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Netflix: Die Kanzlerin geht in Serie

Von Der TV-Streaming-Dienst Netflix will Aufstieg und Abstieg der noch amtierenden Regierungschefin inszenieren lassen. Ehemann Professor Sauer soll „The Big Bang Theory“ erklären.
Tritt Katharina Thalbach wieder als Kanzlerin an? Sie hat noch den Hüfthalter, den sie als Angela Merkel in der Fernsehsatire „Der Minister“ trug (hier ein Standfoto). Bilder > Foto: Stefan Sauer/Jens Kalaene (dpa) Tritt Katharina Thalbach wieder als Kanzlerin an? Sie hat noch den Hüfthalter, den sie als Angela Merkel in der Fernsehsatire „Der Minister“ trug (hier ein Standfoto).

Ahmt die Kunst das Leben nach, oder imitiert das Leben die Kunst? Nichts ist unmöglich. Während an Frankfurts Städtischen Bühnen „Richard III.“ im Schlachtengetümmel rufen muss „Mein Königreich für ein Pferd!“, hat in Berlin die Regierungstragödie noch kein Shakespeare’sches Ausmaß erreicht. Aber Angela Merkel arbeitet daran und könnte schon bald „Mein Kanzlerreich für eine Koalition“ anbieten. Was liegt bei derlei „Games of Thrones“ näher, als die geschichtsträchtigen Ereignisse zu verfilmen? Reitende Boten aus der Hauptstadt überbrachten denn auch die Kunde, dass der TV-Streaming-Dienst Netflix für 2018 eine Serie über Angela Merkels Regentschaft plane.

Schreck als Berater

„Es geht um Aufstieg und Abstieg der ersten und letzten deutschen Kanzlerin“, kündigte ein Sprecher des Unternehmens („House of Cards“) an und nannte den Arbeitstitel von Staffel 1 mit voraussichtlich 10 Folgen: „Mein Doitschland“. Als Berater des Drehbuchteams steht der Politologe Max Schreck von der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Verfügung. „Angela Merkel hat Deutschland in eine neue DDR überführt. Die CDU ist die ,Postsozialistischchristdemokratische Einheitspartei Deutschlands‘ auf der Suche nach neuen Scheinbündnissen. Möglicherweise wird in Folge 10 wieder die Mauer errichtet, dieses Mal aber näher am Mittelmeer.“

Hauptdarstellerin der Serie ist Katharina Thalbach. „Ick froie mir uff die Rolle“, teilte die Berliner Schauspielerin mit. Sie hat noch den Hüfthalter von ihrem Merkel-Auftritt in der Fernsehsatire „Der Minister“, angelehnt an Karl-Theodor zu Guttenberg, und erinnert sich gut an frühere Zeiten: „Angela Merkel war mal sehr, sehr hübsch“. Weitere Besetzungen wurden noch nicht bekannt. Wegen der weltweiten Ausstrahlung der Serie ist für die Partie von Merkels Ehepartner Professor Joachim Sauer allerdings Jim Parsons im Gespräch, berühmt als schusseliger Dr. Dr. Sheldon Cooper aus der Physiker-Comedy-Reihe „The Big Bang Theory“.

Schauplatz der Handlung ist neben dem Berliner Reichstagsgebäude, enthüllt von Christo, ein Hexenhaus in der Uckermark, wo sich die Kanzlerin mit Stützstrümpfen und einem Fußmassagegerät am Wochenende erholt und Stampfkartoffeln zubereitet, die im Verlauf der Handlung explodieren sollen, damit Professor Sauer die Urknall-Theorie erläutern kann. Die Titelmelodie singt Herbert Grönemeyer („Weh, Oh Weh, Du Mein Deutsches Land“).

Inoffiziell wurde bekannt, dass es in Folge 7 zu sexueller Belästigung von Abgeordneten durch Staatssekretärinnen und Pressereferentinnen kommen soll. Ein junger Politiker laut nichtautorisiertem Drehbuchtext: „Sie schielte mir in den Hemdkragen, sie tätschelte mir die Wade, und sie versteckte obszöne Gegenstände in meiner Aktentasche“. Ein in Berlin lebender Exil-Nordkoreaner wurde angeblich als Karatemeister (3. Dan) für Selbstverteidigungsszenen engagiert.

Wann die Dreharbeiten beginnen, ist unklar, die Ausstrahlung der 1. Folge ist aber noch für 2018 geplant. „Wir müssen uns beeilen, sonst ist Frau Merkel keine Kanzlerin mehr“, heißt es bei Netflix. Entschieden ist bereits, dass Frank Castorf Regie führt. Er ist kraft seines Lebenslaufs ein großer DDR-Kenner und mit Auf- und Abstiegen seit seiner Zeit als Volksbühnen-Intendant vertraut. „Ich werde einige kriminelle Elemente aus meiner Bayreuther Inszenierung von ,Der Ring des Nibelungen‘ unterbringen“, sagte er auf Anfrage. „Wagner gehört einfach ins World Wide Web.“ Die Entscheidung für Castorf führte in der Berliner Filmemacherszene zu Unmut. Man sei nicht beteiligt worden und werde eine Voraufführung erster Serienauszüge bei der noch von Dieter Kosslick geleiteten Berlinale verhindern. Einen Brandbrief verfasste Volker Schlöndorff: „Netflix bringt mich noch um“. Aus Hamburg sekundierte Fatih Akin („Gegen die Wand“): „Ich weiß nicht, ob die ganze Sache den deutsch-türkischen Beziehungen dient“.

Drogen als Tröster

Nach polizeilich unbestätigten Berichten wurde bei einem ersten Treffen des Drehteams ein Mitproduzent der Serie (Name ist der Redaktion bekannt) wegen Kokainbesitzes vorläufig festgenommen. Er behauptete, die Drogen in den Toilettenräumen des Reichstags gefunden zu haben. „Erst habe ich gedacht, es wäre Zahnputzpulver. Aber dann stand auf dem Tütchen ,Für Mein Doitschland‘“. Kanzlerin Merkel zu diesem Vorfall: „Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland hab’ ich die Aufgabe in einer solchen Situation, die eine außergewöhnliche Situation ist – ich habe gesagt, es ist eine historische Bewährungsprobe – alles daran zu setzen und den Optimismus und die innere Gewissheit zu haben, dass diese Aufgabe lösbar ist.“

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