschuld der Dorothy trotz Farmers-Mode im „Girlie“-Look von heute weiterlebt, erschließt sich den jüngsten Zuschauern eher nicht. Außer Dorothy tut es ihnen auch die „Just“-gewaltige Sophie Pompe als vom Feld entfleuchte Vogelscheuche auf der Suche nach Verstand an. Ebenso der lakonisch-tiefe Blechmann Thomas Jansen, der ein Herz haben will und nach Schmieröl lechzt („Oz“-Buchautor Lyman Frank Baum hatte sich ein Schmieröl patentieren lassen, sein Vater war ein Ölmagnat), und der Löwe ohne Mut, aber mit toller Löwenmähne (Stephan Rumphorst). Schön auch die globalisierten Munchkins.

Ganz ohne „Over The Rainbow“ besticht das selbstbewusste Vorgehen des Musical-Preisträgers in der Kategorie Komposition, der das Hollywood-Musical links liegen lässt und eigene Akzente zwischen Klassik und Jazz setzt: erst behäbig und klassisch bei Onkel Henry und Tante Em auf dem Land, dann voller Ausdruck in munteren Wanderliedern, beim Freunde-Akquirieren, für die guten und bösen Hexen, die Flugaffen, den Zauber-Scharlatan mit seinen Licht-Masken und so fort. Es lohnt sich!

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse