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Der beste Rockgitarrist, den die Welt je erlebt hat

Der 1970 Gestorbene grüßt aus dem Jenseits und kann von dort mit Genugtuung dabei zuschauen, wie seine rockmusikalischen Nachfahren sein Erbe wahren.
Er küsste und er schlug sie: Jimi Hendrix mit seiner Geliebten, der elektrischen Gitarre, bei einem Auftritt mit seiner Band „Jimi Hendrix Experience“ in Großbritannien. Foto: UPI (dpa) Er küsste und er schlug sie: Jimi Hendrix mit seiner Geliebten, der elektrischen Gitarre, bei einem Auftritt mit seiner Band „Jimi Hendrix Experience“ in Großbritannien.

Sein Körper ist längst Staub und seine Seele im Himmel des Rock ’n’ Roll, aber von keinem verstorbenen Musiker werden so viele Platten veröffentlicht wie von Jimi Hendrix. Gerade haben Sony Music und das Familienunternehmen Experience Hendrix L.L.C. ihre gemeinsame Auswertung des musikalischen Gedenkens verlängert. Jüngst ist das Album „Jimi Hendrix Machine Gun: The Fillmore East First Show 12/31/69“ erschienen. Weitere unveröffentlichte bzw. neu entdeckte Musik- und Filmaufnahmen aus seiner kreativen Schaffensphase von 1966 bis 1970 sollen folgen. Die Nachfrage kommt nicht von ungefähr, denn Jimi Hendrix’ Kombination aus verzerrten Riffs, Rückkopplungen und tief empfundenem Blues beeinflusst auch heute noch Legionen von Newcomern. Dabei wollte er eigentlich immer nur Musiker sein, niemals Vorbild und schon gar nicht der teuerste Solointerpret der Rockmusik.

Geboren wurde James Marshall „Jimi“ Hendrix heute vor 75 Jahren, am 27. November 1942 in Seattle als Sohn des Ehepaars Al Hendrix und Lucille Jeter sowie als Enkel einer Indianerin vom Stamm der Cherokee. „Als ich klein war, musste Jimi immer auf mich aufpassen“, erinnert Leon Hendrix sich an seinen sechs Jahre älteren Bruder. „Mom und Dad kamen manchmal tagelang nicht nach Hause. Damit es ihm nicht langweilig wurde, fing Jimi an, Chuck Berry, Elvis Presley, Robert Johnson und Muddy Waters zu imitieren.“

Gitarre gebastelt

1954 kauft er sich für fünf Dollar seine erste Klampfe, seine erste elektrische Gitarre ist Jahre später das Ergebnis einer Bastelarbeit. Er klebt einen billigen Tonabnehmer an eine alte Fox-Gitarre, die er dann über die Wohnzimmeranlage spielt. „Was gab das für Rückkopplungen!“, erzählt Leon Hendrix lachend. Der Vater ist Gärtner und will, dass auch seine Söhne diesen Beruf ergreifen. Doch für Jimi Hendrix gibt es nur den einen Weg zum Glück. Nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Army im Sommer 1962 widmet er sich dem Studium von Blues, Rhythm & Blues und Country. Der ehemalige Elitesoldat entwickelt nicht nur ein Faible für dekorierte Uniformjacken, sondern auch eine völlig neue Spieltechnik mit Elementen aus dem Jazz und Klangverfremdungen durch Verzerrer und Wah-Wah-Pedal. Diese präsentiert der Hippie in den Kneipen von Louisiana und Mississippi. Dank seines Talents steigt er auf zum Mietmusiker damaliger Größen wie Sam Cooke, Ike Turner und Little Richard.

