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Techno-Legende Sven Väth wird 50 Jahre alt: Der Magier am DJ-Pult

Von Wenn er auflegt, gibt es kein Halten mehr: Er versetzt das Publikum weltweit in Rausch und Ekstase. Noch immer gilt Sven Väth als einer der innovativsten Meister an den Reglern.
Der Mystiker der Techno-Ekstasen: Sven Väth.	Foto: Daniel Woeller Bild-Zoom
Der Mystiker der Techno-Ekstasen: Sven Väth. Foto: Daniel Woeller
Als Sven Väth vor knapp 30 Jahren begann, Techno aufzulegen, wurden die monoton pumpenden Bässe und das bis in die späten Morgenstunden frenetisch tanzende Publikum als modische Randerscheinung belächelt. Inzwischen ist elektronische Musik nicht mehr wegzudenken – und der Frankfurter Techno-Pionier gilt bis heute als einer der weltweit einflussreichsten Discjockeys. Am Samstag feiert er mit Tausenden Fans in der Mannheimer Maimarkthalle in seinen 50. Geburtstag am Sonntag hinein.

Noch immer ist Sven Väth ein Superstar der Szene, berühmt für seine zwölfstündigen Auftritte. Trotz seines Alters packt der aus Heusenstamm stammende Star-DJ bis zu 120 Mal pro Jahr seinen Plattenkoffer, um für fünfstellige Gagen in Clubs und bei Festivals auf der ganzen Welt aufzulegen. Als Ausgleich zum kräftezehrenden Partyleben verordnet Väth sich seit Jahren wochenlange Ayurveda- und Fastenkuren (siehe Interview).

Wer den „Babba“, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, einmal live gesehen hat, der weiß, in welchen Rausch Väth sich und sein Publikum versetzen kann, wenn er erst einmal am Platteteller steht. „Bei ihm muss man aufpassen, dass noch ein anderer zum Spielen kommt“, sagt ein langjähriger Wegbegleiter. Väths DJ-Karriere begann im Neu-Isenburger Tanzlokal seiner Eltern. Dort legte er als Ersatz-DJ zunächst Michael Jackson, Diana Ross, Tina Turner und Foxtrott auf.

 

Berühmt, aber nicht reich

 

Anfang der 80er Jahre folgten die ersten Auftritte in der Frankfurter Flughafen-Disco „Dorian Gray“. Dort machte sich Väth rasch mit seinen bizarren Verkleidungen und Tanzeinlagen einen Namen. Als er 1984 im „Vogue“ in der Junghofstraße als Resident-DJ anheuerte, gab es den Begriff Techno noch gar nicht. Doch schon bald verschmolzen auf Väths Plattentellern elektronische Klänge zu Melodien, die das Stakkato der Bässe in einen organischen Sound verwandelten.

Techno hatte seine Hochzeit in Deutschland in den 90er Jahren. Noch bevor die Loveparade in Berlin ein Millionenpublikum anzog, pilgerten die Nachtschwärmer in die Frankfurter Clubs, wo sie wie im Rausch das ganze Wochenende durchfeierten, sich von pulsenden Bässen und den flackernden Laserstrahlen antreiben ließen. Sven Väth erkannte das Potenzial dieser Bewegung schon viel früher. Mit seiner Musik und seinen Live-Sets prägte er Generationen von Ravern.

Seinen ersten großen Erfolg landete Väth, als er gemeinsam mit Michael Münzing und Luca Anzilotti („SNAP!“) das Eurodance-Projekt „OFF“ (Organisation For Fun) ins Leben rief. „Electrica Salsa“, die zweite Single des Trios, stürmte 1986 die europäischen Charts. Damit wurde Väth zwar berühmt, aber nicht reich. Noch Jahre später beklagte er sich in Interviews, dass seine Geschäftspartner ihn über den Tisch zogen. 1988 übernahm Väth gemeinsam mit Münzing und einem weiteren Partner das „Vogue“ und baute dieses zum „Omen“ um. Der Club machte 1998 dicht, gilt aber bis heute als zentrale Geburtsstätte der deutschen Techno-Musik.

 

Club der Superlative

 

„Ich kenne ihn aus dem ,Dorian Gray’, dem ,Vogue’ und dem ,Omen’. Sven Väth ist der Letzte seiner Art, die das Auflegen und Mischen mit LP noch beherrschen. Seine Sets sind immer real“, sagt der Frankfurter Immobilien-Investor Ardi Goldman. Goldman war bis zur Insolvenz des „Cocoon Clubs“ vor zwei Jahren ein enger Geschäftspartner des Star-DJs. Mit der Eröffnung des futuristischen Clubs erfüllte sich Sven Väth 2004 einen Lebenstraum.

„Ibiza war meine Erweckung“

Seinen 50. Geburtstag feiert Techno-Pionier Sven Väth am Wochenende nicht in Frankfurt, sondern in Mannheim. Warum er der Main-Metropole dennoch verbunden bleibt, verrät Väth im Interview mit Mirco Overländer.

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Das „Cocoon“ wurde in achteinhalb Jahren von der Zeitschrift „Groove“ vier Mal zum besten Techno-Club Deutschlands gekürt. Sven Väth sprach selbst vom schönsten Club der Welt, der auch in London oder Tokio erfolgreich wäre. Doch die hohen DJ-Gagen, Personalkosten und das ins „Cocoon“ integrierte Restaurant des Sternekochs und Väth-Freundes Mario Lohninger trieben die Kosten stetig in die Höhe. „Väths Anspruch war gewaltig. Der Club ist an seinen eigenen Ansprüchen erstickt“, sagt Ardi Goldman über die Insolvenz des in Fechenheim gelegenen einstigen Szenetreffs.

Nach dem Aus des „Cocoon“ setzte Sven Väth seine gleichnamige Partyreihe in einem Club auf Ibiza fort. Auf der Insel lebt er auch mit seiner Familie, wenn er nicht gerade auf Tour ist oder den Winter in Thailand verbringt. Doch der Kontakt zu vielen Frankfurter Weggefährten ist bis heute nicht abgerissen. „Sven Väth kauft immer noch seine Platten bei uns ein. Unter der Theke hat er sein eigenes Fach“, sagt Christopher Holz, einer der beiden Betreiber des Frankfurter Plattenladens Freebase Records.

Auch der Künstler Tobias Rehberger zählt seit einigen Jahren zu Väths Weggefährten und lobt diesen in den höchsten Tönen: „So wie ich ihn in den letzten zehn Jahren erlebt habe, würde ich sagen, dass es auch in zehn Jahren nichts wird mit seinem Karriereende“, sagt Rehberger und verweist auf Väths legendäre Mammut-Auftritte. Diese könne man nicht bewältigen, wenn es einem nur ums Geld und nicht wirklich um die Freude an der Musik gehe. Eine rauschende Nacht erwartet Rehberger auch am Samstag, wenn Väth zur Party in die Mannheimer Maimarkthalle lädt.

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