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"Paula": Die Frida Kahlo vom Teufelsmoor

Von Regisseur Christian Schwochow widmet sich in „Paula“ dem Leben der Malerin Paula Modersohn-Becker und deren Zeit in der Künstlerkolonie Worpswede.
Paula Becker (Carla Juri) und Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) kommen sich beim Malen im Teufelsmoor von Worpswede näher. Foto: Pandora (Martin Valentin Menke/Pandora) Paula Becker (Carla Juri) und Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) kommen sich beim Malen im Teufelsmoor von Worpswede näher.

Paula Modersohn-Becker ist wohl die bekannteste deutsche Malerin – aber erst im Laufe der Zeit eben dazu geworden. Als sie 1898 nach Worpswede kam, war die dortige Künstlerkolonie ein Club junger und älterer Männer, die nicht viel davon hielten, dass höhere Töchter an den Staffeleien Platz nahmen. Zum Studium an den gestrengen Kunsthochschulen wurden diese ehrgeizigen „Malweiber“ ohnehin noch nicht zugelassen. Aber auch in der ungezwungenen Künstlergemeinschaft auf dem Land, nahe Bremen, waren sie nur ungern gesehen. Auch deshalb wird Paula Modersohn-Becker heute, im Einvernehmen mit der Frauenbewegung, wie eine Frida Kahlo vom Teufelsmoor verehrt.

Sie malte mit Vorliebe Selbstporträts und sonstige weibliche Motive: Bäuerinnen, Kinder, Säuglinge, Schwangere. So etwas hatten Naturalismus-Professoren wie Fritz Mackensen noch nicht gesehen. Sie störten sich an den expressionistischen „Kartoffelnasen“ auf den Leinwänden des „Fräulein Paula“ (Carla Juri). Mit der Anreise der ursprünglich zur Lehrerin Ausgebildeten in dem Dorf Worpswede setzt das Filmporträt „Paula“ ein.

Gedreht hat es Christian Schwochow, ebenso aus Dresden stammend wie die gut 20-jährige Paula Becker, und bekanntgeworden mit Fernsehverfilmungen wie „Bornholmer Straße“ und „Der Turm“. Schwochow und seine Drehbuchautoren versetzen sich freilich nicht einfühlsam in die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, mit all ihren besonderen Voraussetzungen. Sie schauen harsch mit heutigem emanzipatorischen Anspruch zurück. Ihr sehr verengter Blick nimmt eine Paula wahr, die anfangs vom Vater zu wenig Förderung sowie von den Malerkollegen zu wenig Achtung erfährt und später vom Künstler-Ehemann Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) an der Selbstverwirklichung gehindert wird.

Dieser strikt einseitigen Sichtweise wird alles unterworfen, nicht zuletzt Paulas komplizierter Lebenslauf, der willkürlich zusammengerafft, vereinfacht und verändert wird, vor allem, wenn es um ihre Aufenthalte in Paris geht.

Trotz einzelner schöner Bilder vom malerisch flachen Worpswede unter weitem Himmel stellt sich zudem wenig Stimmung ein in diesem Film, für den die Schweizer Schauspielerin Carla Juri („Feuchtgebiete“) ohnehin keine sonderlich gute Wahl ist. Das wird immer wieder deutlich, wenn Roxane Duran als Bildhauerin Clara Westhoff, Paulas Freundin, in die Handlung eintritt und die größere Ausstrahlung mitbringt.

Da mag dann Paula Modersohn-Becker noch so viele Ölfarben vor sich haben: Ihrer Darstellerin fehlt die nötige Ausdruckspalette. Schwach

 

Frankfurt: Cinema

 

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