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Der Sheriff ist ein intellektueller Plapperer

Von Studio-Autor Alexander Eisenach brachte am Frankfurter Kammerspiel sein Stück „Der kalte Hauch des Geldes: ein Finanz-Western“ zur Uraufführung.

Alexander Eisenachs „Leben des Joyless Pleasure“ wurde in dieser Zeitung als diskursfreudige Edel-Soap mit intellektuellen Plapperdialogen eines historisch kostümierten Trios auf großer Fahrt zu unentfremdeten Wilden beschrieben: mit Theoriegefechten im Stil von René Pollesch. Die Vorderbühne war in Videos aus dem Hinterraum gedoppelt.

In „Der kalte Hauch des Todes“ ist nun eine diskursfreudige Edel-Soap zu erleben, mit intellektuellen Plapper-Dialogen eines historisch kostümierten Trios (Christian Kurchenbuch, Christoph Pütthoff, Lukas Rüppel) plus Frauen-Duo (Sina Martens, Verena Bukal). Theoriegefechte zollen im Wilden Westen der Methode René Pollesch Tribut. Die Vorderbühne, ein Saloon mit Schwingtür, Bar und Spucknäpfen (Daniel Wollenzin), wird durch Videos vom Hinterraum doppelbödig. Westernfiguren werden nur greifbar genug, um ständig auszusteigen.

Was soll man davon halten? Eisenach inszeniert sich zwar kurzweilig. Nur ist sein Text eklatant epigonal, ein Befund, den das Selbstwiederholungs-Schema erschwert. Abgekupfert ist das vom erwähnten René P., gekreuzt mit der ironisch umständlichen Von-ganz-weit-weg-Dialogführung eines Quentin Tarantino, bei dem es aber um Big Macs ging. Eisenach setzt dafür den großen Finanzkandal und Theorie-gequassel zwischen „Dialektik der Aufklärung“ und Proseminar ein. Das ist Kunsthandwerk mit satirischen Zügen als Bestem daran. „Karl May: Das Kapital“ führt sichtbar die Feder.

Wollenzins Bühne und Julia Wassners Kostüme sind perfekt gemachtes Western-Klischee. Zwar ist das Stück mehr „Rollenspiel“ im Sinn häuslicher Spielrunden denn Theatertext, doch macht es Spaß, zuzusehen, wie Kuchenbuch Boss Baxter wie einen pockennarbigen Kommandanten Adama auf dem Raumschiff „El Plata“ gibt und Sina Martens, die rächende Fremde, Hosenrollen-Konventionen einbringt. Bukal spielt die traurige Nebenerwerbs-Hure Marisol, Pütthoff intellektualisiert den Sheriff. Rüppel füllt Sam als sneaky Schleimer aus. Schön die Live-Musik von „Boo Hoo“, unter anderem mit Neil Youngs „Vampire Blues“.

Das Ganze bleibt ein Korsett des Scheiterns. Wie schrieb der Romantiker Ernst von der Malsburg so passend? „Aus Eisen, ach! schuf ich mir eine Spange, / Die musste mich, ganz wie ich bin, umklammern, / ... Dass nicht das ganze Gold der schönen Erde, / Lust, Lieb’ und Sang, zu Eisen, ach! mir werde.“ Bei Eisenach wird alles zu Eisenach, Geld und Gold zumal.

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