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Kinokomödie spielt in der österreichischen Hauptstadt: "Die Migrantigen": Der Orient beginnt in Wien

Von In der österreichischen Komödie "Die Migrantigen" geht es mit viel Schmäh um zwei Wiener, die entdecken, dass es besser sein kann, als Ausländer zu gelten.
Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic) sind sich uneinig darüber, wie es weitergehen soll. Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic) sind sich uneinig darüber, wie es weitergehen soll.

Der Orient beginnt in Wien, seit im Jahr 1716 die Türken vor der Stadt standen, Feldherr Prinz Eugen sie allerdings zurückschlug. Zurückgelassen haben die Osmanen damals ein paar kleine türkisch-österreichische Nachkommen und den Mokka. Der gehört nun mitsamt seinem Migrationshintergrund fest in jedes Caféhaus. Eine fremde Herkunft hat in Wien eben vieles, man muss nur weit genug zurückgehen.

Keine Ur-Österreicher

Auch Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic) können problemlos Vorfahren aus anderen Ländern nachweisen. Sie selbst sind längst Österreicher, aber eben keine Ur-Österreicher. Und sie haben schnell begriffen, dass es heutzutage einen Vorteil bedeuten kann, Ausländer zu sein. Weil sich dann die Medien fürs eigene Schicksal interessieren. Bereitwillig erklären sich Benny und Marko deshalb zu Einwanderersöhnen, als die Fernsehreporterin sie anspricht. Sie sucht im prekären Wiener Viertel Rudolfsgrund nach Kerlen, die so sind, wie sie sich Migranten vorstellt: arme, bedauernswerte junge Männer, die sich notgedrungen mit Einbrüchen, Diebstählen und Betrügereien den Lebensunterhalt ergaunern müssen, in ihrem tiefsten Inneren aber äußerst liebenswerte, brave Mitbürger sind.

Mit viel Talent zur Ausschmückung erzählt vor allem Benny der Journalistin die übelsten Schauermärchen von der Ungerechtigkeit seines angeblichen Ausländerdaseins ins Mikrofon. Als arbeitsloser Schauspieler hofft er, auf diese Weise für eine ganze TV-Doku-Serie voller Sozialkitsch engagiert zu werden.

Es beginnt nun ein drolliges Rollenspiel, bei dem es um Fremdsein und Nichtfremdsein geht und jeder vorgibt, jemand anderer zu sein, als er tatsächlich ist. Weil das alles von den beiden Hauptdarstellern im Kollektiv mit Regisseur Arman T. Riahi so gut ausgedacht und inszeniert ist, hat es etwas tiefgründig Existenzialistisches, ist aber vor allem eine sehr komische Farce. Sie feiert mit Schmäh die österreichische Fähigkeit, sich selbst den Schlendrian zu bereiten, aus dem man sich mit viel Schläue wieder herausarbeiten muss.

Großspuriges Auftreten

Da zu Wien nicht nur das Charmante, sondern auch das Grantige gehört, werden die beiden vermeintlichen Migranten allmählich zu „Migrantigen“. Zumal ihnen ein echter Türke (Mehmet Ali Salman) begegnet, für den sich das Schwindeln und das Verbrechen schon lange lohnen. Gerne gewährt er Benny und Marko Nachhilfe in großspurigem Auftreten mit Wortgerassel und Silberketten.

Die Ungeniertheit, mit der sich diese Posse über alle Bedenken hinwegsetzt, sie könne als fremdenfeindlich gelten, wirkt ebenso befreiend wie die Direktheit der Dialoge. Als Schlussfolgerung bleibt, dass man immer sehr genau hinschauen muss, will man erkennen, wie die Wahrheit aussieht. Manchmal haben der Gutmensch und der Bösmensch sozusagen gefälschte Papiere.

Urteil: Sehenswert

 

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