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Städel Frankfurt: Die Musik verführt zum Tanz

Von Zu seinem 200. Geburtstag lädt das Städel Frankfurt bis Ende Januar ein zum „Dialog der Meisterwerke“. In einer Serie stellen wir ausgewählte Bildpaarungen vor.
„Das Ballett ,Robert der Teufel’“ (1876) aus dem Victoria-Museum London. „Das Ballett ,Robert der Teufel’“ (1876) aus dem Victoria-Museum London.
Frankfurt. 

Das städtische Leben im Paris des 19. Jahrhunderts und Edgar Degas sind nicht voneinander zu trennen. Edgar Degas (1834–1917) war der Maler des Balletts, der Oper und all jener kultivierten Lebensfreuden, auf die man sich im gehobenen Bürgertum etwas zugute hielt. Er selbst lebte in dieser Welt, als Künstler freilich, und mit zahlreichen Künstlern befreundet, ein Rädchen in der riesigen Unterhaltungsmaschinerie der französischen Kapitale, die er in immer wieder neuen Perspektiven und überraschenden Momentaufnahmen abbildete. Dabei waren jene Momente intensiv durchkomponiert, was den kennerischen Innenblick des Malers ebenso verrät wie seine unbestechliche Meisterschaft.

„Die Orchestermusiker“ (1872) aus dem Frankfurter Städel.	Abb.: Städel Bild-Zoom
„Die Orchestermusiker“ (1872) aus dem Frankfurter Städel. Abb.: Städel

Dem Städel gehört das Gemälde „Die Orchestermusiker“ von 1872. Es wurde in den folgenden Jahren überarbeitet und kam 1912 als einer der teuersten Ankäufe in das Frankfurter Haus. Das Werk zeichnet sich durch eine strenge Zweiteilung aus: Im Vordergrund sieht man jene Musiker, die dem Bild seinen Namen geben, bei der Arbeit – bemerkenswerterweise von schräg hinten gesehen. In der oberen Hälfte des Bildes aber sieht man – mindestens ebenso bemerkenswert – jene Tänzerinnen in nahezu durchsichtigen, mit rosafarbenen Blumenapplikationen verzierten Kleidern. Der Vordergrund ist dunkel gehalten, schwer und pastos, die durchaus nicht mehr jungen Männer wirken konzentriert und gesetzt. Licht, Leichtigkeit und jugendliche Freude sind, auch im Malstil ersichtlich, der Bühne vorbehalten, auf denen die Mädchen ihre Schau darbieten. Und wie um beide Partien anzüglich miteinander zu verbinden, ragen ein paar Geigenbögen und eine Klarinette vom einen Abschnitt in den anderen hinein.

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Wie jetzt in den hochkarätigen Leihgaben aus dem Musée d’Orsay, Paris, und dem Victoria and Albert Museum, London, zu sehen, hatte diese Perspektive bei Degas durchaus System. Wobei er seinen Stil veränderte und den Akzent, der ursprünglich stark auf den Musikern im Bildvordergrund lag, auf den lebensfrohen Hintergrund verschob. Viele der Musiker kannte Edgar Degas persönlich, und so ist zu vermuten, dass ihre Porträts im Orchestergraben für die kenntnisreichen Zeitgenossen einen großen Spaß bedeuteten. Manche Bilder wurden hernach gar von den Musikern angekauft, und dass Degas, wie in der französischen Leihgabe zu sehen, die Musiker an ihrem Orchesterort bewusst durcheinanderbrachte, mag zu seiner Popularität noch beigetragen haben. Anders als das Schwesterstück aus dem Musée d’Orsay tritt in dem Frankfurter Gemälde der Kontrast zwischen dunklem Graben und heiter-betörendem Bühnenspiel noch stärker hervor. Kunst, zeigen uns alle diese Gemälde, war immer schon harte Arbeit. Von dem komplexen städtischen Zusammenspiel aller Schichten und Altersstufen zeugen alle drei im „Dialog der Meisterwerke“ ausgestellten Gemälde.

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