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Das Frankfurter Fotografie-Forum zeigt „Rock.Funk.Punk.“ –: Die Kunst lebt, blutet und tanzt

Von Rock, Funk und Punk sind nicht nur musikalische Stilrichtungen der Pop-Kultur. Sie sind Zeitgeist, Mode, Lebensgefühl. Sie drücken sich auch in starken Bildern aus.
Singend, grölend, in Trance: Fans ganz vorne bei einem Auftritt der Metalband „Korn“ bei „Rock am Ring“. Foto: Günter Pfannmüller Singend, grölend, in Trance: Fans ganz vorne bei einem Auftritt der Metalband „Korn“ bei „Rock am Ring“.
Frankfurt. 

Es gibt diesen Moment, wenn sich der Tonarm langsam senkt und sich die Nadel in die Rille fädelt, dieses Knistern, bevor der erste Akkord aus den Boxen dringt und das erste Lied auf dem Album beginnt. Der Körper richtet sich auf, das Innere richtet sich aus. Und im nächsten Moment ist schon nichts mehr, wie es war. Ähnlich die Erfahrung, wenn eine Band auf der Bühne steht, der Sänger gegen das Mikrofon klopft, um zu schauen, ob es weit genug aufgedreht ist. Und dann bricht sich die Musik Bahn. Die Energie. Und die Gefühle.

Emotion, Bewegung und Körperlichkeit sind Elemente, die viele Fotografen suchen. Und die sie in der Populärmusik finden.

David Bowie ist stets dabei: Mit T-Shirts zeigt man seine Einstellung. Bild-Zoom Foto: Susan Barnett
David Bowie ist stets dabei: Mit T-Shirts zeigt man seine Einstellung.

Als der britische Fotograf Derek Ridgers 1977 zu einem Konzert der Punkband „Vibrators“ ging, stellte er fest, dass ihn das tanzende, umherspringende und sich schubsende Publikum mehr faszinierte als die Musikgruppe selbst. Für die nächsten zehn Jahre richtete er seine Kamera immer wieder auf Punker – seine Porträts der späten 70er und frühen 80er Jahre finden sich in der Ausstellung „Rock.Funk.Punk.“ im Frankfurter Fotografie-Forum.

Die wilderen Bilder in der Ausstellung stammen aus den USA. Stanley Greene hat sie aufgenommen. Der größte Abzug seiner Schwarzweiß-Fotos zeigt die „Dead Kennedys“ bei einem Auftritt 1978 in San Francisco. Greene, der am 19. Mai gestorben ist, hielt über diese Zeit fest: „Plötzlich bin ich in einer Umgebung, in der man 24 Stunden pro Tag und sieben Tage die Woche Kunst lebt, blutet, trinkt, isst, vögelt und macht.“ Seine Einzelbilder sowie die collagenhaft zusammengefügten Aufnahmen vermitteln viel von diesem Lebensgefühl. An der Wand gegenüber sind die Aufnahmen des niederländischen Fotografen Gijsbert Hanekroot zu sehen. „Wir lernten in dieser Zeit alle“, fasst er seine Erfahrungen der frühen 70er Jahren zusammen. Er meint sich als Fotograf, aber auch Musiker, Management und Security.

Schrecklich jung

Die Spielregeln waren zu dieser Zeit noch nicht ausgehandelt, was ihm die Möglichkeit bot, Größen wie Frank Zappa, David Bowie und Mick Jagger sehr nahe zu kommen. Ein hohes Maß an Intimität erreicht auch Barbara Klemm bei ihren Aufnahmen von Bühnenshows. Tina Turner sieht auf dem Foto von 1971 aus wie eine andalusische Flamenco-Tänzerin. Janis Joplin erkennt man selbst, wenn das Scheinwerferlicht nur eine feine Silhouette von ihr zeichnet. Und dann gibt es diese Bilder, die zeigen, wie schrecklich jung Udo Lindenberg einmal war. Wenige Schritte weiter findet sich zwischen anderen LPs sein neongrünes Album „Odyssee“ – versehen mit den Tourdaten aus dem Jahr 1983. Am 14. März trat er damals mit Gianna Nannini in der Offenbacher Stadthalle auf. Ein großartiges Konzert.

„Motörhead“ war sein Benzin: Lemmy Kilmister. Bild-Zoom Foto: Pep Bonet (NOOR)
„Motörhead“ war sein Benzin: Lemmy Kilmister.

Vielen Betrachtern wird es so gehen, dass sie mit den Fotografien und den abgebildeten Künstlern Abschnitte ihrer eigenen Biografie verbinden. Musik ist immer auch Zeitgeist, Mode, Lebensgefühl. Susan Barnett widmet ihre Modebilder den kunstvoll-gestalteten T-Shirts von Musik-Fans.

10 000 Fotos in drei Tagen schießen Felix und Günter Pfannmüler locker, wenn sie sich in die Materialschlacht von „Rock am Ring“ begeben. Eine riesige Aufnahme zeigt die wahnsinnigen Ausmaße des Rock’n’Roll-Zirkus: Die Lichtschau taucht den Bühnenhintergrund in orangefarbenes Licht, rechts steht eine Armada von Fotografen und Kameraleuten. Die Artisten auf der Bühne gehen fast unter, und die Publikumsmassen sind am unteren Bildrand lediglich zu erahnen. Bei einem solchen Event Szenen einzufangen, die mehr sind, als die Reproduktion der Show, ist eine Kunst. Zumal mittlerweile oftmals drastische Beschränkungen für die Fotografen gelten, die oft nur noch für die ersten drei Lieder einer Band in den Graben vor der Bühne dürfen.

„Rock.Funk.Punk.“ kommt zur rechten Zeit. Und das nicht nur, weil sich die Reihen der Musiker lichten, die in den 60er, 70er und 80er Jahren die Musikwelt dominierten, sondern auch deshalb, weil jene Zeit auf verschiedene Art und Weise eine Renaissance erfährt: Fotografen, die einst aktuell für Magazine fotografierten, die untrennbar mit dem Aufstieg der Rockmusik verbunden waren, veröffentlichten mit dem mittlerweile historischen Material Fotobücher. Und die Vinyl-Platte, der Longplayer, ist wieder zurück. Inklusive des Kribbelns, das einsetzt, noch bevor der erste Akkord erklingt.

Rock.Funk.Punk.

Frankfurter Fotografie-Forum, Brauchbachstraße 30-32. Arbeiten von Michael L. Abramson, Susan Barnett, Pep Bonet, Anton Corbijn, Stanley Greene, Bob Gruen, Gijsbert Hanekroot, Barbara Klemm, Günter und Felix Pfannmüller. Bis 27. August. Di 11–18, Mi 11–20, Do–So 11–18 Uhr.

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