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Die Begierde erwacht

Von Colin Farrell, Nicole Kidman und Kirsten Dunst sind die Hauptdarsteller der Geschehnisse im Virginia des amerikanischen Bürgerkriegs.
Begierde hinter hochgeschlossenen Kleidern: Nicole Kidman (kniend) als Direktorin und Kirsten Dunst (re. daneben) als Lehrerin spüren, wie sich sexuelle Sehnsucht regt. Foto: Ben Rothstein (Focus Features/Universal Picture) Begierde hinter hochgeschlossenen Kleidern: Nicole Kidman (kniend) als Direktorin und Kirsten Dunst (re. daneben) als Lehrerin spüren, wie sich sexuelle Sehnsucht regt.

Das Mädchen wird in den Wald geschickt, um Pilze zu sammeln, und bringt stattdessen einen schwer verletzten Soldaten der Unionisten mit nach Hause. Im Virginia des Jahres 1864 tobt der amerikanische Bürgerkrieg, und es ist kein Ende in Sicht. Von einem hohen Gitter und einem verwilderten Garten umgeben steht das Mädcheninternat in den Südstaaten. Mit Strenge leitet Martha Farnsworth (Nicole Kidman) das Haus, aber durch den gegnerischen Soldaten, der im Musikzimmer einquartiert wird, gerät das weibliche Gemeinschaftsgefüge aus dem Gleichgewicht.

Wenn Martha den Bewusstlosen mit einem kleinen Waschlappen wäscht, wird deutlich, dass hier nicht nur krankenschwesterliche Pflichten erfüllt werden, sondern auch sexuelles Begehren erwacht. Das gilt nicht nur für die Direktorin, sondern auch für die zugeknöpfte Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) und die Schülerinnen verschiedenen Alters, in denen der Verletzte auf unterschiedliche Weise Liebesbedürftigkeit erregt.

Dem Krieg entkommen

Als Corporal John McBurney (Colin Farrell) wieder zu Bewusstsein kommt, kann er sein Glück kaum fassen. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als dem Krieg zu entkommen und sieht hier seine Chance. Mit romantisch-strategischem Geschick baut er seine Wirkung auf die Frauen aus. Als seine Wunde verheilt ist, ringt sich Martha dennoch dazu durch, dem Gast die Abreise nahezulegen. Ein Abschieds-Dinner wird angerichtet, und im Rausch von Alkohol und Hormonen werden Gefühlsschranken durchbrochen. Mit ihrer ganz eigenen entspannten Intensität erzählt Sofia Coppola („Lost in Translation“) diese Geschichte aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, in der es nicht um große Historie, sondern um die Wechselverhältnisse zwischen Begehren und Macht geht. „Die Verführten“ beruht auf dem Roman von Thomas Cullinan (1966) und wurde bereits 1971 von Don Siegel mit dem jungen Clint Eastwood in der Rolle des verletzten Soldaten verfilmt.

War Eastwoods Figur schnell als manipulativer Bösewicht identifiziert, sind in Coppolas Neufassung die Gewichte weniger klar verteilt. Colin Farrells Corporal McBurney strahlt eine braunäugige Vertrauenswürdigkeit und warmherzige erotische Anziehungskraft aus, die auch ihre Wirkung auf den Kinobesucher nicht verfehlt. Die Kamera zeigt den Körper des Mannes stets als sinnliches Objekt der Begierde. Dem gegenüber steht die Sittenstrenge im Mädcheninternat, die mit zunehmender Vergeblichkeit die Sehnsüchte in Zaum zu halten versucht. Kirsten Dunst, die mit Coppola schon „Virgin Suicides“ und „Marie Antoinette“ drehte, spielt das sexuelle Erwachen der verkniffenen Lehrerin, für welche die Liebe zu dem Soldaten die Hoffnung auf ein neues Leben eröffnet, mit feinen Nuancen jenseits aller Alte-Jungfern-Klischees. Aber nicht nur das weibliche Begehren, auch die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern bleiben in Coppolas Film in Bewegung.

Als Verletzter ist der feindliche Soldat den Frauen zunächst wehrlos ausgesetzt und erarbeitet sich nur langsam seine männliche Machtposition zurück, die dann aber in den sich überstürzenden Ereignissen wieder zusammenbricht und nur mit Gewalt erneut besetzt werden kann. Sind die ersten beiden Drittel des Filmes von einer schwelenden Spannung durchzogen, wird die Handlung im letzten Teil wie durch ein unkontrollierbares Erdbeben vorangetrieben. Aber auch hier verliert sich Coppola nicht in hektischer Plotmechanik, sondern bleibt in ihrer unnachahmlichen Weise stets fokussiert, erzählt Vieles über Bande mit einer traumsicheren Bildgestaltung, die das Geschehen immer wieder in Beziehung zur umgebenden Natur setzt. Herausragend

In folgenden Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OF), Eldorado

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