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Der Tenor wird zum verschmitzten Buben

Von Mit besonderem Clou zum Schluss: Der peruanische Tenor Juan Diego Flórez verzaubert das „Pro-Arte“-Publikum in der Frankfurter Alten Oper.
Juan Diego Flórez gibt in der Alten Oper stimmlich alles. Foto: Ansgar@Klostermann.net Juan Diego Flórez gibt in der Alten Oper stimmlich alles.

Das Konzert war zu Ende. Der Tenor aus Lima hatte ein Dutzend Arien von Mozart und Gluck bis Verdi und Massenet vorgetragen, die NDR-Radiophilharmonie Hannover unter Riccardo Minasi den undankbaren Part eines solchen Häppchenabends achtbar und mit Sinn für knallige Wirkungen absolviert, das Publikum war mehr als zufrieden. Ovationen, Küsschen, Blumen, Geschenke. Programm und Stimme rissen den kritischen Hörer hin und her. Feines Material, aber doch perfektionistische Kühle. Geschmeidiges Legato, aber doch recht technisch, nicht natürlich Phrasen und Worte umschmeichelnd. Eine eher lyrisch kleine, helle, ja: kristallklare Stimmfarbe, aber doch wenig Variation, dafür stabiler „Peng“ in der Höhe – das (zu) große Orchester forderte eben vollen Einsatz.

Laut und leise

Die Spezialitäten des italienischen Repertoires wie „messa di voce“, das gefühlvolle, gut gestützte An- und Abschwellen der Stimme, „mezza voce“, das Singen auf halber Stimme waren da, aber berührten kaum. Flórez reduziert den Klang nicht von innen heraus, um ihn von intimer Empfindung dann zu emphatischer Größe zu führen; es wirkt vielmehr, als betätige er einfach den Regler: laut, leise.

Wie kann man – nach der Ouvertüre zu „La Clemenza di Tito“ – nur mit Mozarts „Bildnis-Arie“ einen Abend im Großen Saal eröffnen? Ein empfindsames Stück, das ein Tenor wie für sich selbst singen muss? Der zum Wiener Kammersänger geadelte Peruaner stellte sich mutig solchen Herausforderungen, wie auch dem radikalen Stimmungswechsel zweier Arien aus Glucks „Orphée et Euridice“ (darunter natürlich das beliebte „J’ai perdu mon Euridice“): Es gelang Flórez durch eine Zwischenansage, die das Publikum aber irrtümlich auf die Heiterkeitsspur setzte. Bei Donizetti und zuvor auch Mozart blühte dafür die Geläufigkeit der schlanken Tenorstimme. „Pourquoi me réveiller, ô souffle du printemps“ – bei der Beschwörung der Frühlingsgefühle in Jules Massenets „Werther“-Oper hingegen erschien im Gedächtnis der unvergleichliche Alfredo Kraus, bei „O mio rimorso“ aus Verdis „La Traviata“ Carlo Bergonzi, der zum Schluss eben nicht das hohe C stemmte, was an einem solchen Abend aber sein muss und Flórez auch gelang.

Mit Gitarre in der Hand

Das ausgedruckte Programm also war absolviert, da betrat der Sänger, der aussieht wie der junge Luis Trenker, noch einmal die Bühne – mit der Gitarre in der Hand. Ganz still begleitete er sich selbst: „Deine Liebe ist mein ganzes Leben“, ein Schlager der 50er Jahre, mit dem schon Fritz Wunderlich die Frauenherzen eroberte. Danach, auf Zurufe seines Fanclubs, spanisch-südamerikanische Folklore, darunter das durch Harry Belafonte bekannte „Cucurù“, eine Schnulze, in der man allerlei Schabernack unterbringen kann. Hier schlüpfte Flórez in die Rolle des lustigen, verschmitzten Buben, der auf der Plaza de Armas seiner Heimatstadt Lima eine Bande Jugendlicher um sich schart und für sie singt. Vor allem natürlich für die muchachas!

Alles, was zuvor an seinem Vortrag nur schön, angelernt gewirkt hatte, war nun ganz natürlich da. Eine wunderbare, die Heiterkeit eines Frühlingsabends verbreitende Stimme. Und alle hörten gebannt zu. „Granada“ als Zugabe mit dem Orchester musste dann auch noch sein. Der lange Abend entließ nur fröhliche Menschen in die Nacht.

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