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Konzert: Die „Rodgau Monotones“: In höhere Sphären abgetaucht

Wenn die Messe gelesen, die Bescherung vorbei und die Gans vom Heiligabend endlich verdaut ist, durchkreuzen die „Rodgau Monotones“ den Abhängmodus nach dem Feiermarathon und locken die Menschen von der Couch in die „Batschkapp“.
Traditionell rocken die „Rodgau Monotones“, hier Peter Osterwold und Kerstin Pfau, am zweiten Feiertag. Foto: Sven-Sebastian Sajak Traditionell rocken die „Rodgau Monotones“, hier Peter Osterwold und Kerstin Pfau, am zweiten Feiertag.

Man hätte sich eigentlich vorstellen können, dass sich die Band wie auch die Fans bereits im Geburtstagsmodus befinden und alle Konzentration dem „40-Jahre-Jubiläums-Konzert“ am 10. März in der fast schon ausverkauften Stadthalle Offenbach gilt. Doch weit gefehlt. Schon seit 38 Jahren, wie Gitarrist Ali Neander launig moderiert, pilgern die „Rodgau-Monotones“-Fans am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages, wenn auch ein wenig träge, in die „Batschkapp“. Unter dem Motto „Süßer die Ohren nie klingeln“ lassen sie sich die Mattigkeit aus den Körpern blasen. Die Musiker haben weder Mühen noch Kosten gescheut, sich für die Getreuen wieder etwas Neues einfallen zu lassen. Zwar thront ein Riesenweihnachtsmann über der Bühne und steht ein kleiner Nadelbaum neben dem Lautsprecherboxenturm, nur Nikolauskostüme gab es schon im letzten Jahr. Diesmal gilt es, die Weihnachtsgassenhauer in ein „Star Wars Medley“ zu packen. Auf solche Ideen kommen nur wahre Komödianten.

Kessel Buntes

„Herzlich willkommen zum Krieg der Weihnachtssterne.“ Da werden mal eben Darth Vader & Co. mit den Crews von „Raumschiff Enterprise“ und der Orion aus der „Raumpatrouille“ zu einem Kessel Buntes vermischt. Sänger Peter Osterwold tritt mit rot leuchtendem Laserschwert auf, Sangeskollegin Kerstin Pfau trägt ein recht knappes Lieutenant-Uhuru-Kostüm, Schlagzeuger Mob Böttcher gibt das Marsmännchen und kokettiert mit einem überdimensionalen Geschlechtsteil, während Ali Neander sich – der Mystik sind keine Grenzen gesetzt – als Hildegard von Bingen vorstellt, aber kapuzenumrandet eher wie E.T. aussieht.

Da bleibt kein Auge trocken, schon beim Anblick der neunköpfigen Crew. Und wenn die Außerirdischen-Bande dann „Ihr Jedilein kommet“ oder „Klingone, Klingone, klingelingeling“ zu den bekannten Weisen intoniert, toppt der akustische den optischen Ausdruck noch locker. „Wir haben der Schönheit abgeschworen“, kommentiert Neander das bizarre Tun ironisch wie gewohnt. „Wir sind in höheren Sphären abgetaucht.“

So interpretieren sie ihren Kulturauftrag, dem sie sich verpflichtet fühlen. Sie wissen: „E bissi was geht immer“. Und die treuen Anhänger, die längst ihre Kinder und Kindeskinder mitbringen, um hessisches Kulturgut zu goutieren, danken es ihren Helden. Sie singen aus vollem Halse mit, und das erstaunlicher- wie erfreulicherweise nicht nur bei den ganz alten Hits. Gleich fünf Stücke der letzten LP „Genial“ von 2015 stehen am Beginn des ersten Sets. Hier zeigen sich ein hoher Identifikationsgrad und ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Nomen est omen

Dabei hilft, dass die neuen Kompositionen auf dieselben Ingredienzien zurückgreifen wie das Frühwerk. Da feiert die selbstbewusste Selbstwahrnehmung als „unzerstörbarer Anachronismus“ fröhliche Urstände in treibenden Boogie-Rhythmen à la „ZZ Top“ und harten Bluesriffs wie bei „AC/DC“. Klar wird dem jüngst verstorbenen Malcolm Young gedacht, da geht „Ein frauenfeindliches AC/DC-Stück“ vom Album „Ein Leben für Lärm“ (nomen est omen) in deren „Touch Too Much“ über.

Wie richtig die Entscheidung 1978 war, bei allem Erfolg der vier Düsseldorfer Ralf Hütter, Florian Schneider, Karl Bartos und Wolfgang Flür, den Menschen der Maschine vorzuziehen, zeigt ein „Kraftwerk“-Medley zu Beginn der zweiten Konzerthälfte. Die „Rodgaus“ in Anzügen und hinter Keyboards. „Wir sind die Roboter“ im Computersound provoziert dann doch Zwischenrufe wie „Macht doch endlich wieder Musik“.

So wird zum Finale hin noch mal richtig Gas gegeben. „Der kleine Pirat“, „Mein Freund Harvey“, „Frach mich net“, „Die Hesse komme“ und „Volle Lotte“ kommen fast in einem Rutsch daher – mit grandiosen Gitarrensoli von Neander und Raimund Salg, der Gesangsdoppelspitze mit dem verkappten Operettenbaron und der Bluesröhre und dem markanten Bläsersatz mit dem Topsolisten Gernot Dechert am Saxofon, musikalisch auf ganz hohem Niveau.

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