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Räuberkomödie: Die Panzerknacker legen los

Von Mit dem Spielfilm „Logan Lucky“ kehrt der amerikanische Regisseur Steven Soderbergh, der sich zuletzt aufs Fernsehen konzentriert hatte, ins Kino zurück.
Fish Bang (Jack Quaid, links), Sam Bang (Brian Gleeson) und Joe Bang (Daniel Craig mit blondierten Haaren) haben zusammen mit den Logan-Brüdern ein großes Ding vor. Sie wollen einen Tresor knacken. Foto: Claudette Barius (Fingerprint Releasing - StudioCa) Fish Bang (Jack Quaid, links), Sam Bang (Brian Gleeson) und Joe Bang (Daniel Craig mit blondierten Haaren) haben zusammen mit den Logan-Brüdern ein großes Ding vor. Sie wollen einen Tresor knacken.

Zum Glück halten nicht alle Regisseure, was sie versprechen. Vor vier Jahren kündigte Steven Soderbergh seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft an, was außer ihm kaum einer glauben wollte. Aus dem Ruhestand ist nur eine schöpferische Pause geworden und mit „Logan Lucky“ kehrt Soderbergh in alter Frische auf die Leinwand zurück. Dabei knüpft er an seinen größten Publikumserfolg „Ocean’s Eleven“ an und bürstet die eigene Rezeptur gründlich gegen den Strich.

Zwar geht es auch in „Logan Lucky“ um den großen Coup, allerdings ist dieses Genrewerk im Gegensatz zu den kriminellen Aktivitäten der All-Star-Gangster-Bande jenseits allen Glamours angesiedelt. Tief ins proletarische Südstaaten-Milieu taucht der Film ein und findet dort Charaktere, die vielleicht nicht so eloquent, aber nicht weniger smart sind als die Ocean-Gang. Im Zentrum stehen die Geschwister Logan.

Gemeißelte Sätze

Bruder Clyde (Adam Driver) ist fest davon überzeugt, dass die ganze Sippe verflucht und vom Pech verfolgt ist. Er findet dafür schlüssige Indizien im Familienstammbaum, aber auch in der eigenen Biografie: Als Soldat im Irak hat er bei einem Bombenanschlag einen Arm verloren und arbeitet nun mit einer Prothese hinter dem Tresen einer schwach frequentierten Bar. Clyde redet nicht viel, aber wenn er etwas sagt, stehen seine Sätze wie gemeißelt im Raum. Sein älterer Bruder Jimmy (Channing Tatum) will an den Familienfluch nicht glauben, obwohl er gerade wegen einer alten Knieverletzung seinen Job auf dem Bau verloren hat und ihm das Geld für den Anwalt fehlt, um das geteilte Sorgerecht für seine geliebte Tochter Sadie (Farrah Mackenzie) einzuklagen.

Lässiger Erzählton

Jimmy sieht die sich aneinander- reihenden Niederlagen in seinem Leben als Herausforderung und beschließt, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit Clyde will er den Bargeld-Tresor eines Autokorsos am Renntag knacken, über dessen unterirdische Beschaffenheit er bei seinem letzten Job einiges an Insider-Wissen sammeln konnte. Natürlich muss für den Bruch auch eine Gang rekrutiert werden. Schwester Mellie (Riley Keough) ist eine schweigsame, kaugummikauende Friseurin mit profundem Kraftfahrzeugwissen, und als externer Sprengstoffspezialist wird Joe Bang (Daniel Craig) engagiert, der – nomen est omen – eine Packung Gummibärchen, Salz und Bleichmittelstifte effizient zur Explosion bringen kann. Dass Joe gerade noch eine Haftstrafe absitzt, ist eines von vielen Detailproblemen, die es auf möglichst unterhaltsame Weise zu lösen gilt. In gewohnt lässigem Erzählton und mit einer amüsant verschlungenen Dramaturgie blättert Soderbergh diesen Coup auf und ist dabei immer bestrebt, die Erwartungen des Publikums gezielt zu unterminieren. Die hübschen Plotwendungen kommen unangekündigt um die Ecke geschlendert, Stereotypen werden genussvoll auf den Kopf gestellt und Pointen unter der Hand ausgegeben, anstatt sie auf dem Tablett hereinzutragen.

Die bekennende Seelenverwandtschaft zu den Werken der Gebrüder Coen ist unübersehbar. Das fabelhafte Ensemble hat sichtbaren Spaß an den lakonischen Dialogen, und Daniel Craig, der sich hier als Knackie mit gebleichtem Haar auf maximale Distanz zu seinem 007-Image begeben darf, ist einfach bombig. Die besondere Qualität des Filmes ist jedoch, dass er ähnlich wie „Hell or High Water“ mit einem klaren Standpunkt das gegenwärtige Amerika aus der provinziellen Unterschichtsperspektive zeigt. Die Unterversorgung des US-Gesundheitssystems in den einkommensschwachen Schichten, die Kriege der Reichen, die von den Armen ausgefochten werden, ein Rechtsstaat, der nur denen zur Verfügung steht, die einen Anwalt bezahlen können – von all dem erzählt „Logan Lucky“ nebenbei ganz unaufgeregt, ohne Pathos und mit einem beherzten Robin-Hood-Appeal. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinestar, E-Kinos,
Harmonie, Metropolis. Sulzbach:
Kinopolis. Limburg: Cineplex. Mainz: Cinestar. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis

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