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Die Gitarre ist eine anschmiegsame Geliebte

Wenn der amerikanische Bluesmusiker, der sich einfach nicht verabschieden kann, in die Frankfurter Festhalle kommt, hat er bestimmt wieder "Lucille" dabei.
Wo B.B. King wohl an seinem 90. Geburtstag auftritt? Hier ist er bei einem Konzert in San Sebastian im vergangenen Jahr zu sehen.	Foto: dpa Wo B.B. King wohl an seinem 90. Geburtstag auftritt? Hier ist er bei einem Konzert in San Sebastian im vergangenen Jahr zu sehen. Foto: dpa

Verabschiedet hatte sich B.B. King eigentlich schon vor sieben Jahren. In Deutschland sagte er 2005 das erste Mal Lebewohl. Ein Jahr später führte ihn seine "Final-Farewell-Tour" erneut durch ganz Europa. "So lange mich das Publikum sehen will, werde ich auch auftreten", sagt er heute. Gebrechlich und gehbehindert, aber weiterhin sprühend vor Witz und Energie, verbringt der Bluesmusiker noch fast jeden zweiten Abend auf einer Bühne.

Gleich doppelt schwarz

Eine echte Leistung angesichts seines Alters: Er steht in seinem 87. Lebensjahr, das er am 16. September vollenden wird. Am 7. Juli kommt B.B. King in die Frankfurter Festhalle. Wird es diesmal das Abschiedskonzert sein? Amarillo (Texas), Biloxi (Mississippi), Memphis und Nashville (Tennessee), Calgary und Ottawa (Kanada) sind Stationen, die B.B. King ganz selbstverständlich noch absolviert. Erst kürzlich hatte er 17 Auftritte in einem Monat. Mit "Lucille", wie er seine Gitarren liebevoll nennt, spielt und singt der schwarze Amerikaner den Blues heute noch genau so, wie er ihn als Kind im Mississippi-Delta gehört hat.

Obwohl Blues, die Urform des Jazz, sein Leben ist, macht es ihm zu schaffen, "nur" als Bluesmusiker geschätzt zu werden. "Blues-Sänger zu sein ist so, als ob man gleich zwei Mal schwarz wäre", heißt es in seiner Biografie ("B.B. King: Ein Leben mit dem Blues"). Mit Bewunderung blicke er zu Jazz-Kollegen wie Dizzy Gillespie, Miles Davis und Charlie Parker auf. Geboren wurde Riley B. King am 16. September 1925 als Sohn armer Plantagenarbeiter in Indianola (Mississippi). Sein Vater verließ die Familie, als er vier war. Die Mutter starb bald darauf. Schwere Feldarbeit half dem Jungen, zu überleben. Er sang in Gospelchören, brachte sich selbst das Gitarrespielen bei und zog schließlich für ein paar lausige Dollar von einer Südstaaten-Kaschemme zur anderen. Den kraftvollen Anschlag aus dem Handgelenk und die langen Läufe, die seine Gibson zum Jauchzen bringen, hatte King schon ganz gut drauf, als er Ende der 40er Jahre nach Memphis ging. Dort engagierte man ihn als "Blues Boy" für eine Radio-Show. Aus "Blues Boy" wurde die Abkürzung B.B. – King hieß er ja schon. Und den Titel "The King of the Blues", den er sich selbst mit einem gleichnamigen Album zugelegt hat, macht ihm heute keiner mehr streitig.

Der richtige "Thrill"

Den Durchbruch hatte King schon Ende der 60er Jahre mit seiner Erfolgsnummer "The Thrill Is Gone" geschafft. Über Nacht wollte alle Welt seinen Blues hören. King wurde zur Gartenparty der Queen eingeladen, zum Empfang im Weißen Haus. Schwedens König Carl XVI. Gustaf verlieh ihm den vornehmen Polar-Musikpreis. Heute ist der einstige Blues Boy Multimillionär mit vier Ehrendoktorwürden – und 15 Kindern. Ohne B.B. King hätte der Blues vielleicht nie das Image der Armen-Musik aus den Ghettos abgestreift. Auch deshalb hat er viele Bewunderer, unter ihnen Eric Clapton und John Mayall. Auch John Lennon sagte einmal, er würde gern Gitarre spielen können wie B.B. King.

Festhalle Frankfurt, 7. Juli, 20 Uhr. Karten zu 63,50 bis 98 Euro unter Hotline 01805-57 00 70. Internet www.eventim.de

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