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"Dieses bescheuerte Herz": Der Mensch braucht mehr als Sauerstoff

Von Marc Rothemund hat die „wahre Geschichte“ über eine ungewöhnliche Freundschaft inszeniert, in der die Hilfsbereitschaft das Wichtigste ist.
Lenny (Elyas M’Barek) hat schwer zu tragen, aber eine Last ist ihm David (Philip Noah Schwarz) nicht. Der schwer herzkranke Junge soll noch ein paar schöne Tage erleben.  Foto: Constantin Foto: Jürgen Olczyk (Constantin Film Verleih) Lenny (Elyas M’Barek) hat schwer zu tragen, aber eine Last ist ihm David (Philip Noah Schwarz) nicht. Der schwer herzkranke Junge soll noch ein paar schöne Tage erleben. Foto: Constantin

Weihnachten ist dazu da, anderen etwas Gutes zu tun und sich selbst zu einem besseren Menschen zu machen. Insofern ist der Kinostart von „Dieses bescheuerte Herz“ genau richtig terminiert, obwohl in der Komödie kein einziger Tannenbaum mitspielt. Dass der Mensch nicht nur vom Funktionieren seiner Organe lebt, weiß hier niemand besser als der verwitwete Herzchirurg Dr. Reinhard (sehr vertrauenswürdig in seinem weißen Kittel: Uwe Preuss). Er führt die schwierigsten Operationen aus und sorgt obendrein dafür, dass seine Kinderpatienten rund um die Uhr mit genügend Sauerstoff und reichlich Geborgenheit versorgt sind.

Disco und Drogen

Deshalb nimmt er auch seinen Sohn Lenny (Elyas M’Barek) in die Pflicht. Der Herumtreiber hat sein Medizinstudium und auch sonst vieles abgebrochen, schlägt sich die Nächte mit Disco, Drogen, Damen und Dummheiten um die Ohren und fährt den väterlichen Sportwagen bedröhnt in den Pool. Doch nun sperrt Dr. Reinhard dem Missratenen die Kreditkarte. Von jetzt an heißt es für Lenny, seine Zeit mit dem todkranken David (Philip Noah Schwarz) zu verbringen, damit der „seinen 16. Geburtstag noch erlebt“.

Ein Gesunder, der sich um einen Kranken kümmert: Das ist eine bewährte Kombination für eine Komödie und geht meist damit einher, dass sich zwei sehr unterschiedliche Temperamente begegnen, die es am Anfang kaum miteinander aushalten, am Ende aber doch verstehen, dass sie noch was voneinander lernen können („Der geilste Tag“, „Ziemlich beste Freunde“). Lenny und David hingegen kommen sofort recht gut miteinander aus, und abgesehen von kleinen Zwischenfällen steigert sich die Harmonie zwischen ihnen noch. Das ist schön für die beiden, aber schlecht für die Spannung, zumal „Dieses bescheuerte Herz“ knapp zwei Stunden dauert. In dieser Zeit wird Davids Wunschliste abgearbeitet, auf der unter anderem steht „Lederjacke kaufen“, „Rennwagen fahren“, „Einem Mädchen Rosen schenken“, „Ein Mädchen nackt sehen“. Man merkt: David ist ein recht braver Junge, was seinem geschwächten Zustand zuzuschreiben sein mag, aber gute Komödien brauchen nun mal freche Jungen, und es sage keiner, dass es die unter den Todkranken nicht gibt.

Faust unter der Nase

Beherrscht wird das Geschehen denn auch von Elyas M’Barek, der abwechselnd dackeltreu dreinschaut, auf leichten Sohlen lässig durch Einkaufszonen wippt, bei Frauen die Flirtmaschine anwirft und ungemütlichen Männern die Faust unter die Nase reibt – ganz so, wie er es als Hilfslehrer Zeki in „Fack ju Göhte“ hinreichend geübt hat. Die Beiläufigkeit im Inszenierungsstil von Marc Rothemund kommt dessen jüngster Komödie allerdings weniger zugute, als sie einst seinem ersten Beziehungslustspiel „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ gedient hat. Zwar beruht „Dieses bescheuerte Herz“ auf einer „wahren Geschichte“, aber das allein genügt in diesem Fall nicht, um auch das einzig Wahre fürs Kino zu werden. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: Berger, Cinema, Cinestar, Eldorado, Metropolis. Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex.
Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis. Mainz: Cinestar

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