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Anastacia im Hanauer Amphitheater: Die Rockröhre faucht wie ein Tier

Von Die amerikanische Sängerin Anastacia machte bei ihrer „The-Ultimate-Collection“--Tour Station in Hanau und bereicherte so den dortigen Konzertsommer.
Das Abklatschen mit den Musikern gehört dazu: Anastacia präsentiert sich bei ihrem Auftritt im Amphitheater Hanau als Energiebündel. Foto: Sven-Sebastian Sajak Das Abklatschen mit den Musikern gehört dazu: Anastacia präsentiert sich bei ihrem Auftritt im Amphitheater Hanau als Energiebündel.
Hanau. 

„Paid My Dues“ – „Ich habe meine Schulden bezahlt“, singt, besser faucht die in wenigen Wochen 49 Jahre alt werdende Vollblutsängerin, und es darf gerätselt werden, was damit gemeint sein könnte. Ihre zweimalige lebensbedrohliche Krebserkrankung oder ihr Tingeln als Backgroundsängerin für andere Künstler über Jahre hinweg? Heute zeigt sich die mit 157 Zentimetern recht klein gewachsene Sängerin gereift, lebenserfahren und souverän. Ihre Stimme ist ihr großes Kapital, das sie in Hanau bei den ersten Songs, „Sick And Tired“ und „Stupid Little Things“, eindrucksvoll einsetzt. Hier ein Fauchen wie von einem wilden Tier, dort ein machtvolles Vibrato, wie man es bei einer Frauenstimme äußerst selten erlebt, und dann auch noch das Halten einer Note über eine ganze Kette von Takten.

Rhythmische Wucht

Ganz großes Kino bot Anastacia auf der großen Bühne vor Schloss Philippsruhe. Eine üppige Lightshow unterstreicht optisch Mainstream-Songs zwischen Rock, angesoultem Pop und Funk; eindrucksvolle Akzente setzen die Mitglieder ihrer Band inklusive zwei Chorsängerinnen in versierten Soli und mit rhythmischer Wucht, die vor allem beim Percussion-Intro und bei „Army Of Me“ über die Rampe kam.

Auf atemberaubend hohen Pumps stöckelt Anastacia über die Bretter, so dass man Angst haben muss, sie breche sich die Füße. Doch Anastacia Lyn Newkirk, wie die Chicagoerin mit vollem Namen heißt, brachte die ungemein perfekt, aber keineswegs steril wirkende Show ohne nennenswerte Zwischenfälle unfallfrei zu Ende. Meistens sind es Powersongs, in denen die zunächst im Kleid, später in engen Hosen Auftretende überzeugt: „Cowboys And Kisses“ singt sie, und man darf hier rätseln, was amerikanische Landarbeiter und Küsse miteinander zu tun haben. „Welcome To My Truth“ gibt dann textlich Einblicke in das Innenleben des Stars mit dem obligatorischen Brillen-Outfit. „Everything Burns“ schickt die bekennende Fußball-Anhängerin hinterher und könnte wohl damit auf das Weltgeschehen im Allgemeinen und das Geschehen in ihrem Heimatland im Besonderen abzielen.

Wer die Tochter eines Künstlerehepaares bislang als reine Unterhaltungssängerin einschätzte, sah sich angenehm getäuscht. „I did not vote for him“, verkündete sie mitten im Konzert, das von der Abmischung gut und vor allem sehr transparent in den Ohren klang, in Richtung Donald Trump, an dem sie kein gutes Haar ließ.

Politisch engagiert

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich immer wieder und immer mehr Künstler der Show-Branche auch politisch engagieren und dem Despoten im Weißen Haus öffentlich die Stirn bieten.

Zurück in Anastacias angestammtem Metier, der Musik, erklang „Heavy On My Heart“, sozusagen die textliche Beichte dessen, was der Frau auf dem Herzen liegt. Musikalisch besonders gut gelungen ist ihre „Foo-Fighters“-Coverversion von „Best Of You“, während beim im Original mit Eros Ramazzotti zusammen eingesungenen „I Belong To You (Il Ritmo Della Passione)“ der italienische Entertainer natürlich nicht anwesend war, dafür aber dessen Part stimmgewaltig von einer der Backgroundsängerinnen übernommen wurde. Schlag auf Schlag ging es dann weiter, und die Stimmungswogen im überdachten Theater schlugen hoch: „Pieces Of A Dream“, Passagen eines persönlichen Traums schildernd, der Überhit „Not That Kind“ und natürlich das Stück „You’ll Never Be Alone“ überzeugten voll und ganz.

Gewitzte Arrangements

Die Solidarität des Einzelnen mit der Gesellschaft zu loben, kommt selbstverständlich bei einem gut gemischten Publikum bestens an. Doch Anastacia wusste noch dramaturgisch draufzusetzen: „Why’d You Lie To Me?“ und „I’m Outta Love“ behandeln eher unangenehme Erfahrungen im Leben der Amerikanerin, kommen aber dank gewitzter Arrangements und druckvoller Interpretation gut rüber.

Als Sexsymbol der Generation knapp vor 50 zeigt sich die Entertainerin mit Mut zum Bunten. Was sich auch im Bühnenhintergrund abzeichnete. Sich ins rechte Licht zu setzen, ist bei dieser Dame kein leeres Versprechen.

„Left Outside Alone“ und „One Day In Your Life“ sind die obligatorischen Zugaben und Rausschmeißer bei einer Anastacia-Show, und die Hits unterstreichen noch mal eindrucksvoll die stimmlichen Fähigkeiten dieses einmaligen Energiebündels.

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