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Der Frankfurter ist nicht zimperlich

Adolf Stoltzes Frankfurter Lokalposse „Verspekuliert“ hatte Premiere mit dem Volkstheater Hessenin der ehemaligen „Katakombe“.

Voller Erfolg: Zum Premierenwochenende war die Ex-„Katakombe“ (jetzt Kulturhaus) drei Mal proppevoll. Und die begeisterten Zuschauer wurden mit einer von Steffen Wilhelm blitzgescheit inszenierten Schauspiel-Rarität belohnt.

In dem Ende des 19. Jahrhundert geschriebenen Zweiakter zeigt der Sohn von Dichter Friedrich Stoltze, welche Menschen sich sich da auf den Straßen und Plätzen getummelt und wie sie miteinander geredet haben. Da geht der Spaß schon los – selbst alteingesessene Frankfurter rätselten beim ein oder anderen Wort. So entstand fast interaktives Theater, zumal auch die vier Mimen sich immer wieder in Brecht’schem Verfremdungseffekt dem Zuschauer zuwandten, um zu erzählen, was nicht für das Ohr des Bühnenpartners bestimmt war.

Die Handlung: Der Sohn der Marktbeschickerin Frau Schnatter, Schorsch, ist verliebt in Lenchen, die Tochter von Balser Knoblauch, dem zu Geld gekommenen Rentier, der eine bessere Partie für seine Tochter im Sinne hat, aber sich auch nicht ganz dem Charme der umtriebigen Schnatter entziehen kann. Nicht zimperlich geht man miteinander um, vor allem sprachlich. Da poltert Knoblauch schon mal, wenn ihm was nicht passt: „Eh die Alte sich uff die Zung beißt, stirbt se an Vergiftung.“ Die so Gescholtene kontert: „Je höher der Affe klettert, desto mehr zeischt er sein Arsch.“

Alte Frankfurter Redensarten, die zünden. Andreas Walter Schroth gibt den Hagestolz Knoblauch im braunen Gehrock mit Furore, Wut, aber auch Zärtlichkeit und Hingabe. Das ist das Stichwort für die schauspielerische Leistung von Iris Reinhardt Hassenzahl, die ihrem Lenchen im historisierenden Spitzenkleid trotz hessischer Schnodderigkeit Eleganz und Noblesse verleiht. Tim Grothe ist Schorsch, Hals über Kopf in Lenchen verliebt, aber in gefühlsmäßige Wechselbäder getaucht. Und Silvia Tietz als resolute Marktfrau mit einer gesunden Portion Wut im Bauch gibt auch eine hervorragende Vorstellung. Heimliche „Hauptrolle“ aber ist das „Büschelche“, das Sparbuch des Schorsch, das von einer Hand in die andere Hand wandert und schließlich beim „Dieb“, dem Basler Knoblauch, landet. Ein kleines Stück, doch ganz groß inszeniertes Volkstheater mit gelungenen Musik- und Gesangseinlagen.

(Joachim Schreiner)
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