E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 20°C

Comeback: Die Kelly Family treibt ihren Fans die Tränen in die Augen

Wiedervereint, um abermals zu Tränen zu rühren: Die „Kelly Family“ macht auf ihrer Comeback-Tour in der Frankfurter Festhalle Station.
Patricia Kelly singt und tanzt – und sorgt mit ihren Geschwistern dafür, dass die Comeback-Tour des Familienclans einen rührselige Angelegenheit wird. Foto: Sven-Sebastian Sajak Patricia Kelly singt und tanzt – und sorgt mit ihren Geschwistern dafür, dass die Comeback-Tour des Familienclans einen rührselige Angelegenheit wird.

Knifflige Quizfrage in der Trivial-Pursuit-Entertainment-Edition: Was haben ein VW T1, ein Doppeldeckerbus, ein Hausboot und Schloss Gymnich gemeinsam? Na, wer weiß es? Richtige Antwort: Alle dienten zeitweilig der „Kelly Family“ als Wohnstätte. Von den vier nicht gerade üblichen Behausungen auf die Bühne der ausverkauften Frankfurter Festhalle als riesige Pappkulisse schaffte es allerdings nur der mit typischem Bandlogo versehenen rotgrüne Doppeldeckerbus. „Passt scho!“, würde Horst Seehofer den Umstand verteidigen, dass die drei anderen Quartiere außen vor bleiben müssen. Fehlen doch bei der „We Got Love“ betitelten Comeback-Tournee des umtriebigen Familienclans gleich mehrere der einstigen Originalmitglieder.

Zu Kathy, Patricia, Joey, John, Jimmy und Angelo Kelly, die in besagter Glanzzeit von Fanhorden auch an ihren jeweiligen Wohnorten bestürmt wurden, gesellt sich nunmehr der einst noch vor dem Durchbruch frühzeitig ausgestiegene Paul Kelly hinzu. Zünftig im Kilt und mit prächtig grauem Vollbart ausgestattet, schaut Paul mittlerweile aus wie jener in der Kindererziehung einst gestrenge Mann, dem die wildbunte Truppe ihre Existenz verdankt: Familienpatriarch Daniel Jerome „Dan“ Kelly, amerikanischer Highschool-Lehrer aus Michigan, wanderte mit erster Frau Joanne und den Kindern einst nach Spanien aus. Nicht nur, dass der gute Dan, der 2002 im Alter von 71 Jahren starb, seinen Rangen die kapitalistische Konsumgesellschaft der USA ersparen wollte. Aus Geldmangel gründete er 1974 mit seinem bis dato schon geborenen Nachwuchs die „Kelly Family“.

Euphorie und Passion

Alle, die nachkamen, darunter auch die nicht an der gegenwärtigen Reunion teilnehmenden Ex-Mitglieder Barby, Paddy und Maite, wuchsen vom ersten Tag ihres Lebens an in dem kunterbunten Haufen auf, der anfänglich überall auftrat, wo man ihn ließ, und der von Gegnern spöttisch als „Sekte“ oder „singende Altkleidersammlung“ verhöhnt wurde. Um solch Preziosen menschlicher Niedertracht muss sich die von diversen Begleitmusikern assistierte „Kelly Family“ heutzutage keinerlei Sorgen mehr machen. Als allerorten ausverkauft erweist sich die gegenwärtige Tour dank eines treu eingeschworenen Mehrgenerationenpublikums, das in Frankfurt schon vor Anpfiff lautstark seine nach wie vor innige Liebe zur Familienbande bekundet. Euphorie, Passion, Begeisterung, Hingabe und Enthusiasmus kennen keine Grenzen mehr, als das Spektakel mit verrocktem „I Can’t Stop The Love“ pünktlich startet. Von da an nehmen reihum sämtliche Familienmitglieder das Mikrofon in die Hand, um zahllose Hits zu präsentieren. Ob erdiger Rock oder gefühlvolle Romanze, ob flotter Irish Folk oder leidenschaftliche Kanzone, ob schmusiger Pop oder ehrfürchtiger Gospel – die fidele „Kelly Family“ hat für jeden etwas in petto.

Kollektive Gefühlsregung

Um das von einer halbstündigen Pause unterbrochene Entertainment noch abwechslungsreicher zu gestalten, finden regelmäßig Pyrotechnik, Konfettischwaden und jede Menge Videoclipeinspieler Einsatz. Vor allem das Filmmaterial aus jener Phase, als die jüngeren Familienmitglieder noch klein waren und Dans früh verstorbene zweite Frau Barbara-Ann noch lebte, die ja anfänglich als Kindermädchen bei den Kellys arbeitete, treibt der ergriffenen Besucherschar die Tränen in die Augen. Und wenn dann noch Balladeskes in Moll wie „An Angel“, „I Can’t Help Myself“ und „Fell In Love With An Alien“ erklingt, türmen sich kollektive Gefühlsregungen zu einem gigantischen Emotionsberg auf. Da kommt es gerade recht, dass Sologitarrist und Marathonläufer Joey Kelly in der Hardrock-Ode „The Wolf“ den wüsten Werwolf markiert, der Nach-wie-vor-Liebling Angelo Kelly sich parallel zu seinen diversen Songs auch bei einem patenten Schlagzeugsolo austoben darf und Paul Kelly an der Drehleier und Whistle mit waschechtem Irish Folk konterkariert.

An die alte „Kelly Family“ erinnern vor allem Kathy und Patricia: Hier mal ein Tänzchen aufs Parkett gelegt, da mal ein hingebungsvolles Stimmtönchen hinzugefügt. Kathy im bodenlangen Seidenkleid wirkt denn auch richtig wehmütig, als sie die frühen Jahre mit kostenlosen Auftritten auf der Frankfurter Zeil reminisziert. Unter lautem Jubel grüßt Bruder Jimmy die nicht anwesenden Geschwister, vergisst aber auch nicht die verstorbenen Kellys Dan, Joanne und Barbara-Anne sowie den langjährigen Manager Mike Ungefehr zu erwähnen. Als nach Besinnlichem wie „Good Neighbor“, „Take My Hand“ und „Brothers And Sisters“ die Retrospektive ihr natürliches Ende findet, wollen viele Besucher die bittere Realität nicht wahrhaben und weiter in der „Kelly“-Traumwelt verharren.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen