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„Killing Joke“ kann hohes Niveau und mörderisches Tempo halten: Der Dämon gerät nicht in Atemnot

Weder Atempause noch Tempobegrenzung: Die Londoner Post-Punk-Kultformation „Killing Joke“ zelebriert in der „Batschkapp“ eine schwarze Messe.
Jaz Coleman, Frontmann der Band „Killing Joke“ Foto: Sven-Sebastian Sajak Jaz Coleman, Frontmann der Band „Killing Joke“
Frankfurt. 

Kerzlein flackern nervös im Dunkel, Räucherstäbchen duften vor sich hin, und das zumeist ins Diffuse driftende Bühnenlicht wechselt mit Vorliebe von Blutrot nach Giftgrün. Mittendrin grollt, schnaubt, wütet und ächzt der dämonische Zeremonienmeister Jaz Coleman.

Ganz in düsteres Schwarz gekleidet, strahlt das 57 Jahre alte Multitalent in seiner Funktion als Frontmann der Londoner Post-Punk-Kult-Truppe „Killing Joke“ Unbehagen aus bei der Feier dieser schwarzen Messe: Sowohl der überlange Gehrock als auch die blauschwarzen, schulterlangen Haare wecken Assoziationen an den russischen Wunderheiler Rasputin oder an Alan Rickman alias „Severus Snape“ in den „Harry-Potter“-Kinoverfilmungen.

Schlicht sagenhaft, wie Jaz Coleman – Sohn eines britischen Vaters und einer angloindischen Mutter mit halbbengalischen Wurzeln – in sparsamer Gestik, mit stakkatohaftem Schritt dieses unheimliche Augenrollen und den Griff ins Unendliche inszeniert. Unterstützt von Gitarrist Kevin „Geordie“ Walker, Bassist Martin „Youth“ Glover, Schlagzeuger Paul Ferguson und Keyboarder Reza Uhdin zeigt sich „Killing Joke“ in Form.

Wie ein Lobomotisierter stakst Coleman im gnadenlos mörderischen Uptempo-Beat von wuchtigem Pump-Bass, gigantischer Gitarren-Klangwand und wohltemperierten Elektro-Sprengseln ungemütlich umher. Man wird nicht müde, diesem anhaltenden Spektakel zuzusehen.

Wer zuletzt vor Monaten in der „Batschkapp“ eine weitere einst imposante Kultfigur der britischen Independent-Rock-Bewegung, Andrew Eldritch und seine rudimentären „The Sisters Of Mercy“, nur noch als Schatten ihrer selbst wahrnahm, muss sich eingestehen: „Killing Joke“ konnte sich sowohl in Urbesetzung (bis auf den erst 2005 hinzugekommen Reza Uhdin!) reformieren, als auch ihre künstlerische Ur-Essenz bewahren.

Kopfüber in die Vergangenheit stürzt sich das Quintett, wenn es vom Debütwerk von 1980 gleich vier Gassenhauer auspackt: Der Einstieg „The Wait“, der das Publikum regelrecht hinwegfegt, erweist sich als ebenso kraftvoll manisch wie „Wardance“ und „Requiem“.

Völlig in den Ausnahmezustand geraten die Feierwilligen, darunter viele junge Fans, als „Killing Joke“ mit Hymnen wie „Eighties“ und „Love Like Blood“ im Affentempo voranprescht. Bis zum prächtigen Finale mit „The Death And Resurrection Show“ und „Pandemonium“ kann „Killing Joke“ sowohl das hohe Niveau als auch das mörderische Tempo halten, ohne nur einmal in Atemnot zu geraten.

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