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"Victoria & Abdul": Die Königin lässt sich über ferne Länder unterrichten

Von Judi Dench spielt die zurückgezogen lebende Witwe, die auf ihre alten Tage aus der Gesellschaft eines jungen Exoten einen Rest an Freude beziehen kann.
Queen Victoria (Judi Dench) beliebt, eine Bootsfahrt mit ihrem Diener Abdul (Ali Fazal) zu machen und dabei über dessen ferne Heimat Indien zu konversieren. Foto: Peter Mountain / Focus Features (Universal Pictures Germany) Queen Victoria (Judi Dench) beliebt, eine Bootsfahrt mit ihrem Diener Abdul (Ali Fazal) zu machen und dabei über dessen ferne Heimat Indien zu konversieren.

Am Ende einer sehr langen Tafel sitzt Ihre Majestät Queen Victoria (Judi Dench) und arbeitet das Festmahl anlässlich ihres 50-jährigen Thronjubiläums würdevoll Gang für Gang ab. Vergeblich versuchen die Gäste-Hundertschaften mitzuhalten. Aber sobald die Königin ihren Gang beendet hat, werden die halbvollen Teller abgetragen, um der nächsten Köstlichkeit Platz zu machen. Diese Szene, mit der Stephen Frears in „Victoria & Abdul“ seine Titelheldin vorstellt, zeigt auf herzhaft ironische Weise zum einen, wie sehr die 68-jährige, schweigend vor sich hin speisende Regentin (1837 bis 1901) ihre Untertanen im Griff hat, zum anderen, wie gelangweilt sie ihre Pflichten erfüllt.

Nur ein kurzer Moment durchbricht die Routine. Die Königin bekommt eine wertvolle indische Münze überreicht, und Abdul (Ali Fazal), der aus der fernen Kolonie für die Zeremonie nach England verschifft wurde, erhascht einen flüchtigen Blicke der Queen. Als „fürchterlich gut aussehend“ beschreibt die Königin wenig später den indischen Lakaien und beruft ihn zunächst zu ihrem persönlichen Diener und bald schon zu ihrem „Munshi“, der sie als Lehrer in indischer Kultur und Sprache unterrichtet.

Fern von den Kolonien

Die Königin, die selbst nie einen Fuß in ihre Kolonie gesetzt hat, zeigt sich erfrischt von den fremdländischen Einblicken und dem jungen Mann – was vom Hofstaat und von Sohn „Bertie“ (später König Edward VII.) mit Missbilligung zur Kenntnis genommen wird.

Mit „Victoria & Abdul“ erzählt Stephen Frears eine „wahre“ Geschichte, die sich so oder so ähnlich in den königlichen Gemächern zugetragen haben mag. Frears hat sich in „The Queen“ über Elizabeth II. (mit Helen Mirren) als feinfühliger Analytiker der britischen Monarchie und ihrer Rolle in der Demokratie bewiesen. Von diesem Fachwissen spürt man in „Victoria & Abdul“ wenig. In stereotypen Erzählmustern nimmt sich Frears die platonische interkulturelle Beziehung zwischen der alten Monarchin und dem jungen Inder vor: Hier die Witwe, die noch einmal aufblüht, dort der rassistische Hofstaat, der intrigiert, und schließlich der indische Diener von durchgehend freundlicher Präsenz.

Natürlich ist Dench, die bereits in John Maddens „Mrs. Brown“ vor zwanzig Jahren Queen Victoria in ihrer Beziehung zu einem ergebenen Diener spielte, auch in diesem Film brillant. Jede Großaufnahme, jeder undurchdringliche Blick, jede Falte in ihrem Gesicht ist ein Geschenk fürs Kino.

Multi-Kulti-Botschaft

Aber man würde sich wünschen, dass der Film seiner zweiten Titelfigur wenigsten halb soviel Aufmerksamkeit zukommen ließe. Allerdings bleibt außer ein paar Klischee-Schwärmereien vom Taj Mahal und dem Duft der Gewürze die Figur des indischen Dieners, ihre Beweggründe und ihre soziale Herkunft weitgehend unerforscht. Diese flache Charakterisierung verspielt den interessanten Kern der Geschichte. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU), Eldorado, Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis. Offenbach: Cinemaxx. Mainz: Cinestar

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