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Kino-Kritik "Deepwater Horizon": Die Bohrinsel geht unter

Von Peter Berg hat "Deepwater Horizon" mit Mark Wahlberg und Kurt Russell als jenen Helden inszeniert, die vor den Sicherheitsmängeln gewarnt haben.
Caleb Holloway (Dylan O’Brien, links) und Mike Williams (Mark Wahlberg) ahnen nichts Gutes, als sie die Bohrinsel Deepwater Horizon prüfend betrachten. Wie sehr sie mit ihren Befürchtungen recht haben, wird sich erst noch zeigen. Foto: David Lee Caleb Holloway (Dylan O’Brien, links) und Mike Williams (Mark Wahlberg) ahnen nichts Gutes, als sie die Bohrinsel Deepwater Horizon prüfend betrachten. Wie sehr sie mit ihren Befürchtungen recht haben, wird sich erst noch zeigen.

Man gebe Regisseur Peter Berg eine wahre Geschichte, und er wird daraus ein bildgewaltiges Helden-Epos fertigen – angefüllt mit bisweilen kitschigem Pathos, aber mitreißend. So war es bei „Lone Survivor“, dem Überlebenskampf einer US-Spezialeinheit in Afghanistan, und so ist es wieder bei „Deepwater Horizon“. Erneut hat Mark Wahlberg die Hauptrolle übernommen und spielt, was er am besten kann: einen amerikanischen Durchschnittsmann, der in der Stunde der Not über sich hinauswächst.

Die Tragödie „Deepwater Horizon“ schildert die größte Öl-Katastrophe in der Geschichte der USA. Am 20. April 2010 explodierte eine Bohrplattform der Firma BP vor der Küste Louisianas im Golf von Mexiko. Ganz zu schweigen von der Umweltverseuchung, welche die Ströme von Öl und Dreck in der Meereslandschaft und an der Küste verursachten, kamen elf Menschen in der Feuerhölle ums Leben. Ihren Todeskampf zeigt Peter Berg auf ebenso spannende wie berührende Weise, obgleich die US-Flagge dabei ein wenig zu oft ins Bild gesetzt wird.

Trotz heldenhaft-nationalistischer Elemente ist „Deepwater Horizon“ kein Popcorn-Vergnügen, das seinen Zuschauer am Ende der Materialschlacht mit einem guten Gefühl in den Abend entlässt. Vielmehr ist das knapp zweistündige Werk ein zu Herzen gehendes Requiem für jene zu Tode gekommen Arbeiter, die der Geldgier geopfert wurden. Der Bösewicht des Films, auf den Regisseur Berg einen anklagenden Finger richtet, heißt eindeutig BP. Der Konzern sparte seinerzeit eine Reihe von Kontrollen ein, die vor einer Ölförderung nötig sind, und löste dadurch die Ereignisse aus. Davon ahnt Chef-Elektroniker Mike Williams (Wahlberg) nichts, als er sich von Frau und Tochter verabschiedet, um zum Dienst anzutreten. Nur Mikes Chef, der erfahrene Jimmy Harrell (glaubwürdig: Kurt Russell), hat böse Vorahnungen. Er legt sich mit dem BP-Bürokraten Donald Vidrin an (schmierig: John Malkovich), der den Terminplan der Förderung unbedingt einhalten will – auch wenn Sicherheitsrisiken entstehen.

Ähnlich wie beim Untergang der „Titanic“ in dem gleichnamigen Melodram von 1997 sieht das Publikum das unausweichliche Unheil weit vor den Protagonisten nahen. Die Kamera taucht immer wieder unter die Oberfläche der Bohrplattform und nimmt Rohre ins Visier, die kurz vor dem Bersten stehen. Wenn es dann tatsächlich zum großen Knall kommt, profitiert die Inszenierung von den heutigen tricktechnischen Möglichkeiten des Kinos. Die Spezialeffekte sind erschreckend realistisch gelungen, unterstützt von einer perfekt abgemischten Tonspur. Das Kreischen der einstürzenden Stahlträger sorgt für Gänsehaut, während man förmlich die Flammenwände fühlt, von denen Mike, Jimmy und ihre Kollegen eingeschlossen werden.

Seit Wolfgang Petersens „Der Sturm“ (2000), in dem Mark Wahlberg ebenfalls mitwirkte, hat es auf der Leinwand wohl keine so überzeugende Rekonstruktion eines Unglücksfalles gegeben. So darf sich „Deepwater Horizon“ in die Ahnengalerie der großen Katastrophenfilme der 70er Jahre à la „Erdbeben“ und „Flammendes Inferno“ einreihen. Wie bei den Vorbildern steht zwar die menschliche Tragödie im Vordergrund der Erzählung, doch die Umwelt wird nicht vergessen. Mit der Aufnahme einer ölverklebten Möwe, die panisch um ihr Leben flattert, gelingt ein wirkungsvolles Sinnbild für die desaströsen Folgen gnadenloser Gewinnsucht. Sehenswert

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