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Die Frauen sind auf dem Vormarsch!

Kritik an den Machtverhältnissen und der Wunsch nach eigener Emanzipation: Gerade Frauen haben in Indonesiens Literaturszene für Furore gesorgt. Einige Werke stellen deutsche Verlage zur Buchmesse vor.
Linda Christanty Bilder > Foto: Thomas Maier (dpa) Linda Christanty

Aus Indonesien kommen zur Frankfurter Buchmesse fast 150 Neuerscheinungen in verschiedensten Sprachen. Doch das Angebot der deutschen Verlage mit neuen indonesischen Romanen ist überschaubar. Darunter gibt es aber Entdeckungen. Eine kommentierte Auswahl aus der Belletristik.

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In Linda Christantys indonesischer Heimatprovinz Aceh gilt die Scharia. Mutig schreibt die kämpferische Journalistin gegen religiösen Fanatismus an. Dabei ist Christanty, anders als ihr Name vermuten lässt und viele ihrer Landsmänner glauben, eine gläubige Muslima. In „Schreib ja nicht, dass wir Terroristen sind“ weitet sie den Radius auf andere südostasiatische Länder aus. Einfache Antworten gibt es für sie aber nicht.

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Nach dem Militärputsch von 1965 mit den Massakern kann eine Gruppe indonesischer Studenten in Paris nicht in die Heimat zurückkehren. Leila S. Chudori verknüpft in „Pulang – Heimkehr nach Jakarta“ den Beginn der Suharto-Diktatur mit ihrem Ende 1998. Ein dokumentarisch angelegter Roman – etwas dialoglastig und langatmig.

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Mit der bereits 2013 auf Deutsch erschienenen „Regenbogentruppe“ hat Andrea Hirata einen autobiografischen Roman geschrieben. Es geht um eine verschworene Gemeinschaft armer Schüler in einem kleinen Inselort, die im Leben vorankommen will. Einfühlsam und unterhaltsam gibt der Roman, der zum Welterfolg wurde, auch einen Einblick in den indonesischen Alltag. Hiratas Fortsetzungsroman „Der Träumer“ ist dieses Jahr erschienen.

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Noch vor gut 30 Jahren streifte der Tiger über die indonesische Hauptinsel Java. Um diesen magischen Mythos rankt der Autor Eka Kurniawan in „Tigermann“ die Geschichte eines 20-Jährigen, der in einem Dorf einem Nachbarn die Kehle durchbeißt. Es geht um die psychologischen Hintergründe der grausamen Tat. Raffiniert erzählter Roman!

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Ein indonesischer Journalist begehrt gegen die niederländische Kolonialmacht auf, als seine Frau verschleppt wird. Pramoedy Ananta Toer, der 2006 gestorbene Altmeister der indonesischen Literatur, ist ein großer Erzähler. Von den Militärjunta verfolgt, schrieb er auf der Gefängnisinsel Buru eine vierteilige Romanserie. Schade, dass nur „Kinder aller Völker“ zur Buchmesse neu aufgelegt wurde.

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Es geht um die Ausbeutung der Kleinbauern und das Verhältnis der Religionen: Die eigentliche Sensation von Ayu Utamis Debüt „Saman“ waren beim Erscheinen im Jahr 2000 aber die freizügigen Schilderungen sexueller Fantasien. „Da nahm eine Frau sich auf einmal heraus, freimütig über Sex zu schreiben, dass sie nicht heiraten und keine Kinder kriegen will. Ein absoluter Tabubruch im damaligen Indonesien“, sagt der Indonesien-Experte Martin Jankowski. Für viele – auch für viele schreibende – Frauen wurde das Buch in Indonesien zum Vorbild. Der Roman kommt glücklicherweise zur Buchmesse als Taschenbuch wieder heraus. Utamis neuer Roman „Larung“, eine collagenartige Fortsetzung, erscheint ebenfalls zur Buchmesse.

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