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Künstlerporträt „Loving Vincent“: Die Gemälde beginnen zu flimmern

Die Bilder des niederländischen Impressionisten Vincent van Gogh sind die Grundlage für das fantastische Kinowerk von Dorota Kobiela und Hugh Welchman.
Das Malergenie Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk) hatte ein tragisches Leben. Es endete, nachdem der Künstler sich selbst in den Bauch geschossen hatte. Foto: Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd. (Weltkino Filmverleih) Das Malergenie Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk) hatte ein tragisches Leben. Es endete, nachdem der Künstler sich selbst in den Bauch geschossen hatte.

Vincent van Gogh war ein obsessiver Künstler, der mit Furor in gerade einmal zehn Jahren rund 800 Bilder schuf, von denen sich viele ins allgemeine Gedächtnis eingebrannt haben. Der Kunstfilm „Loving Vincent“ ist ebenfalls die Geschichte einer Obsession – mit 125 Malern und 65 000 Bildern. Einen Film wie „Loving Vincent“, der komplett aus Ölgemälden komponiert wurde, hat man noch nie gesehen. Rund sechs Jahre hat die Produktion dieser poetischen Reise gedauert, die in ein zum Leben erwecktes imaginäres Van-Gogh-Museum führt. Ein kühnes und auch ein wenig romantisch-altmodisches Unterfangen, das so gut wie ohne Computeranimationen auskommt.

Aber die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Dorota Kobiela und Hugh Welchman hatten einen Traum: Der ganze Film wurde zunächst mit „echten“ Schauspielern (Saoirse Ronan, Douglas Booth) vornehmlich gedreht, dann malten 125 Künstler das Ganze in Öl im Stile van Goghs nach und erfüllten die Meisterwerke des niederländischen Künstlers mit 65 000 Bildern zum Leben. Für eine Sekunde Film brauchte man zwölf Gemälde. Ein verrücktes Unterfangen. Über den visuell aufregenden neuen Stil sagte Hugh Welchman in einem BBC-Interview, dass „die Menschen in einer mediengesättigten Welt etwas Originäres sehen wollen“.

Funkelnde Sterne

Das Ergebnis ist fürwahr faszinierend: Da schimmert der berühmte Nachthimmel mit funkelnden Sternen über der Rhône, tanzen die Lichter im Kreis um die Lampen, und der Regen fällt in Streifen zu Boden. Die intensiv leuchtenden und flimmernden Bilder von Vincent van Gogh werden von einer Momentaufnahme in den Lauf der Zeit versetzt.

Ein Jahr nach dem tragischen Ende des Künstlers, der sich in Auvers-sur-Oise in einem Weizenfeld in den Bauch schoss und zwei Tage später starb, ist ein letzter Brief Vincents an den Bruder Theo aufgetaucht, den Armand Roulin (Douglas Booth), ein junger Mann in kanariengelbem Jacket, ausliefern soll. Dabei landet er in Auvers-sur-Oise, wo er eher zufällig als Amateurdetektiv die Umstände des Todes von Vincent van Gogh untersucht. Denn da gibt es Ungereimtheiten: Die Waffe ist nie gefunden worden. Hat vielleicht jemand anderes geschossen? War es gar Mord? Die ein wenig konventionelle Detektivgeschichte, die mit in Schwarz-Weiß gehaltenen Rückblenden das Leben und Sterben van Goghs schildert, bildet den Rahmen für die lebendigen Bilder, die berauschend sind.

Besuch bei Dr. Gachet

Man besucht das gelbe Haus in Arles und das berühmte Nachtcafé, schlendert über das Gräberfeld Les Alyscamps, trifft den Postmeister Joseph Roulin in Arles und Père Tanguy in Paris, bis man sich an den Ufern der Oise und bei Dr. Gachet (Jerome Flynn) wiederfindet, dessen Tochter Marguerite (Saoirse Ronan) ein besonders enges Verhältnis zu Vincent van Gogh hatte. Rund 130 Van-Gogh-Gemälde haben Kobiela und Welchman für ihre magische Liebeserklärung an einen genialen Künstler zum Leben erweckt. Herausragend

In diesen Kinos

Frankfurt: Berger (OmU), Cinema (D+OmU), Orfeos Erben

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