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„Così fan tutte“ am Staatstheater Wiesbaden: Die Liebe schlägt Kapriolen, damals wie heute

Von Auf der Bühne sitzen Zuschauer, das Licht bleibt an – und los geht die Komödie „Così fan tutte“ am Staatstheater Wiesbaden.
Ménage à six in „Così fan tutte“: Christopher Bolduc, Gloria Rehm, Silvia Hauer, Wolf M. Friedrich, Heather Engebretson, Ioan Hotea. Foto: Monika und Karl Forster Ménage à six in „Così fan tutte“: Christopher Bolduc, Gloria Rehm, Silvia Hauer, Wolf M. Friedrich, Heather Engebretson, Ioan Hotea.

„Così fan tutte“ heißt: So machen es alle. Mit „So“ meint der Dichter Lorenzo da Ponte heiter und hinterlistig zugleich; der für die Musik zuständige Wolfgang Amadeus Mozart sieht die Sache auch von einer empfindsamen, fast tragischen Seite. „Es“ ist der Umgang der Geschlechter miteinander, Treue und Versuchung, Alltag und Ausnahmezustand. Die Männer sind Täter, die Frauen Opfer, oder nicht doch umgekehrt? „Alle“ schließlich gibt Uwe Erik Laufenberg das Stichwort, die Oper aus dem Publikum heraus spielen zu lassen. Wobei die Männer ihren Stützpunkt im Parkett haben, die Frauen auf der von einer Spiegelwand begrenzten Bühne (Matthias Schaller). Dazwischen (und umgeben von der Spielfläche), im Graben, spielt – unter Konrad Junghänels umsichtiger, inspirierender Leitung – straff und konzentriert das Orchester.

225 Jahre nach der Uraufführung hat der Stoff seine Brisanz verloren. In der libertären Moderne verlaufen die Grenzen von Spiel und Ernst anders. Dass Frauen und Männer sich gegenseitig bedenkenlos ausprobieren und auswechseln, ist auch jenseits von „Gala“ und Promi-Shows Normalität. Die „Schule der Liebenden“ (Da Ponte) hat sich zur Beziehungskiste reduziert. Noch immer verletzt es die Seelen, wenn Gefühle, und zwar echte, so der Mensch sie noch riskiert, missbraucht werden. Laufenberg lässt also aus dem Hier und Jetzt virtuos Komödie spielen, bis an die Grenzen des Klamauks, wenn etwa (scheinbar) aus dem Publikum sich erhebende Frauen den Männern ihre Muskeln zeigen, oder Despina (eine vielgestaltige Paraderolle für Gloria Rehm) einen krächzenden Arzt spielt. Dabei vergisst er nicht das sich hinter den schönen Klängen, Figuren und Melodien verbergende Innere.

Das Komödiengeschäft setzt in Form einer Wette der umtriebige, eloquente Don Alfonso (Wolf Matthias Friedrich) in Gang, während für die Gefühle die Objekte der Intrige, die Schwestern Fiordiligi und Dorabella, zuständig sind. Heather Engebretson gibt die erste selbstbewusst, kämpferisch und standhaft, um sich schließlich umso heftiger ihrem Latin Lover Ferrando (Ioan Hotea) hinzugeben. Silvia Hauer hingegen tritt dem Liebesabenteuer unbekümmerter entgegen und scheint dem smarten Guglielmo (Christopher Bolduc) leichter zu verfallen. Bei den Männern steigt mit dem Erfolg ihrer Avancen auch der Eifersuchtsgrad. Eine Konstellation, aus der es kein Entrinnen gibt.

Die Flasche Wein, die den ganzen Abend über den Packen Geldscheine, um den es geht, beschwert hat, wird geköpft – wer aber kriegt wen am Ende? Eine „ménage à six“? So machen es bestimmt nicht alle, aber der kurzweilige Abend gefällt allen.

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