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Erich Fromm: Die Kunst des Liebens

Sein oder Haben? Tübingen hat dem Psychoanalytiker Erich Fromm ein Institut gewidmet. Der in Frankfurt geborene kritische Autor hat an der Goethe-Universität gelehrt. Die Freiheit im Privaten und Politischen war sein Thema.
Liebe bis in den Tod: So stellt sich die Romantik das gewaltigste aller Gefühle vor. Hier eine Szene aus dem Eifersuchtsballett »Bluthochzeit«, das der Spanier Carlos Saura 1981 verfilmte, mit Cristina Hoyos als Braut und Antonio Gades als deren Geliebter. 	Fotos: Concorde, Archiv Bilder > Liebe bis in den Tod: So stellt sich die Romantik das gewaltigste aller Gefühle vor. Hier eine Szene aus dem Eifersuchtsballett »Bluthochzeit«, das der Spanier Carlos Saura 1981 verfilmte, mit Cristina Hoyos als Braut und Antonio Gades als deren Geliebter. Fotos: Concorde, Archiv

Gesellschaftskritiker, Humanist, Psychoanalytiker: Allein Erich Fromms Werk „Die Kunst des Liebens“ verkaufte sich weltweit 25 Millionen Mal. Jetzt wurde in Tübingen das Erich-Fromm-Institut eröffnet, das tiefere Einblicke in das Schaffen des Autoren (1900–1980) bieten will.

 

Ruhe und Verantwortung

 

Rainer Funk, letzter Assistent Fromms und Erbe des Nachlasses, ist Leiter des Instituts. Er war federführend daran beteiligt, dass das nach eigenen Angaben weltweit einzige Fromm-Archiv gegründet werden konnte. Bücher, die Fromm beschäftigt haben, machen einen Hauptteil der Sammlung aus. 3000 Werke zählen dazu. Sie kamen aus Mexiko, wo der Analytiker in den 50er Jahren lebte, per Schiff ins schweizerische Locarno, seinem letzten Aufenthaltsort. Später holte Rainer Funk die Bibliothek nach Tübingen.

Die Gesamtausgaben des Vorbildes Sigmund Freud finden sich in den Regalen, daneben unter anderem Werke von Marx und Engels. Sichtbar wird auch Fromms Faszination für östliche Weisheiten. Fromm, ein Kind aus jüdisch-orthodoxem Hause, löste sich von dieser Religion und wandte sich dem Buddhismus zu. „Er hat täglich buddhistische Aufmerksamkeitsübungen gemacht“, sagt Funk.

 

Glück statt Geschäftigkeit

 

Rund 20 Bücher verfasste Fromm. „Die Furcht vor der Freiheit“ und „Psychoanalyse und Ethik“ zählen zu den frühen Werken aus den 40er Jahren. Der Durchbruch gelang mit „Haben und Sein“, das 1976 erschien. Monatelang stand es auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. „Der Mensch, der nicht mehr vom Haben, sondern vom Sein bestimmt wird, (...) entfaltet eine innere Aktivität, die nicht mit purer Geschäftigkeit (...) zu verwechseln ist“, war eine der Botschaften, die Leser begeisterten. Das Original-Manuskript liegt im Archiv. „Fromm hat alles in Englisch notiert“, sagt Funk, der an der deutschen Übersetzung mitarbeitete. Außerdem lassen sich Entwürfe und zahlreiche Überarbeitungen des Klassikers einsehen. Vieles ist in Handschrift festgehalten.

Dass Fromm von einem Millionenpublikum gelesen wurde, was anderen zeitgenössischen Denkern wie etwa Theodor W. Adorno nie gelang, lag an seiner allgemeinverständlichen Sprache. Bekannt wurde er auch durch Medienauftritte. Interviews mit Journalisten, Aufzeichnungen des Deutschlandfunks sowie zwei dokumentarische Filme sind ebenfalls im Besitz des Instituts. Außerdem sind private Fotos des berühmten Denkers zu sehen.

„Mit ,Haben und Sein’ steigerte sich Fromms Popularität“, sagt Funk. Erst 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde in den 70er Jahren „Die Kunst des Liebens“ zum größten Erfolg. In über 50 Sprachen, etwa in Russisch, Finnisch und Spanisch, wurde das schon 1956 verlegte Buch übersetzt. „Fromm war der erste Psychoanalytiker, der sich ernsthaft mit der Liebe auseinandersetzte und nicht wie Freud mit der Sexualität“, erklärt Funk den Erfolg. „Fromm zählt zu den Weltautoren“, sagt er. In arabischen Ländern seien seine beiden bekanntesten Werke sehr gefragt. Rund 10 000 Exemplare würden jährlich pro Buch verkauft. Einen besonderen Boom gebe es in China. Der Grund: „Dort brechen allmählich alte, kollektive Sozialstrukturen auf. Man will sein Leben selbst denken und gestalten.“ Mehr als 700 Dissertationen über Fromm kamen in den vergangenen Jahren in China zusammen.

Finanziert wird das Institut in Tübingen von dem Unternehmer Karl Schlecht. Es steht auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. „Zum Stöbern, sich mit Fromms Gedanken beschäftigen“, lädt Institutsleiter Funk die Besucher ein.

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