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Deutschland hat verloren

Von Die australische Regisseurin Cate Shortland erzählt in dem Flüchtlingsfilm "Lore" eine Geschichte aus den ersten Tagen nach Ende des Zweiten Weltkrieges.
Lore (Saskia Rosendahl) muss sich und ihre jüngeren Geschwister sicher nach Norddeutschland bringen, wo die Großmutter wohnt.	Foto: Adam Arkapaw Lore (Saskia Rosendahl) muss sich und ihre jüngeren Geschwister sicher nach Norddeutschland bringen, wo die Großmutter wohnt. Foto: Adam Arkapaw

Der Krieg ist aus, "der Führer ist tot", innerhalb von wenigen Stunden muss die deutsche Familie die wichtigste Habe zusammenpacken und ihr Haus verlassen. Vater und Mutter sind überzeugte Nationalsozialisten in höherer Stellung, sie müssen die Verhaftung durch die Befreier fürchten, und so bringen sie ihre fünf Kinder in Sicherheit, bevor sie sich den amerikanischen Truppen stellen. Der ältesten Tochter Lore (Saskia Rosendahl) obliegt es nun, die jüngeren Geschwister, darunter ein Säugling, aus dem Versteck im Schwarzwald an die Nordseeküste zu schleusen, zu "Omi" (Eva-Maria Hagen), die ein Haus im Watt hat.

Dass die australische Regisseurin Cate Shortland ("Somersault") zu dieser Geschichte (nach einem Roman von Rachel Seiffert) überhaupt einen inneren Zugang fand, liegt wohl an ihrem jüdischen Ehemann deutscher Herkunft. Obwohl der Film eine durchlaufende Handlung zeigt, ist er aus Momentaufnahmen der Flucht durch die Besatzungszone zusammengesetzt. Die dramaturgische Schroffheit, die daraus ersteht, könnte noch dazu dienen, einer allzu gefälligen Inszenierung bei diesem ernsten Thema vorzubeugen. Störender wirkt manche Unerklärtheit (ist die gefühlsstarre Mutter seelisch krank?) sowie manche Ungereimtheit in der stockenden Erzählweise. Die Suche nach dem richtigen Weg sowie Hunger, Kälte, Obdachlosigkeit und die Gefahr, von kontrollierenden US-Soldaten erwischt zu werden, bereiten den Kindern große Schwierigkeiten und setzen sie tödlichen Gefahren aus. Dennoch vermitteln sie in ihrer propperen Aufmachung mitunter den Eindruck, sich lediglich bei einem Sonntagsspaziergang verlaufen zu haben.

Sehr verrätselt bleibt auch die Annäherung zwischen Lore und dem jungen Mann, der ihr unterwegs mit seinem jüdischen Pass ("Amerikaner lieben Juden") durch die Sperren hilft und immer wieder Lebensmittel für sie zusammenstiehlt. Bisher hatte das Mädchen nur gelernt, dass Juden "Untermenschen" seien. Ist sie nun fasziniert? Oder gar verliebt? Erst gegen Ende der Flucht gewinnen die Ereignisse an leicht nachvollziehbarer Dramatik.

Bis dahin wenigstens hat sich das Gesicht von Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl schon ebenso eingeprägt wie die erlesen schönen Bilder von sehr deutschen Landschaften, sehr deutschen Mädchen mit Blümchenkleidern und Flechtfrisuren sowie sehr deutschen Jungen mit geraden Scheiteln und Hosenträgern. Dass der achtungsvolle filmische Blick völlig unverdächtig auf dieses Deutschtum fällt, leitet sich schon aus der Nationalität der Regisseurin und ihres hervorragenden Kameramannes Adam Arkapaw her. Annehmbar

Frankfurt: Harmonie

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