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Am Darmstädter Staatstheater hatte „Peter Pan“ Premiere: Der Feenstaub bringt die Kinder ins Nimmerland

Von Darmstadts Staatstheater brachte J. M. Barries „Peter Pan“ in Bernadette Sonnenbichlers Regie heraus: als Weihnachtsstück für Kinder ab 5 Jahren.
Natürlich gibt es auch in der Fantasiewelt Piraten und Krokodile, selbst wenn sie wie Dinosaurier aussehen. Foto: Robert_Schittko_Copyright Natürlich gibt es auch in der Fantasiewelt Piraten und Krokodile, selbst wenn sie wie Dinosaurier aussehen.
Darmstadt. 

Wenn die kleinen Zuschauer (für Jugendliche scheint dieser „Peter Pan“ womöglich zu kindlich) sich über das Krokodil in Nimmerland erschrecken, das eher einem Saurier gleicht und nur mit dem Kopf auf die Bühne passt, so verdankt sich das der Crew Norbert Bellen (Bühne), Tanja Kramberger (Kostüme), Timo Willecke (musikalische Leitung). Bevor sich die Bühne auf die Tropeninsel Nimmerland mit ihren übergroßen Pilzen und Blumen öffnet, sehen wir ein Kinderzimmer: expressionistisch-schräg bis zum Bücherbord, in bunten Kinderfarben mit verstreutem Spielzeug und Riesenmond im großen Fenster und drei Kinderbetten.

Größe ist und bleibt hier relativ. Statt Peter und die Kinder besonders zierlich zu besetzen, stellt die Regie lieber die Darling-Eltern auf lange Hosenbeine mit Stelzen-Innenleben und vergrößert das Mobiliar und die Vegetation. In der Premiere spielte Robert Lang Peter Pan, Hubert Schlemmer Captain Hook und Mr. Darling, Anabel Möbius Wendy, Gabriele Drechsel Mrs. Darling und die Indianerin Tigerlily, Stefan Schuster den Piraten Smee. Für Kinder ergab das gut angelegte siebzig Minuten Lebenszeit.

Die Zeit gibt es nicht

Mit der Zeit gibt es in „Nimmerland“ nie Probleme, da sie und das Altern dort keinen Platz haben. „Peter Pan“, das sind Abenteuer für behütete, einst viktorianische Kinder. Ein schöner Gedanke und etwas Feenstaub, schon fliegt man durchs Fenster über Kensington Park nach Nimmerland, wo die „verlorenen Jungs“ nebst Indianern, Bestien und Piraten (Barrie tauschte Briefe mit „Schatzinsel“-Autor Stevenson) warten. Elfen und Nixen fehlen. Wie es sich für Abenteuer geziemt, bewähren sich Peter, Wendy & Co. am Rachedurst Captain Hooks, dessen Hand Peter ans Krokodil verfütterte, vor dem Untier mit der tickenden Uhr im Bauch und gegen Hunger und Heimweh. Zuletzt bringt Peter alle Kinder Nimmerlands zur Massenadoption bei Darlings nach London und entschwindet, um niemals zu altern.

Ob es Theatergänger gibt, die nie von „Peter Pan“ gehört haben? Der schottische Schriftsteller J. M. Barrie (1860–1937) schrieb seine Geschichten und das Stück nie für rothaarige Peter-Pan-Darstellerinnen mit Feen-Ohren in Robin-Hood-Strumpfhosen, wie das in US-Filmen anklingt. Vielmehr ähnelt auch Robert Langs Peter Pan einem Arbeiterjungen à la Dickens oder gar Huck Finn: struppige Haare, lumperte Weste und Hose in Erdtönen, Fahrtenmesser, baumelndes Zeug an Schnüren, eine fast bocksgestaltige „Pans“-Gestalt. Fee Tinkerbell hat nichts von Disney-Feen in Bonbonfarben, sondern ist ein nervöser Lichtfleck mit Glöckchenklang – den Rest malt die Fantasie aus. Ordentliches Kindertheater mit zeitgemäßen Figuren, das Kindern Spaß bereiten dürfte. Den Eltern auch? Mal sehen.

Für Barries Nachbarn G. B. Shaw war „Peter Pan“ ein Stück für „Große“: Metaphern für reale Probleme. Fühlte sich ein Michael Jackson auf seiner „Neverland-Ranch“ allerdings in seiner dubiosen Kinderliebe von Peter Pan bestätigt (Psychologen nennen das verweigerte Reifen „Peter-Pan-Syndrom“), so war Barrie frei von solchen eher kranken Zügen. Wer’s nicht glaubt, frage Elisabeth II.: Ihr und ihren Schwestern erzählte Barrie, als sie sehr jung waren und er schon alt, immer noch von Peter und Wendy.

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