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Rock-Musical „Jesus Christ Superstar“ in Wiesbaden: Die Lichtgestalt im weißen Hemd überstrahlt alles

Von Regisseurin Iris Limbarth inszeniert am Wiesbadener Staatstheater Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“.
Wiesbaden. 

Als der damals erst 23-jährige Andrew Lloyd Webber vor 46 Jahren „Jesus Christ Superstar“ in New York erstmals auf die Bühne brachte, da erntete der heute sehr populäre Musicalkomponist vor allem vonseiten christlicher Vereinigungen eine Menge Widerstand. Die Passionsgeschichte als Rock-Oper, das erschien manchem doch allzu blasphemisch. Dem Erfolg des Stücks tat das keinen Abbruch: Selbst im Radio Vatikan wurde es gespielt.

Nach einiger Zeit in der Versenkung tauchte das in der Originalversion mit Texten von Tim Rice ausgestattete Werk zuletzt auf deutschen Bühnen wieder häufiger auf. Die auf diesem Sektor erfahrene Regisseurin Iris Limbarth hat es nun auch in einer Übersetzung von Anja Hauptmann für die Große Bühne des Wiesbadener Staatstheaters inszeniert und in die heutige Zeit verlegt.

Jesus (Björn Breckheimer) ist darin zwar zeitlose und alles überstrahlende Lichtgestalt, in weitem weißen Hemd und mit hörbar weiblichen Zügen. Doch in seiner Umgebung tummeln sich Jünger und andere Anhänger in bunten und legeren Straßenklamotten. Die Polizisten tragen, wie in ihrer Realität bei Großdemonstrationen oder Gefahreneinsätzen, volle Montur und Helme. Und gleich zum Auftakt flimmern den Zuschauern auf an den Vorhang geworfenen Fernsehschirmen Nachrichten aus der Weltpolitik entgegen.

Gewohnte Lovestory

Die Geschichte ist allerdings die bekannte, ergänzt noch durch die in diesem Genre unverzichtbare Lovestory. Maria Magdalena, der Nyassa Alberta ihre klare schöne Stimme leiht, erweist sich als Gottes Sohnes treueste Begleiterin, die als Einzige auch nicht von seiner Seite weicht, als er verraten und verkauft wird. Und die den Aposteln deshalb die Leviten liest.

Die Atmosphäre ist düster, dunkelgrau, die Szenerie (Bühne: Bettina Neuhaus) wie irgendwo in einer dunklen, unangenehmen Straße. Hier bahnt sich in der ersten Hälfte all das an, was im zweiten Teil des mehr als zweistündigen Abends die Höhepunkte liefern wird. Im Blickpunkt steht dabei das Verhältnis von Judas zu Jesus, eine Art Hassliebe, in der der Irrgeleitete, den Ulrich Rechenbach bisweilen schmerzhaft quetschen lässt, den falschen Weg einschlägt.

In der großen Menge an Darstellern, die schon mal durch einen Seiteneingang den Zuschauerraum entern, gehen andere der aus der Bibel bekannten Protagonisten unter: Der unscheinbare Petrus (Matias Lavall) etwa, der erst durch seine Verleumdung in den Vordergrund tritt. Selbst beim Abendmahl an mit einem weißen Tischtuch überdeckten Paletten sitzen viel mehr Gäste als gewohnt.

Sonorer Bass

Äußerst präsent ist Tempelvorsteher Kaiphas (Tobias Falk) mit sonorer Bassstimme. Schrill ist dagegen des Herodes’ Auftritt (Uwe Kraus), umgeben von nixenartigen Damen in goldenen Minikleidern und auf einer rollenden Lounge mit einem bunten Plastik-Badevogel im Vordergrund, der einen Swimming Pool vermuten lässt. Doch während hier der Absturz in den Kitsch noch gerade so verhindert wird, ist an anderer Stelle, bei Judas’ Auftritt als Engel mit Flügeln inmitten einer Schar Gleichgesinnter mit schwarzen Kreuzen auf der Brust, die entsprechende Balance verlustig gegangen.

Es sind, neben einigen stimmlichen, solche Ausrutscher, die den ansonsten guten Gesamteindruck schmälern. In tänzerischer Hinsicht erweist sich zudem die Darstellermasse als Fallstrick und lässt in einigen Szenen die von Wiesbaden gewohnte Qualität vermissen. Aber auch, dass die Präsentation von Jesus als hipper Superstar nicht konsequent durchgezogen wird, dass bisweilen der Standort auf der Zeitebene nicht deutlich genug markiert ist, darf als Manko der Inszenierung gewertet werden.

Überzeugen können derweil die Musiker, die aus dem Orchestergraben heraus die Leidensgeschichte begleiten: die Band „Vanden Plas“, ergänzt durch Gäste des Staatstheaters, Christoph Stiller und Benjamin Schneider.

Das Publikum, ansonsten in der Landeshauptstadt dem Neuartigen gegenüber nicht immer offen, zeigt sich am Ende begeistert. Diese etwas andere Darstellung der Verfolgung und Kreuzigung Jesu scheint niemandem mehr Probleme zu bereiten. Wahrscheinlich hat man sich längst daran gewöhnt. Zeit genug dafür war ja.

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