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Wolfgang David: Der neue Direktor des Archäologischen Museums über seine Zukunftspläne

Von Seit Jahresbeginn leitet Wolfgang David das Frankfurter Archäologische Museum. Er hat viel vor: Die Dauerausstellung will er anders gestalten, und die Cafeteria braucht ein neues Konzept. Die nächste Wechselausstellung beschäftigt sich mit Georgien.
Das drehbare Kultbild aus dem Mithräum von Nida hat es Wolfgang David, dem neuen Direktor des Archäologischen Museums in Frankfurt, besonders angetan. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Das drehbare Kultbild aus dem Mithräum von Nida hat es Wolfgang David, dem neuen Direktor des Archäologischen Museums in Frankfurt, besonders angetan.

Wenn Wolfgang David von seinem Büro auf die Karmeliterkirche blickt, ist er fasziniert: „Die Fassade braucht einen neuen Anstrich, doch dafür können wir bei der Sanierung und Neueinrichtung der Dauerausstellung auch die Klosterarchitektur besser herausstellen“, ist er überzeugt. Von den Jupiter-Gigantensäulen lässt er sich ebenso inspirieren wie von den Mithräen und der altpersischen Keramik im Seitentrakt des Neubaus: „Schon die antike Römerstadt Nida war ein zentraler Schmelztiegel einheimisch keltischer, römischer und orientalischer Kultur, die hinter dem antiken Mainz, Trier oder Köln nicht zurückstehen muss.“

Sichtbare Hinweisschilder

Der gebürtige Kasseler, der den Aufbau der Frankfurter Museumslandschaft immer als Herausforderung gesehen und sich unter zahlreichen Mitbewerbern durchgesetzt hat, weiß, wovon er spricht, denn er forscht über die Kelten und die Bronzezeit in den Karpaten, legt aber auch Wert auf den überregionalen Blick unter anderem in den südosteuropäischen und vorderasiatischen Raum. Doch zunächst hat der ehemalige Direktor des Kelten-Römer-Museums, der seit Jahresbeginn im Amt ist, noch ein anderes dringendes Anliegen: „Wir bräuchten auf dem Römerberg tatsächlich ein gut sichtbares Hinweisschild mit Kelten und Römern, dass externen Besuchern den Weg zu unserem Museum weist“, stellt er fest.

Oft wurde die Befürchtung geäußert, das größere und am Römerberg prominenter gelegene Historische Museum könne nach seiner Neueröffnung dem Archäologischen Museum den Rang ablaufen. Doch von Konkurrenz will David nichts wissen: „Wenn wir kollegial zusammenarbeiten und jeder seine Stärken und Schwerpunkte für die Besucher transparent herausstellt, profitieren wir alle davon“, ist er überzeugt. Erste Gespräche mit Direktor Jan Gerchow und der Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte Evelyn Brockhoff habe er schon geführt. Und auch zur antiken Kunst im Liebieghaus gebe es Berührungspunkte.

Goldschätze Georgiens

Derweil ist das eigentliche Großprojekt in Vorbereitung: die Grundsanierung der Haustechnik im Archäologischen Museum, wovon das Kulturdezernat insgesamt 4,7 Millionen Euro bereitstellt – unter anderem für Brandschutz, für neue elektrische Leitungen und für die Klimatechnik. Sein Büro werde derzeit nur mit viel Heizaufwand warm, verdeutlicht David die Situation. „Der Beginn der Arbeiten hängt auch davon ab, ob und wann wir die Sanierung möglichst ohne eine längere Schließung des Museums durchführen können“, erklärt der Direktor weiter.

Denn neben der Eröffnung des Archäologischen Gartens im Spätsommer sind auch die nächsten Wechselausstellungen schon in Vorbereitung: Vom 6. Oktober bis 10. Februar 2019 zeigt das Museum, passend zum Gastland der Buchmesse, die Ausstellung „Gold & Wein, Georgiens älteste Schätze“. Sie gibt Einblicke in das älteste untersuchte Goldbergwerk der Welt in Sakdrisi sowie in einen erst 2012 ausgegrabenen Bronzezeithügel in Anauri. Und im nächsten Jahr ist eine Ausstellung über die Archäologie der iranischen Salzwüsten geplant. Doch David hat auch einige Ideen, die die Raumaufteilung für die Dauerausstellung, die Museumspädagogik und die Cafeteria betreffen.

„Wer das Archäologische Museum betritt, sollte durch eine Cafeteria mit frischem Kaffee und Kuchen empfangen werden, wie das in anderen Museen inzwischen auch üblich ist“, findet Walter. Dafür könnte in der jetzigen hinteren Cafeteria, in der bislang nur zwei Automaten für Kaffee und Süßigkeiten zur Verfügung stehen, die museumspädagogische Abteilung untergebracht werden, die kontinuierlich in Richtung Inklusion weiterentwickelt werden müsse.

„Wir haben in Frankfurt eine große iranische Gemeinde und eine iranische Abteilung mit einigen Vitrinen und Keramiken, die kaum zur Geltung kommt“, so David. Entweder müssten diese Exponate dort mit erklärenden Texttafeln und Videofilmen erklärt oder auch gleich in die Dauerausstellung mit den Funden aus Nida integriert werden. „Das passt ja, da der orientalisch-iranische Raum in Nida mit der Gottheit Mithras und dem Jupiter Dolichenus vertreten ist.“

Zeitgemäßes Marketing

Doch die Exponate einer chronologischen Ausstellung müssten sich keineswegs auf die Antike beschränken, denn David ist auch ein ausgewiesener Archäologe des 20. Jahrhunderts, der zu Ausgrabungen im ehemaligen Konzentrationslager Dachau geforscht hat. „In Frankfurt bieten die Zerstörungen in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs bestimmt ein interessantes Themenfeld“, ist er überzeugt.

Doch selbst die spannendste Idee vor Ort will medial beworben werden: Deshalb setzt der neue Leiter mehr als seine Vorgänger auf modernes Marketing, eine zeitgemäße Präsenz in Sozialen Medien wie Facebook verstehe sich von selbst. Aber wie das Kelten-Römer-Museum möchte David auch das Archäologische Museum in das Magazin „DB Mobil“ bringen. Zudem sind virtuelle Spaziergänge durch das Museum oder das archäologische Frankfurt durchaus denkbar. „Die sollen aber nur Appetit machen“, betont David abschließend. „Appetit auf unsere analogen Exponate und Ausstellungen im Haus.“

Archäologisches Museum

Karmelitergasse 1, Frankfurt.
Geöffnet Di–So 10 bis 18 Uhr,
Mi 10 bis 20 Uhr. Eintritt 7 Euro. Telefon (069) 21 23 58 96. Internet www.archaeologisches-museum.
frankfurt.de

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