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„Der Zuschauer ist das Wichtigste im Theater“

In einem leeren Fachwerkhaus des nordhessischen Ortes arrangiert der Bühnenmann eine seltene Begegnung mit acht verschiedenen Schauspielern.
Regisseur Bernhard Mikeska auf dem Dachboden des „Hauses“. Bilder > Regisseur Bernhard Mikeska auf dem Dachboden des „Hauses“.

Ein Theaterstück für nur einen Zuschauer hat am 2. August Uraufführung im nordhessischen Spangenberg (Voraufführung 1. August). In dem Werk geht ein Zuschauer einzeln von Raum zu Raum und trifft dort auf je einen Schauspieler. Regisseur Bernhard Mikeska wurde 1971 in München geboren und ist Physiker mit Doktortitel. Nach Regieassistenzen am Deutschen Schauspielhaus Hamburg ist er seit dem Jahr 2000 freischaffend, mit Wohnsitzen in Frankfurt und Berlin. Timo Lindemann sprach mit dem 43-Jährigen.

Herr Mikeska, ein Theaterstück für einen Zuschauer – wie kommt man darauf?

BERNHARD MIKESKA: Seit Beginn meiner Arbeit am Theater interessiert es mich, Zuschauer in andere als die konventionelle Perspektive zu versetzen, sie in eine eigene Welt eintauchen zu lassen. In den Eins-zu-eins-Abenden zum Beispiel bewegt man sich wie durch einen Live-Film. Der Zuschauer ist für die Figur jemand aus dem Kosmos dieser Figur. Zum Beispiel rückt er in der Begegnung mit der Mutter eines Bräutigams in die Rolle der künftigen Schwiegertochter. Man muss dabei nicht mitspielen. Im Blick des Gegenübers wird der Zuschauer dennoch jemand anderes und Teil der Szene.

Warum darf es nur jeweils ein Zuschauer sehen?

MIKESKA: Wenn ein Schauspieler sich an einen Zuschauer wendet, so würde jeder weitere Zuschauer im Raum wie von außen auf diese Zweierszene blicken. Er wäre sofort in der konventionellen Zuschauersituation. Die Zuschauer werden durch die Eins-zu-eins-Situation sehr auf sich zurückgeworfen. Es stellt sich die Frage: Wie verhalte ich mich? Man achtet deshalb sehr genau auf seine Impulse. Darin ist diese Arbeit durchaus politisch, weil sie dem Einzelnen geradezu physisch bewusst macht, dass er sich entscheiden kann. Zuschauer und Spieler befinden sich zudem in einem geschützten Raum, niemand erfährt, was sich zwischen beiden abgespielt hat. Diesen geschützten, intimen Raum zu erhalten, ist mir wichtig, und das ist das Besondere daran.

Reich werden Sie aber von den Eintrittsgeldern nicht, oder?

MIKESKA: Reich wird man im Theater in den seltensten Fällen. Die Produktion wird gefördert durch den Sonderfonds „Theater im öffentlichen Raum“. Trotzdem reicht es an allen Ecken und Enden nicht. Wir sind darum glücklich über die Unterstützung durch Nachbarn und Sponsoren.

Wie ist das Stück aufgebaut, und worum geht es?

MIKASKA: Alle 12 Minuten startet ein Zuschauer alleine in einen Parcours, der ihn in 4 verschiedene Räume eines beinahe 300 Jahre alten Fachwerkhauses führt und darin 4 verschiedene Begegnungen erleben lässt. Während ich sonst alleine inszeniere, habe ich für „Das Haus“ zwei Regisseurinnen eingeladen, Christina Rast und Yana Thönnes. Wir inszenieren die einzelnen Räume des Hauses, jeder in seiner eigenen Handschrift, aber doch in engem Austausch.

Warum ausgerechnet in Spangenberg?

MIKASKA: Die Idee entstand während der „Documenta 2012“ in Kassel. Von dort ist es nicht weit nach Spangenberg. In der Begegnung mit dem verwinkelten Haus entstand die Idee für das Projekt. Wie viele meiner letzten Produktionen wird auch dieser Abend exklusiv für den Ort, für das Haus entwickelt. Es kann anderswo so nicht gezeigt werden. Man müsste das Haus ja sonst mitnehmen. Das Stück ist sozusagen einmalig.

„Das Haus“, Mittelgasse 14, Spangenberg. 1. bis 10. August, 18–20.30 Uhr, alle 12 Minuten für einen Zuschauer. Karten zu 14 Euro unter Telefon (0171) 93 76 332. Internet www.dashaus-mittelgasse14.de

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