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Schauspiel Frankfurt: Der Mensch bleibt ein Urwaldbewohner

Von Lisa Eder verkörpert zum Spielzeitbeginn unter Isaak Dentlers Regie den Affen in Franz Kafkas Text. Zu sehen ist das in der „Box“ der Städtischen Bühne.
Lisa Eder spielt den Affen, der einen Vortrag vor Akademikern hält und den Zuhörern seine Erlebnisse in der Wildnis preisgibt. Foto: Jessica Schäfer Lisa Eder spielt den Affen, der einen Vortrag vor Akademikern hält und den Zuhörern seine Erlebnisse in der Wildnis preisgibt.
Frankfurt. 

Nebel wallt über den Foyerboden, wo die Schauspielerin im Studiojahr verharrt, ohne je die Box dahinter zu betreten. Es ist, als wollten Isaak Dentler und Judith Kurz (Dramaturgie) einen Hauch Urzeit vors Menschen-Theater kommender Box-Regien schalten, um den Schleier sachte, Stück für Stück, zu lüften. Lisa Eders Affe Rotpeter bleibt somit greifbar auf der Schwelle, da ihm, in vielem menschlicher als die Menschen, der Zugang zur Menschenwelt genauso versperrt bleibt wie der Rückweg ins sprachlose Tierreich. Grün und Schwarz auf der Außenwand mit ihren Falttüren deuten einen Urwald an, was so gut zur Geschichte passt wie Harry Belafontes „Banana Boat Song“ als Eintrittshymne.

Ein Affe wird, bei Kafka, an Afrikas Goldküste von den Zoobetreibern Hagenbeck eingefangen und nach Hamburg verfrachtet. Lisa Eder spielt ihn, Bananen verputzend, auf einem Barhocker mitten im Nebel. Sie trägt Zylinder, Lackschuhe mit Steppelementen und einen weiten, rot-seidigen Anzug nebst rotem, übertrieben wohlgefüllten T-Shirt (Kostüm: Raphaela Rose). Schon auf dem Dampfer, so ist aus Rotpeters Adresse ans hochmögende Kollegium zu erfahren, begann er zu sprechen: sein einziger Ausweg zur Freiheit. Bald lebt und lernt er wie ein Mensch, benennt sich nach dem Affen Peter aus „Brehms Tierleben“, bildet und gesittet sich, wird zur Größe im Variété. Und berichtet nun einer Akademie der Wissenschaften über sein Leben.

Kafkas Erzählung erschien 1917 in Martin Bubers Zeitschrift „Der Jude“, was eine Deutung begründete: als Allegorie auf Assimilation und Entfremdung. Andere Deuter vermerkten Kafkas Interesse an Darwin, galoppiert Rotpeter doch im Nu durch Jahrmillionen der Evolution. Wieder andere sahen Kafka selbst als Künstler und Bürokrat in ihm gespiegelt, legten psychoanalytische Muster daran an oder erkannten Kafkas Faible fürs Variété und seine Gentleman-Schimpansen in „Frack, Lack und Claque“ (Brehm). Dazu passt Lisa Eders Aufmachung mit Zylinder, selbst ohne Frack und Chapeau Claque. Dass Rotpeter per Willensakt Mensch wird, ironisiert die Autonomie des Subjekts.

Whiskey für alle

Im klingenden Rhythmus von „Six foot, seven foot, eight foot banana“ geht es los und beglückt das Publikum sehr bald mit überreichen Resten äffischer Körpersprache und Unsitten, verstärkt durch Steppschrittfolgen (Choreografie: Madeline Ferricks-Rosevear) sowie Whiskey für alle aus der bereitstehenden Flasche. Saufen als erster Schritt zur Menschwerdung spielt ja seine Rolle im „Bericht“. Ein Nicht-Stück als dankbare Bravour-Arie für Schauspiel-Solisten, das in, nein: vor der Box seine Qualitäten bewies und der Schauspielerin Eder reichlich Gelegenheit zu glänzen gab, die sie durchaus nutzte. Es war die letzte Premiere des Eröffnungswochenendes unter dem neuen Intendanten Anselm Weber, das als große Produktion „Richard III.“ zeigte.

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