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Ausstellung in der Frankfurter Galerie: Die Fantasie versprüht Sternennebel

Bernd Zimmers "Cosmos"-Bilder zeigen in der Frankfurter Galerie Thomas Punzmann Contemporary Ansichten eines vielgestaltigen Weltalls.
Auf Bernd Zimmers »Cosmos«-Bildern sind die Sterne unzählbar und ihre Bedeutung ist rätselhaft. Auf Bernd Zimmers »Cosmos«-Bildern sind die Sterne unzählbar und ihre Bedeutung ist rätselhaft.

„Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?“, fragt das altbekannte Abendlied. Niemand weiß es: Sind es Hunderte, vielleicht Tausende, die Bernd Zimmer für seinen „Cosmos“-Zyklus auf die Bilder regnen ließ? In den Jahren um die Jahrtausendwende hat der Künstler den Pinsel in die immergleiche gelbe Farbe getaucht und wie die Göttin Hera, Schöpferin der Milchstraße, seine Galaxien auf die Leinwände gespritzt. „Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt?“, heißt es im Liedtext weiter. „Wie es da oben wirklich aussieht, weiß doch niemand“, sagt Zimmer. „Ich male das All, wie ich es fantasiere.“

 

Romantischer Außenseiter

 

Schon in den 80er Jahren, im Kreis der Künstlerfreunde rund um den Berliner Moritzplatz, war Bernd Zimmer mit seiner Liebe zur Schöpfung ein Einzelgänger, ein romantischer Außenseiter oder „Ein Zahmer unter den Wilden“, wie die Kritikerin Barbara Catoir damals über ihn schrieb. „Wir akzeptierten uns gegenseitig“, erinnert er sich heute voller Wohlwollen. „Es war kein Problem, anders zu sein.“ Übertrumpften sich die Künstlerkollegen Fetting, Middendorf und Salomé gegenseitig mit hedonistisch anarchischen Menschenbildern, wie die derzeitige Ausstellung über die „Neuen Wilden“ im Frankfurter Städel zeigt, so hielt es Zimmer mit der Natur, strich wundersame Felder, Berge, Seen und Kühe auf die Leinwand. „Die Bilder sind von mir gestaltet, da bin ich schon mit drin. Ich muss keine Menschen zeigen“, erklärt er auch heute noch seine Ablehnung der menschlichen (Selbst-)Darstellung. Mit brachialen Pinselschlägen markierte er damals raumgreifende Landschaften. Expressiv und großflächig. Mit Idylle hatte auch diese Variante der Neuen Wilden Malerei nichts zu tun.

Geboren 1948 im oberbayerischen Planegg, hat die Kindheit im Grünen Zimmer bis heute geprägt. Als Student der Philosophie und Religionswissenschaften baute sich der „malende Rousseau-Jünger“ ein weltanschauliches Fundament. Studienreisen nach Santo Domingo und in die lybische Wüste wurden zu Schlüsselerlebnissen, das Firmament über Jahre hin zum Inhalt seiner Kunst. „Ich erwandere malend die Schöpfung, vom Grashalm zum Weltall“, erklärt er seine Malerei, die in den letzten Jahren zur Landschaft zurückkehrte.

Mit der zwischen 1998 und 2006 gemalten „Cosmos“-Serie, die bis 10. September in der Frankfurter Galerie Thomas Punzmann Contemporary zu sehen ist, greift Zimmer mit roten, blauen und gelben Himmelsbildern nach den Sternen. Hier bewirft, betropft, bespritzt der Künstler seine Leinwände mit wässriger Acrylfarbe und kippt sie drauf, um rasante Wolkenbahnen ins All zu werfen. Manchmal mischt er die Farbe mit Metallen an, Aluminium und Zinn beispielsweise. Das sei „Materie, die sich zugleich anzieht und abstößt, wie im Universum.“ So stellt der Künstler Spannung her zwischen den kosmischen Landschaften, Sternenhaufen und explodierenden glitzernden Nebeln. Bernd Zimmers Idee von der Unendlichkeit bleibt ein wenig naiv, allzu menschlich, allzu schön, ein bodenständiger Kosmos, eng an konventionelle Vorstellungen gebunden.

 

Bestauner der Schöpfung

 

„Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet....“, endet die erste Strophe des erwähnten Liedes. Für Bernd Zimmer bleibt die Gottesfrage offen. „Das Schöpfungsrätsel ist für mich ungelöst. Damit will ich mich nicht zu sehr beschäftigen.“ Vielleicht ist es diese Offenheit, bis hin zur Beliebigkeit, die tiefere Wahrheiten in den Sternennebeln nicht zulässt. Der Blick schweift über die Leinwände, über die ungezählten gelben Lichtpunkte, bleibt haften „…an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.“

 

Galerie Thomas Punzmann Contemporary, Weckmarkt 9, Frankfurt. Bis 10. September, nach Vereinbarung. Telefon (069) 24 45 01 91. Internet www.punzmann-contemp.com

 

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