Der Auftritt der Jimi Hendrix Experience am 18. Oktober 1966 im Pariser Olympia ist wie ein Donnerhall. Das Trio mit Mitch Mitchell am Schlagzeug und Noel Redding am Bass spielt den aufregendsten und schwersten Rock seiner Zeit. Deutschland besuchen die Paradiesvögel erstmals am 15. Mai 1967, als sie den Berliner Club „Neue Welt“ mit den Songs ihres fulminanten Debütalbums „Are You Experienced“ in Grund und Boden rocken. Sein zerhacktes „Star Sprangled Banner“, die Hymne der Anti-Vietnam-Kriegsbewegung, spielt Jimi Hendrix anschließend auch auf St. Pauli. Nach seinem Auftritt am 17. März 1967 im Starclub fliegt er wegen Ruhestörung aus einem Motel in der Lincolnstraße raus.

Einen Monat später sorgt er beim Monterey Pop Festival in Kalifornien für einen Tumult, indem er seine Fender Stratocaster äußerst effektvoll in Flammen setzt. Der Karriere entscheidende Gig ist auf Drängen von Paul McCartney zustande gekommen. Seine rastlose Suche nach neuen Klängen gipfelt im Herbst 1968 in dem epochalen Doppelalbum „Electric Ladyland“. Darin setzt er trotz gesundheitlicher Probleme seine Vision von „Earth Space Music“ und kosmischem Blues kompromisslos um.

Gitarre angezündet

Der Linkshänder mit den schnellen Fingern und schneidenden Riffs lädt zahlreiche Gäste ins Studio, darunter die Keyboarder Steve Windwood und Al Kooper sowie den Schlagzeuger Buddy Miles. Für Aufsehen sorgt nicht nur die Musik mit ihrer exzessiven Kraft, sondern auch das Cover. Darauf tummeln sich unbekleidete Schönheiten. Die gezielte Provokation erfüllt ihren Zweck. Der Vietnamkrieg ist Ende der 60er Jahre zu einem Trauma der Amerikaner geworden, und für die Jugend ist Rockmusik zunehmend das Ventil ihrer Wut.

Am 17. Januar 1969 tritt Hendrix in der Frankfurter Jahrhunderthalle auf. Es soll ein vergleichsweise undamatisches Ereignis gewesen sein. Ältere Frankfurter Musikkritiker erzählen sich bis heute, Jimi sei während seines Aufenthalts von Fritz Rau nach Stierstadt eingeladen worden, in dessen Bungalow. Dort sei dem Gast Schweinebraten serviert worden, und er habe als Dankeschön dem Sohn des Hausherrn ein paar Gitarrengriffe gezeigt. Rau selbst schildert in seinen Erinnerungen „Backstage“, dass sich der Wellensittlich der Familie in den Haaren des hohen Besuchs verfangen habe. Hendrix sei aber überhaupt nicht verärgert gewesen und habe jegliche Hilfeleistung abgelehnt: „Lassen Sie ihn nur, vielleicht mag er auch den Blues“.

Ein weiterer Höhepunkt von Jimi Hendrix’ Schaffen war sein Konzert beim Woodstock-Festival am 18. August 1969 mit dem Quintett „Gypsy Sons & Rainbows“. Vor 500 000 Zuschauern zerfetzt Jimi die amerikanische Nationalhymne fulminant mit ohrenbetäubenden Rückkopplungen. Ein Abgesang auf den American Way Of Life – bis heute unübertroffen.

Gitarre bestattet

Die weltweiten Konzertreisen und endlosen Studioaufenthalte kompensiert der sensible Künstler mit Tabletten und Drogen. Das letzte von ihm persönlich betreute Studioalbum steht unter keinem guten Stern. Während der Aufnahmen zu „The Cry Of Love“ im Winter 1969/70 laufen diverse Urheberrechts- und Drogenprozesse gegen ihn. Der Absturz ist nicht mehr weit.

Die Nacht vom 17. auf den 18. September 1970 verbringt Hendrix dann in einem Apartment im Londoner Samarkand-Hotel. Er trinkt zu viel Wein, raucht Joints, schluckt Amphetamine und Schlaftabletten. Er streitet sich mit seiner deutschen Lebensgefährtin Monika Dannemann. Und er schreibt ein letztes Gedicht: „The Story Of My Life“. Am nächsten Morgen findet Dannemann ihn leblos neben sich auf. .

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