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Ausstellung im Architekturmuseum: Der Blick auf städtebauliche Perspektiven für das Rhein-Main-Gebiet

Die Schau analysiert die jetzige Situation der Region und zeigt an Beispielen aus anderen Städten, was verbessert werden kann. Geradezu kühn sind fünf Ideen von auswärtigen Architekten.
Für mehr Mobilität: Mit großem Schwung windet sich die Ölhafenbrücke in Raunheim für Fußgänger und Radfahrer empor, realisiert vom Architektenbüro Schneider + Schumacher. Foto: © 2013 by Joerg Hempel; www.joerg-hempel-com (digital) Für mehr Mobilität: Mit großem Schwung windet sich die Ölhafenbrücke in Raunheim für Fußgänger und Radfahrer empor, realisiert vom Architektenbüro Schneider + Schumacher.
Frankfurt. 

Diese Idee dürfte für Diskussionen sorgen: Die Frankfurter Messe an den Flughafen zu verlegen, um Wohnraum im Stadtzentrum zu schaffen und zugleich den Flughafen zu einer „Airport City“ aufzuwerten, samt Dependancen von Museen. Eine neue Stadt ohne Kirchturm und Fachwerkhäuser würde entstehen, aber mit fast allem von Kommerz bis Kultur. Die Idee stammt vom Büro „KCAP Architects & Planners“, die in Rotterdam, Zürich und Shanghai sitzen. Also ein Blick von außen, wie die anderen vier Visionen zur Zukunft der Region.

Ein Beispiel aus dem Nachbarland: die Busstation am Amsterdamer Hauptbahnhof. Bild-Zoom Foto: Jannes Linders fotograaf Rotterd
Ein Beispiel aus dem Nachbarland: die Busstation am Amsterdamer Hauptbahnhof.

Vorgestellt werden alle fünf Ideen in der Schau „Rhein-Main – Die Region leben“, die im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Freitag um 19 Uhr eröffnet wird und dann bis 14. Oktober zu sehen ist. Die Schau entwirft, auf der Basis einer gründlichen Analyse des Ist-Zustandes, künftige Bilder einer Region, die ihre Chance beherzt ergreift und dabei auch die digitalen Technologien nutzt. Denn „Wohnen und Mobilität müssen zusammengedacht werden“, meint DAM-Direktor Peter Cachola Schmal zu Recht.

Landstriche veröden

Es geht also darum, wie Christian Holl betont, einer der drei Kuratoren neben Felix Nowak und Kai Vöckler, weniger auf die einzelnen Städte zu schauen und mehr auf die bestehende und künftige Verbindung untereinander. Die Schau stößt folglich einen völlig offenen Prozess an. Entsprechend schlicht ist die Ausstellung aufgebaut, mit Grafiken, Texten und Bildern, die einfach an die braunen Stellwände gepinnt wurden.

Dass es so nicht weitergeht wie bisher, ist wohl jedem klar, vom Politiker bis zum Bürger. Denn die Menschen drängen in die Städte, während die Dörfer und ganze Landstriche veröden. Zugleich aber steigen die Verkehrsströme, was zu mehr Staus führt. Planlos mehr Wohnungen und Autobahnen zu bauen, hilft auch nicht weiter, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Denn dort, wo es mehr Wohnungen gibt und mehr gebaut wird, ist es auch am teuersten. Kein Wunder, dass in Frankfurt die durchschnittliche Wohnfläche pro Person immer mehr sinkt (37 Quadratmeter), während sie im Vogelsberg steigt (65 Quadratmeter). Der Normalverdiener kann sich in der Großstadt nur kleine Wohnungen leisten, auf dem Land aber größere.

Fünf Visionen als Anregung für Bürger und Politiker

Das Frankfurter Architektur- museum stellt derzeit Ideen für ein Zusammenwachsen der Region vor, darunter etliche schon andernorts realisierte Projekte, aber auch fünf Visionen, die hier kurz skizziert werden.

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Die Schau räumt auch mit dem alten Klischee auf, dass Frankfurt die großen Firmen anlockt und dafür die Bewohner ins Umland abschiebt. Die Realität sieht längst anders aus. Das Umland angelt sich mit niedrigen Gewerbesteuersätzen etliche Firmen, baut aber seit 1993 immer weniger Wohnungen, während Frankfurt schon seit dem Ende der 80er Jahre mehr baut. Diese Zahlen sollen aber keine Schuldzuweisung sein, sie dienen der nüchternen Analyse, um neue Ideen zu entwickeln.

Denn die in vier Kapitel unterteilte Schau, von der Region über Mobilität und Wohnen bis zu den fünf Visionen, wartet mit vielen Zahlen auf. Sie verweisen auf eine alternde Gesellschaft mit großen und nur von einer Person bewohnten Häusern bis zu neuen Wohnformen mit gemeinsam genutzten Bereichen. Die künftige Mobilität hingegen gibt dem öffentlichen Nahverkehr den Vorzug vor dem Auto.

Kleine Zimmer

Dafür versammelt die Ausstellung zahlreiche Beispiele aus anderen Ländern und Städten, teils aber auch aus der eigenen Region. Das Frankfurter „Cubity“ etwa ist das erste weltweite Plusenergie-Studentenwohnhaus mit kleinen Zimmern von nur 7,2 Quadratmetern, aber großem Gemeinschaftsraum. Auch das Darmstädter Projekt „Wohnsinn“ setzt auf 73 individuelle Wohnungen, aber mit vielen Gemeinschaftsflächen, wenig eigenen Autos und internem Carsharing. In München hingegen überbaute der Architekt Florian Nagler einen bestehenden Parkplatz mit einem langen Gebäude und schuf so 100 kleine Wohnungen; von den 110 Parkplätzen gingen nur drei verloren.

Ähnlich gut illustriert wird das Thema der Mobilität. Der Hauptbahnhof in Chemnitz ist dank eines Umbaus schon für die Zukunft gerüstet. Die Bahnhofshalle wurde geöffnet, damit eine umstiegsfreie Weiterfahrt mit der Straßenbahn ins Umland auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn möglich ist. Der viel größere und ältere Amsterdamer Hauptbahnhof wurde in einen Verkehrsknotenpunkt umgewandelt, mit klarer Trennung von Verkehr, Dienstleistung, Handel und Begegnungsorten. Nicht zu vergessen die „Fahrradschlange“ in Kopenhagen, die zwar nur 230 Meter lang ist, aber als Brücke über dem Hafenbecken und dem Kai etliche Bauten miteinander verbindet, während unten die Fußgänger entspannt flanieren können.

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43, Frankfurt.
Eröffnung: Freitag, 19 Uhr. Dann bis 14. Oktober, geöffnet Di/Do–So
11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr.
Eintritt 9 Euro. Katalog 29,50 Euro. Telefon (069) 21 23 88 44.
Internet www.dam-online.de

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