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Der Wunderheiler

Immer wieder nimmt er Abschied. Immer wieder kehrt er zurück und breitet vor dem Publikum seine Schätze aus.
Wenn er seine „Lucille“ in den Händen hält, beginnt er zu träumen: B. B. King in Frankfurt.	Foto: Sven-Sebastian Sajak Wenn er seine „Lucille“ in den Händen hält, beginnt er zu träumen: B. B. King in Frankfurt. Foto: Sven-Sebastian Sajak
Frankfurt. 

Melancholie, Schmerz und Leid – im Blues lösen sich innere Konflikte und verdrängte Emotionen wie Wut, Zorn, Angst oder Aggression wie durch Zauberhand. Eine Katharsis, die aufgeht im Sog von drei dynamischen Akkorden, hypnotischem Rhythmus und kraftvoller Stimme, die "unzüchtige" Zweideutigkeiten wie "Rock Me Baby, Rock Me All Night Long" von sich gibt.

Seit mehr als 100 Jahren wirkt die magische Medizin, die von der Musikwissenschaft längst als Wegbereiter für Pop und Rock entschlüsselt wurde. Als einer der letzten großen Wunderheiler mit Wurzeln im originalen Blues-Fundament fungiert der 86 Jahre alte B. B. King. Seit 2005 begibt sich der gehbehinderte, gebrechliche Virtuose jedes Jahr auf Abschiedstournee, um dann 12 Monate später doch zu relativieren: "Same procedure as last year." Schließlich gibt es für einen seit den späten vierziger Jahren unermüdlich auf Achse befindlichen Pionier nichts Schlimmeres als Stillstand.

Magische Momente

Bevor B. B. King unübertreffliche Schätze wie "Rock Me Baby" oder "Key To The Highway" mit fabelhaftem achtköpfigem Ensemble im Rücken auspackt und noch immer so kraftvoll intoniert, als zähle er selbst noch zum Künstlernachwuchs, wird das zum Teil von weit her angereiste Publikum in der nur spärlich gefüllten Frankfurter Festhalle erst einmal auf eine harte Geduldsprobe gestellt. "Robert Randolph & The Family Band" und "Kenny Wayne Shepherd Band" bestreiten langatmig das Vorprogramm. Als B. B. King schließlich von seiner Entourage auf die Bühne geführt wird, im Sessel Platz nimmt und sich seine legendäre Gitarrensonderanfertigung von Gibson namens "Lucille" umschnallt, zündet die Magie unmittelbar: "I Need You So", quengelt Riley B. King, wie der bürgerliche Name des Veteranen lautet, unnachahmlich und lässt sein hohes Alter in Sekundenbruchteilen vergessen.

Seinen Initialen B. B., die er als Sänger und Diskjockey der lokalen Radiostation WDIA in Memphis einst von Kollegen verliehen bekam und die schlicht "Blues Boy" bedeuten, erweist King in rund 70 Minuten alle Ehre: Jeder Akkordgriff, jedes Solo, zu dem er ansetzt, sitzt – und auch die Stimme ist noch immer gut in Schuss. Jahrzehntelange Routine paart sich mit der Spontaneität des Augenblicks, wenn das im golddurchwirkten Sakko gekleidete Vorbild britischer Adepten wie Eric Clapton oder Peter Green in "See That My Grave Is Kept Clean" sich Sorgen macht, wenn seine Zeit irgendwann gekommen ist. "The Thrill Is Gone" beklagt eine erloschene Liebe – doch im Vorreiter von einst brodelt es wie im Innern eines Vulkans kurz vor Ausbruch. Mit der Verliebtheit eines Pennälers serviert er "When Love Comes To Town".

Für die letzten 15 Minuten auf der Bühne verstummt "Lucille" – dafür schreibt B. B. King geduldig Autogramme, verteilt Gitarrenplektren und genießt die Verehrung, die er entgegengebracht bekommt.

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