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Ausstellung in Wiesbaden: Der Frühling bricht aus: Frank Brabants Kunstsammlung i

Der Wiesbadener Sammler Frank Brabant ist 80 geworden und stiftet seine 600 Gemälde, Grafiken und Zeichnungen. Nach seinem Tod teilen sich Wiesbaden und Schwerin die Werke. Eine Schau gibt einen Vorgeschmack auf den hessischen Anteil.
Conrad Felixmüllers „Frühlingsabend in Klotzsche“ entstand 1926 und gehört zu den schönsten Werken der Brabant-Sammlung. Abbildungen: Museum, VG Bild-Kunst Conrad Felixmüllers „Frühlingsabend in Klotzsche“ entstand 1926 und gehört zu den schönsten Werken der Brabant-Sammlung. Abbildungen: Museum, VG Bild-Kunst
Wiesbaden. 

Mit einem Redner fing alles an. Dabei drängt sich Frank Brabant keineswegs in den Vordergrund. Er ist eher ein leiser Beobachter der Kunstwelt. Doch „Der Redner“ von 1918, ein kleiner ausdrucksstarker Holzschnitt eines sich kämpferisch gebenden Mannes von Max Pechstein, war Brabants erste Erwerbung eines Kunstwerks im Jahr 1964. Diesem eher unfreiwilligen Kauf folgten bis heute rund 600 begeisterte Erwerbungen, denn Brabant fand rasch Gefallen an der Kunst.

Vor 54 Jahren aber war Brabant zufällig in die renommierte Frankfurter Kunsthandlung Hanna Bekker vom Rath geraten, wo eine Vernissage mit Werken des Expressionisten Max Pechstein stattfand. Der Neuling Brabant meinte, es herrsche Kaufzwang und wählte den „Redner“ aus, der ihm gefiel. Den Preis von 350 D-Mark stotterte er in zwölf Raten ab. Damals kannte Brabant nur populäre Künstler wie Chagall oder Picasso und machte sich erst nach dem Kauf über Pechstein kundig.

Expressionisten zuerst

Jetzt hängt das Porträt inmitten von 130 Werken aus Brabants Sammlung im Museum Wiesbaden, das nach dem Tod des 80-jährigen Stifters die Hälfte des Kunstschatzes erhalten soll. Die anderen 300 Werke gehen an das Staatliche Museum in Schwerin, wo Brabant 1938 geboren wurde und 20 Jahre später seine Heimat gen Westen verließ. In Wiesbaden machte er sein Glück und verdiente gutes Geld mit Discotheken, in denen auch Promis wie Udo Jürgens oder Helen Vita ein und ausgingen.

Derweil sammelte Frank Brabant weiterhin die damals noch erschwingliche Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zuerst die Expressionisten, später auch die unterschätzte Neue Sachlichkeit. Als er dann für einen VW-Käfer sparte, kam ihm ein Werk von Ernst Ludwig Kirchner dazwischen – dafür ließ er den Käfer sausen. Heute besitzt Brabant Werke von allen wichtigen, aber auch von vielen vergessenen Künstlern dieser Zeit, die in seiner 150-Quadratmeter-Wohnung dicht an dicht hängen.

Es ist eine der großen privaten Sammlungen der Klassischen Moderne in Deutschland, die „Von Beckmann bis Jawlensky“ reicht, wie der Titel der bis 30. September laufenden Schau lautet. Sie nimmt sogar Brabants Petersburger Hängung auf, auch das Gelb-Orange seiner heimischen Wände. Die Schweriner hingegen haben einen Teil ihres Konvolutes schon vor einem halben Jahr vorgestellt. Ein gemeinsamer Katalog listet auf, wohin welches Werk gehen soll – beim Durchblättern sieht man, dass beide Museen gleich gut bedacht werden.

Zu Unrecht vergessen

In Wiesbaden könnte das Porträt des zu Unrecht vergessenen Künstlers Ulrich Neujahr zu einem neuen Aushängeschild des Museums werden, meint Roman Zieglgänsberger, der für die Moderne zuständige Kustos. Ulrich Neujahr (1898 bis 1977) malte 1928 eine sehr streng dreinblickende Frau mittleren Alters im schwarzen Kleid und gelben Sommerhut, dahinter eine pralle Landschaft mit dunkelblauer Meeresbucht und üppiger Vegetation. Ein reizvoller Kontrast zwischen der kühlen Schönheit und der warmen Landschaft, geschickt verbunden durch gegenseitig sich ergänzende und steigernde Farben. Auch wenn Brabants Sammlung dank rund 40 Ausstellungen nicht ganz unbekannt ist, sorgt sie doch für Überraschungen, wie der Rundgang zeigt. Schon vor einiger Zeit hat Frank Brabant ein Bild dem Museum geschenkt. Es ist ein Glanzpunkt der Sammlung, Alexej von Jawlenskys um 1901 gemaltes Porträt „Helene im spanischen Kostüm“, seinem Hausmädchen, das er später heiratete.

Damit konnte das Wiesbadener Haus seinen Bestand an rund 100 Werken des russischen Künstlers noch erweitern. Die Sammlung ist weltweit einzigartig; nur ein kalifornisches Museum hat noch mehr Jawlenskys. Freilich hat Brabant nicht immer die teuersten Werke gekauft. Von Max Beckmann etwa kommt künftig ein feines Porträt eines älteren Herrn ins Museum, eine Lithografie von 1921, während die Schweriner ein spät gemaltes Stillleben erhalten.

Doch Wiesbaden kann den Expressionismus auch so gut abbilden, Brabants Werke ergänzen und erweitern das nur noch. Anders ist das mit der Neuen Sachlichkeit, die in Wiesbaden bisher schwach vertreten war. Nun kann das Haus künftig mit Otto Dix, Georges Grosz und Rudolf Schlichter aufwarten, aber auch mit Künstlerinnen dieser realistischen und sozialkritischen Stilrichtung wie Elfriede Lohse-Wächtler und Jeanne Mammen.

So erweist sich der vermeintliche Kaufzwang über 50 Jahre später als Glücksfall für zwei Museen.

Museum Wiesbaden

Friedrich-Ebert-Allee 2.
Bis 30. September, geöffnet Di/Do
10–20 Uhr, Mi und Fr bis So
10–17 Uhr. Eintritt 10 Euro. Katalog 29,90 Euro. Telefon (06 11) 3 35 22 50. Internet www.museum-wiesbaden.de

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