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Fantastische Literatur: Die Erschaffung von Mittelerde: J. R. R. Tolkien

Mit ihm fing das Zeitalter der anspruchsvollen fantastischen Literatur an: „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ machten J. R. R. Tolkien weltberühmt.
Die englischsprachige Erstausgabe von Tolkiens Fantasy-Roman „The Hobbit“ aus dem Jahr 1937 ziert eine Inschrift auf Elbisch. Bilder > Foto: Sotheby's (Sotheby's) Die englischsprachige Erstausgabe von Tolkiens Fantasy-Roman „The Hobbit“ aus dem Jahr 1937 ziert eine Inschrift auf Elbisch.

Alles begann, als der Philologie-Professor John Ronald Reuel Tolkien in Oxford eines Tages Prüfungsunterlagen korrigierte und auf der langweiligsten Arbeit notierte: „In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit . . .“ Der Hobbit Bilbo Beutlin bestand im gleichnamigen Buch dramatische Abenteuer mit Trollen und Kobolden, ehe er den Schatz des Zwergenkönigs befreien konnte. „Wenn Sie nicht wollen, dass man sich über Sie lustig macht“, riet Tolkien Journalisten, „sagen Sie, dass Sie für Kinder schreiben“.

Ausgestorbene Dialekte

Vor 125 Jahren, am 3. Januar 1892, wurde er geboren. Seine Eltern lebten damals in Südafrika; als Tolkiens Vater starb, kehrte seine Mutter mit ihren beiden Söhnen nach England zurück. Die Landschaft rund um Birmingham prägte seine Vision von der mythischen Welt Mittelerde.

Seine Mutter brachte ihm Latein, Französisch und Deutsch bei – der Beginn einer lebenslangen Begeisterung für Sprachen. Tolkien war ein Sprachgenie, lernte Babylonisch, Finnisch, Altnordisch und rekonstruierte ausgestorbene Dialekte wie mittelalterliches Walisisch. Mit 12 verlor er seine Mutter. So war es vielleicht kein Wunder, dass er schon als Jugendlicher anfing, Elbisch, Zwergisch und die Schwarze Sprache der Orks zu erfinden. In einem seiner Briefe schrieb er: „Die Geschichten wurden eher produziert, um eine Welt für die Sprachen zu schaffen, als umgekehrt. Für mich kommen Namen zuerst, und die Geschichte folgt.“

Er war sanft, blauäugig, leicht pedantisch; der Naturfreund bevorzugte Tweed, rauchte Pfeife und fuhr ein altes Fahrrad, bis er sich von seinen Buch-Tantiemen ein Auto leisten konnte.

Noch während des Ersten Weltkriegs fing er an, „Das Silmarillion“ zu schreiben, die „Bibel“ von Mittelerde, die allerdings erst einige Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte. Die Totensümpfe, die Frodo Beutlin in „Herr der Ringe“ auf dem Weg nach Mordor durchquerte, und das Schwarze Tor von Mordor erinnern an Nordfrankreich nach der brutalen Schlacht an der Somme, bekannte Tolkien später. Eine Reise nach Interlaken inspirierte Bilbos Weg durchs Elbenland.

„Der Hobbit“ kam 1937 heraus (auf Deutsch 1957). Der Verlag war begeistert und bat Tolkien, eine Fortsetzung zu schreiben. Tolkien brauchte für den Fantasy-Schinken „Der Herr der Ringe“ 14 Jahre, denn eigentlich war das Schreiben nur ein Hobby. Er behauptete daher, er nutze das Buch lediglich als eine Übung in „linguistischer Ästhetik“, mit der er seine Theorie über Märchen illustrieren wollte. Er schrieb überall, auch in der Badewanne, wo er schließlich ein Ende für das berühmte Gedicht „Einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden . . .“ fand: „Ich erinnere mich, wie ich den Schwamm aus dem Bad kickte, als ich zur letzten Zeile kam, und alles wusste, und heraussprang.“

Kommerzialisierung

In den 60er Jahren wurde er zum Kultautor – entweder man liebte ihn oder verging vor Langeweile. Seine Bücher verkauften sich mehr als 250 Millionen Mal, in der Forbes-Liste der bestverdienenden toten Autoren steht er an fünfter Stelle.

J .R. R. Tolkien starb 1973. Seine Familie konnte sich mit dem Erfolg lange nicht anfreunden: „Tolkien ist ein Monster geworden, das von seiner eigenen Popularität verschlungen wird,“ urteilte sein Sohn Christopher in der französischen Zeitung „Le Monde“ fast 40 Jahre nach dem Tod des Vaters. „Die Kommerzialisierung hat die ästhetische und philosophische Wirkung der Schöpfung auf ein Nichts reduziert.“ Umso erstaunlicher, dass seine Familie ihr Einverständnis für einen weiteren Film gegeben hat: Warner Brothers wird Tolkiens Lebensgeschichte unter dem Titel „Middle Earth“ verfilmen. Der britische Filmemacher James Strong („Broadchurch“, „Doctor Who“) wird Regie führen. Peter Jackson, der schon die Trilogien „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ inszenierte, wird ebenfalls beteiligt sein. Wer die Titelrolle spielen soll, ist noch nicht bekannt.

Im Mai wird zudem ein neues Buch von Tolkien herauskommen, „Beren and Lúthien“, die Liebesgeschichte zwischen einem Sterblichen und einer unsterblichen Elfe, 100 Jahre, nachdem sie geschrieben wurde. Beide Namen sind auf dem gemeinsamen Grabstein von Tolkien und seiner Frau Edith eingraviert – sie waren über 50 Jahre miteinander verheiratet. Kurz nach ihrem Tod schrieb J. R. R. Tolkien in einem Brief: „Ich habe Edith niemals Lúthien genannt – aber sie war der Ursprung der Geschichte.“

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