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Der Mensch ist auf sich selbst gestellt

Von Im Staatstheater Darmstadt hatte Wolfgang Rihms Kammeroper "Jakob Lenz" eine eindringliche Premiere mit dem Bariton David Pichlmaier.

Mit Goethe war Jakob Lenz persönlich bekannt, Georg Büchner verarbeitete das Leben des Dichters in einer Novelle. Geboren wurde Lenz 1751 in der Nähe von Riga; 41 Jahre später starb er auf einer Straße in Moskau. Er war, nach heutigen Erkenntnissen, schizophren, hörte Stimmen, wurde durch halb Europa getrieben und verliebte sich unglücklich in Goethes vormalige Geliebte Friederike Brion.

Das Staatstheater Darmstadt legt zur Zeit, im 200. Geburtsjahr Georg Büchners, einen Schwerpunkt auf dessen Werke. Der Komponist Wolfgang Rihm nahm Büchners Novelle "Lenz" als Vorlage für seine Kammeroper "Jakob Lenz" (1978), die nun sozusagen im Kellergeschoss des Staatstheaters Darmstadt Premiere hatte: Der Werkstatt-Charakter der Kammerspiele passt vorzüglich zu der intensiv-kompakten, nur 75 Minuten dauernden, von gerade mal 11 Instrumentalisten begleiteten Oper. Eine einzige Episode im Leben des Jakob Lenz stellt sie in den Mittelpunkt: den Aufenthalt bei dem Elsässer Pfarrer Johann F. Oberlin.

Umschwirrt von Stimmen

Sechs Stimmen umschwirren Jakob Lenz. In schwarz-weißen Kostümen werden sie auf den schwarz-weißen Podesten der Ausstattung von Nora Johanna Gromer personifiziert. Innenwelt und Außenwelt des Dichters fließen ineinander, wie Gromers Ausstattung der Inszenierung von Lothar Krause sinnfällig zeigt. In der Darmstädter Aufführung des 1979 in Hamburg uraufgeführten Werks steht der junge Bariton David Pichlmaier im Mittelpunkt: Er verkörpert den jungen Lenz unruhig, aber nie exaltiert, in hektischer Kreideschrift die begehrte Friederike Brion wie den Vater beschwörend – und doch auf sich selbst und seine Gedanken gestellt.

Pichlmaiers Darstellung des Dichters, Nora Johanna Gromers Ausstattung, die feinnervige musikalische Leitung von Michael Cook und schließlich die vorzügliche Ausleuchtung von Rihms Partitur durch die an der Bühnenseite spielenden Mitglieder des Staatsorchesters Darmstadt geben der kompakten Aufführung eine Intensität, auf die sich der junge Regisseur Lothar Krause weitgehend verlassen kann: Er garniert das Ganze mit einigen Regie-Versatzstücken – einem Koffer oder fetischroten Schuhen.

Zuverlässige Sänger

Getragen wird dieser Darmstädter Beitrag zum Büchner-Jahr außerdem von zuverlässigen Solisten in den weiteren Partien: Stephan Bootz ist der Pfarrer Oberlin, Peter Koppelmann gibt den Dichterfreund Christoph Kaufmann, Lea Pfeifer die Friederike Brion, die sich am Schluss über den freundlichen Beifall für diese Neuproduktion freuen konnten.

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