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Zum Tod des Kameramanns Michael Ballhaus: Die Bilder aus dem Kopf ins Kino bringen

Mit seiner 360 Grad-Kameradrehung wurde Michael Ballhaus zum maßgeblichen Kameramann. Jetzt ist er 81-jährig in Berlin gestorben – nahezu erblindet.
Michael Ballhaus im Jahr 2001 neben einer 35-mm-Filmkamera. Foto: Bernd Settnik (dpa-Zentralbild) Michael Ballhaus im Jahr 2001 neben einer 35-mm-Filmkamera.

Unter Berufung auf die Familie gab das Verlagshaus Random House bekannt, Michael Ballhaus sei in der Nacht vom 11. auf den 12. April nach kurzer Krankheit im Alter von 81 Jahren friedlich in seiner Berliner Wohnung gestorben.

Es war ein berührender Augenblick im Februar 2016, als Ballhaus, einer der berühmtesten Kamerakünstler der Welt, mit Tränen in den Augen auf der Bühne stand und leise sagte: „Ich bin ja nur ein Kameramann. Und außerdem habe ich furchtbare Angst, vor Leuten zu reden.“ Die Berlinale hatte dem Gestalter zahlreicher Meisterwerke gerade den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk überreicht. Fast erblindet wegen des Grünen Stars war Ballhaus damals schon Doch ihm blieben „die Bilder in seinem Kopf“, wie er einmal „traurig, aber nicht bitter“ sagte.

Hollywoods Spitzenmann

Mit seiner 360-Grad-Kamerafahrt hat Ballhaus Filmgeschichte gemacht. in Hollywood gehörte zu den ganz wenigen Deutschen, die in der Spitzenliga spielten. Drei Mal wurde er für einen Oscar nominiert. Hollywood-Regisseur Mike Nichols, mit dem er einst „Die Waffen der Frauen“ drehte, sagte einmal: „Mit Michael zu arbeiten ist, als wäre man im Himmel – nur dass man dafür vorher nicht sterben muss.“ Insgesamt 25 Jahre lang arbeitete Ballhaus in den USA mit den wichtigsten Regisseuren zusammen – neben Nichols etwa mit Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro.

„Good Fellas“ mit Robert De Niro (links) und Ray Liotta war einer der großen Mafia-Filme, die Ballhaus mit Martin Scorsese drehte. Bild-Zoom Foto: Tele_5 (Tele_5)
„Good Fellas“ mit Robert De Niro (links) und Ray Liotta war einer der großen Mafia-Filme, die Ballhaus mit Martin Scorsese drehte.

Allein sieben Filme entstanden aus der beispiellosen künstlerischen Beziehung mit Martin Scorsese. Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film „After Hours“ (1985) über „Good Fellas“ bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk „Departed“ (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitete. „Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht“, sagte Ballhaus einmal. Scorseses Mafia-Film „Gangs of New York“ trug Ballhaus 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein, nach James L. Brooks’ Komödie „Nachrichtenfieber“ (1987) und Steven Kloves’ Nachtclubfilm „Die fabelhaften Baker Boys“ (1989). Wie dort Michelle Pfeiffer im roten Glitzerkleid lasziv auf einem schwarzen Flügel liegt, während die Kamera sie in einem einzigen Bogen umfährt – das machte als „Ballhaus-Kreisel“ Furore.

Berlin und New York

Gespürt hat Ballhaus die Liebe zum bewegten Bild schon als 18-Jähriger. 1935 in Berlin geboren und in der Theaterkommune seiner Schauspieler-Eltern im fränkischen Coburg aufgewachsen, hatte er damals Max Ophüls beim Dreh für „Lola Montez“ zuschauen dürfen. Ihn faszinierte besonders die „schwebende und kreisende Kamera, das magische Licht“. Nach einem beruflichen Start beim SWF-Fernsehen in Baden-Baden lernte er bald den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen. Mit dem ebenso begnadeten wie exzentrischen Regisseur stieg er in den 70er Jahren zum künstlerischen Duo des Neuen Deutschen Films auf. Fünfzehn Filme machten die beiden zusammen, darunter Meisterwerke wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) und „Die Ehe der Maria Braun“ (1979). Bei der Romanverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ kam es dann 1980 zum Bruch – Ballhaus und seine damalige Frau Helga hielten es mit dem „Koks-Monster“ nicht mehr aus, wie Ballhaus in seinen Memoiren schreibt. Als seine Frau, Mutter der beiden Söhne, 2006 nach fast 50 Jahren Ehe völlig unerwartet innerhalb von fünf Stunden an Krebs starb, kehrte Ballhaus ins heimatliche Berlin zurück. Seine Frau lässt er hier begraben. Zuletzt war er in zweiter Ehe mit der Regisseurin Sherry Hormann verheiratet. Für deren Kinofilm „3096 Tage“ trat Ballhaus ein letztes Mal hinter die Kamera.

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